Fifa-Talk bei Frank Plasberg Wie man es Blatters Verteidigern leicht macht
"Hart aber fair"-Moderator Plasberg mit Fifa-Diskutanten: Steilvorlagen für die Blatter-Unterstützer
Foto: WDR/ Dirk BormIrgendwann in der zweiten Hälfte von "Hart aber fair", als die Sendung schon längst jegliche ernsthafte Diskussionsebene verlassen hatte und in eine heitere Plauderei abgedriftet war, blieb Zeit für ein wenig Spekulation: Was würde ein Zuschauer von der Fifa und Joseph Blatter denken, der vorher noch nie von ihnen gehört, aber nun diese Sendung gesehen hat? Dass die Fifa die wohltätigste Organisation auf Erden ist und all ihr schönes Geld nur in die Fußball-Entwicklung steckt? Und Blatter der größte unter all den Wohltätern innerhalb der Fifa ist? Sicherlich so etwas in der Art.
Zugegeben, Moderator Frank Plasberg hatte es schwer. Da flimmerte gerade noch das Relegationsdrama um den HSV und den KSC über die Mattscheibe, und nun hieß es schon wieder "Macht die Fifa unseren Sport kaputt?" - ohne dass es irgendwelche neuen Erkenntnisse dazu gab.
Zudem hatte am Abend zuvor der britische Komiker John Oliver in seiner US-Show "Last Week Tonight with John Oliver" in einer knappen Viertelstunde den Fifa-Skandal in einer so wunderbar unterhaltsamen und dennoch informativen Weise beleuchtet , dass man sagen wollte: Stopp, das reicht! Besser geht's nicht!
Niemand entlarvte die Unwahrheiten der Blatter-Unterstützer
Aber dass es sich die Redaktion von "Hart aber fair" so einfach machte und gleich wieder den stellvertretenden Fifa-Kommunikationsdirektor Alexander Koch in die Runde setzte, der denselben Unsinn erzählte wie am Abend zuvor bei Günther Jauch, das ist doch unverzeihlich.
Und gleich daneben saß der Schweizer Roger Köppel, Chefredakteur der "Weltwoche", der ständig forderte, dass bei Blatter doch die Unschuldsvermutung anzuwenden sei, denn schließlich sei ihm noch nie etwas nachgewiesen worden. Weil keiner der anderen Teilnehmer der Runde oder gar Moderator Plasberg das als Lüge entlarvte, denn Blatter wurde sehr wohl eine Mitwisserschaft im ISL-Skandal nachgewiesen, übernahm Köppel kurzerhand die Kommunikationshoheit in der Runde.
Denn von Kabarettist Frank Goosen, Radiomoderatorin Sabine Töpperwien und "SZ"-Journalist Hans Leyendecker kam leider nur wenig Gegenwehr. Da machte Goosen, im Nebenjob stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender beim Zweitligisten VfL Bochum, fast noch die beste Figur - was kein gutes Licht auf die anderen beiden wirft.
Leider verhielt sich Töpperwien so wie im Radio und sprach nur nach direkter Aufforderung, während sich Leyendecker zu sehr im Klein-Klein-Gerede mit Köppel verlor. Es fehlte leider ein Gast, der den beiden Herren auf Linksaußen mal einige ihrer Äußerungen direkt mit ein paar Fakten um die Ohren gehauen hätte - aber weit und breit keine Spur davon. Und so war noch vor der Halbzeit im Gegensatz zur Relegation die Partie schon entschieden, und das Duo Köppel/Koch hatte leichtes Spiel.
Eines muss man den beiden lassen: Für den Unterhaltungswert der Sendung haben sie einiges beigetragen. Den schönsten Satz sagte vielleicht Koch: "Wenn ein Uruguayer von einem Brasilianer bestochen wird, dann reden wieder alle von der Fifa." Sollte heißen: Sepp Blatter kann sich doch nicht um alles kümmern. Wenn er in Zürich sitzt und anderswo in der Welt irgendwelche Halunken krumme Geschäfte in seiner Organisation machen, warum ist er dann dafür verantwortlich?
Peinliche Vergleiche zwischen Fifa und Uno
Zudem gebe es die Fifa seit 1904, also könne man ja wohl kaum behaupten, dass "Blatter dieses System mit aufgebaut" habe. Und er verzog trotz der Absurdität dieser Aussage keine Miene, was er sowieso selten macht. Selbst als später alle nur noch lachten und kicherten - inklusive Moderator Plasberg - blieb der Mann ernst. Über die ganzen peinlichen Uno-Vergleiche von ihm und Köppel legen wir mal lieber den Mantel des Schweigens.
Stattdessen wurden pflichtgemäß ein paar Alternativen angerissen: Austritt einiger großen Nationen und Gründung einer Parallelorganisation? War irgendwie keiner mit zufrieden. "Über kurz oder lang haben wir dann wieder das gleiche Problem", sagte Goosen. Boykott der nächsten Weltmeisterschaften? "Da bin ich skeptisch", so Goosen, "das wird dann ja auf dem Rücken der Spieler ausgetragen." Der TV-Rechte-Kauf von ARD und ZDF für die WM 2018 und 2022? Wurde mit einer kurzen Einblendung eines Statements von ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky abgehakt.
Und allen Ernstes wollte Plasberg dann noch mit einem TV-Ausschnitt und dem Blatter-Zitat "Ich vergebe, aber ich vergesse nicht" belegen, dass der Fifa-Boss sich wie ein Mafia-Pate verhält. Wie gesagt, Koch und Köppel hatten bei solchen Steilvorlagen leichtes Spiel. Auch in diesem Fall.
Was bleibt nach den ganzen Talkshows zum Fifa-Skandal? Erleichterung, dass sie vorbei sind. Denn auch wenn es bei "Menschen bei Maischberger" heute heißt: "Motiv: Habgier", geht es dort dem Vernehmen nach nicht mehr um die Fifa. Aber das sollte man vielleicht erst glauben, wenn Alexander Koch nicht mit in der Talkrunde sitzt.