Streaming-T(r)ipp: In dieser Doku berichten Weltstars von ihren heftigsten Drogentrips

Neu auf Netflix: "Have a good Trip"

Dieser Beitrag wurde am 07.06.2020 auf bento.de veröffentlicht.

LSD wurde jahrzehntelang in einem Atemzug mit Kokain und Heroin genannt, obwohl es sich in Suchtpotenzial und Konsumart deutlich von diesen "harten" Drogen unterscheidet. Inzwischen scheint ein Umdenken stattzufinden, im Drogenbericht 2019  der deutschen Bundesdrogenbeauftragten wird der Stoff nicht einmal mehr in der Tabelle mit aufgeführt. Studien halten die Droge seit Jahren für deutlich weniger gefährlich und suchterregend als etwa Alkohol.* 

Im Silicon Valley, dem Herz der US-amerikanischen Tech-Revolution, sind LSD und ähnliche Drogen trotz Illegalität seit Jahren gefragt, selbst Apple-Gründer Steve Jobs schwor darauf. Das bei den Tech-Gurus beliebte Microdosing, also die Einnahme geringster Mengen, dient im Sinne der neoliberalen Verwertungslogik allerdings eher dem Leistungs-Doping, nicht der Freizeitgestaltung (SPIEGEL+, €)

Netflix nähert sich in "Have a good Trip" den unterschiedlichen Seiten von LSD

Der teils dokumentarische Film "Psychedelische Abenteuer: Have a good Trip" hat zahlreiche Weltstars vor die Kamera bekommen, die Drogen wie LSD oder Magic Mushrooms im Laufe ihres Lebens zum Spaß genommen haben – und hier von ihren guten und schlechten Erfahrungen damit berichten. Über 11 Jahre hat Regisseur und Autor Donick Cary an dem bunten Flickenteppich gearbeitet, und dafür unter anderem mit Sting, Ben Stiller, Carrie Fisher und A$AP Rocky gesprochen.

Eine wirkliche Doku ist der Film nicht, dafür sind die trippigen Animationen und nachgestellten Szenen oft zu albern. Etwa, wenn Comedian Nick Kroll einen Pilzrausch beschreibt – und seine Halluzinationen eines Algenmonsters von ihm selbst für den Film nachgespielt werden. In solchen Momenten merkt man, dass der Regisseur selbst aus dem Comedy-Bereich kommt.

"Have a good Trip" sieht sich selbst wohl als Gegendarstellung zu in den USA staatlich finanzierten (und wissenschaftlich oft wenig fundierten) Angst-Kampagnen, die jungen Menschen den Eindruck vermitteln sollen, jeder LSD-Trip ende mit einem Sprung aus dem Fenster. Dass Verbote und Schreckensbilder aber nicht zu einem bewussteren Umgang mit illegalen Substanzen führen, haben die vergangenen Jahrzehnte der Prohibition bewiesen. (Cato Institute  / Guardian  / ACLU )

Der Film versucht auf seine überzeichnete und alberne Weise, Nutzerinnen und Nutzer zu einem sicheren Umgang zu lenken und gleichzeitig mehr gesellschaftliches Verständnis für die positiven Effekte der Droge zu schaffen.

Ein großer Fokus dieser Erzählung: Die seinerzeit von Ronald Reagan in die ganze Welt exportierte Verbotspolitik habe in der Medizin eine große Lücke hinterlassen. Denn vor allem in der Psychotherapie hegt man große Hoffnungen auf die Heilwirkung von LSD und anderen psychedelischen Drogen. Erste Studien deuten auf ein hohes Wirkpotenzial bei der Behandlung von Depressionen, PTBS oder Angststörungen hin. Teilweise bereits nach der ersten Nutzung. (MAPS )

In Israel, Kanada, den USA und sogar Deutschland soll das nun näher erforscht werden. Denn LSD und ähnliche bewusstseinserweiternde Drogen wie Ayahuasca, DMT oder Mescalin könnten (unter therapeutischer Begleitung) dabei helfen, die Perspektive auf auf das eigene Leben zu verändern. Vermeintliche Probleme entpuppen sich dabei als Nichtigkeiten, andere offenbaren sich. Nicht wenige ändern nach einem heilsamen Trip ihren Umgang mit ihren Mitmenschen, der Natur oder der Arbeit.

Bei allem Spaß klammert der Film die negativen Aspekte der Drogennutzung nicht aus, widmet ihnen aber auch nicht zu viel Raum: Der viel beschworene "schlechte Trip" ist zwar ein großes Thema. Allerdings weniger als Schreckgespenst und Einbahnstraße in die Psychiatrie, sondern als mahnendes und einschneidendes Erlebnis, das bei seinen prominenten Opfern ein Umdenken anregte. 

Ob die Warnung ankommt? Etwa ein Prozent der LSD-Konsumenten gaben bei der Global Drug Survey 2017 an, sich wegen zu starker Dosierung und Kontrollverlust ärztliche Hilfe gesucht zu haben. Weniger als bei Alkohol, ja. Aber eben doch nicht niemand. 

Klar, Drogen sind gefährlich. Aber sie können auch extrem lustig sein.

Nick Offerman in "Have a Good Trip"

In der Mitte des Filmes geht "Have a Good Trip" zwischenzeitlich leider etwas die Puste aus. Wohl auch, weil einige der Schwergewichte, die Donick Cary zuerst interviewen konnte (unter anderem Ozzy Osborne, Susan Sarandon und Patton Oswalt), später doch nicht im Film auftauchen wollten (Guardian ). Das Aufgebot an Perspektiven und bekannten Gesichtern ist trotzdem beeindruckend. Wer sich für viele Pros und sparsam eingesetzte Contras zur LSD-Nutzung interessiert, bekommt hier einen unterhaltsamen Einblick. 

"Psychedelische Abenteuer: Have a Good Trip" (86 Minuten) ist auf Netflix zu sehen. 

*Zum Beispiel: Global Drug Survey 2017  oder "Drug Harms in the UK: A multicriteria decision analysis" (The Lancet, 2010 ). Die aktuelle Global Drug Survey  untersucht die psychische Heilwirkung von betreuten Retreats mit LSD, Pilzen oder Ayahuasca.