Neue Plattform HBO Max Attacke gegen Netflix, Apple und Disney

Alle großen Unterhaltungskonzerne rüsten für den Serienmarkt auf, nun auch WarnerMedia. Der "Sopranos"- und "Game of Thrones"-Sender HBO wird zur Super-Plattform umgebaut.

Szene aus "Game of Thrones": Kampf um die Publikumsgunst
ddp images/ HBO

Szene aus "Game of Thrones": Kampf um die Publikumsgunst

Von


An die 500 Serien sollen 2018 alleine in den USA produziert worden sein. In der Zukunft dürften die jeweiligen Jahresausbeuten noch deutlich höher ausfallen, denn alle großen Medien- und Kommunikationskonzerne bauen ihre Reiche nun noch einmal erheblich in Sachen Fernsehen und Streaming aus, und sie alle treten mit massiven Investitionsprogrammen an - der sich ankündigende Verdrängungswettbewerb zwischen Netflix, Amazon und all den anderen könnte sich also ziehen.

Am 1. November geht Apple TV+ mit etlichen neuen Eigenproduktionen weltweit an den Start, am 12. November folgt der US-Launch von Disney+. Als wollte man der Konkurrenz die Aufbruchslaune verderben, lancierte nun der Unterhaltungsgigant WarnerMedia Details zu seiner Mega-Plattform HBO Max, die im Mai 2020 einsatzbereit und voluminös mit Serien, Kinofilmen und Informationsprogrammen bestückt sein soll.

Dort will der Konzern einen Großteil der Angebote aus seinem vielfältigen Portfolio bündeln. Zu dem Haus WarnerMedia, das wiederum Teil des Kommunikationsriesen AT&T (Gesamtumsatz 2018: 189,7 Milliarden Dollar) ist, gehören Entertainmentanbieter wie die Filmstudios Warner Bros. und New Line Cinema und die TV-Sender TNT, Cartoon Network sowie der einflussreiche Nachrichtensender CNN.

Und dann ist da natürlich noch der stilbildende Sender HBO, der dem neuen Super-Portal den Namen gibt. HBO hatte mit Serien wie "Sopranos" das viel beschworene goldene Zeitalter des Fernsehens eingeleitet, aber auch mit Stoffen wie "Game of Thrones" gezeigt, wie episches, schauwertgesättigtes Erzählen für den Fernsehbildschirm funktioniert. Die Serienproduktion wird jetzt angeblich noch mal drastisch angezogen. 2020 sollen gut 30 Serien präsentiert werden, 2021 sollen es schon 50 sein, darunter auch das Prequel zum Hit "Game of Thrones".

Ein neues liberales Sprachrohr?

HBO wurde für die Neuausrichtung völlig umgekrempelt, Insider sprechen von eisernen Umstrukturierungen. Der langjährige, die bisherige Linie des Senders prägende HBO-Chef Richard Plepler wurde schon Anfang des Jahres gefeuert. WarnerMedia bündelt nun gleichsam zentristisch die Kräfte und stimmt die Inhalte noch mehr aufeinander ab.

HBO Max könnte sich sowohl über fiktionale als auch faktische Inhalte noch stärker als liberales Sprachrohr in den USA positionieren als bisher. Schon mit der HBO-Serie "Succession", einer Satire über eine gefräßige US-Mediendynastie, zeigten sich diese Ambitionen: Da wurde als Gegenspieler zur ruchlosen rechtskonservativen Unternehmerfamilie heroisch ein Nachrichtensender in Szene gesetzt, der sehr ans Warner-eigene CNN erinnert. Die großen gesellschaftlichen Umbrüche und Spaltungen in den USA spiegeln sich also auch in der Streaming-Neuordnung wider; es formieren sich da regelrecht Blöcke gegeneinander.

Dabei ist völlig klar, dass am Ende des anstehenden Kampfs um die Publikumsgunst nicht alle großen Fernsehanbieter überleben werden. Wer soll sich denn fünf bis zehn Abos leisten können - zumal der Trend offensichtlich zum hochpreisigen Angebot geht. HBO Max soll 14,99 Dollar kosten. Kunden von AT&T sollen Vorzugsangebote oder freien Zugang erhalten.

In Deutschland wird die Plattform vorerst nicht an den Start gehen. Laut Pressemitteilung des Bezahlsenders Sky soll hierzulande weiterhin die erste exklusive Ausspielung von Serien mit HBO-Logo laufen. Trotzdem wird HBO massiv zur Diversifizierung und Dynamisierung auch des hiesigen Fernsehmarkts beitragen - und den etablierten Streaming-Größen das Leben schwer machen.

Für Netflix etwa, das sich ebenfalls als liberales Sprachrohr begreift, dürfte es jetzt noch komplizierter werden, sich gegen die Aufstellung nehmende Konkurrenz zu wehren. Das zeigt schon ein simpler Vergleich: Netflix hat im vergangenen Jahr nicht einmal ein Zehntel des Umsatzes von WarnerMedia und AT&T erzielt. Um gegen den neuen Goliath bestehen zu können, muss der verhältnismäßig kleine Streaming-Pionier stark an seinem Profil arbeiten.



insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
el_lider_maximo 30.10.2019
1. Das wird böse enden.
Mit netflix haben wir ein zentralisiertes einzahlsystem gehabt, legal und relativ zuverlässig. Wenn die großen studios glauben, wir werden 5 oder 6*10€ monatlich ausgeben für unterschiedliche dienste, irren sie sich gewaltig. Wir werden wieder beim one-click hostern landen, die 10€ / Monat kosten und wieder, wie Netlflix, alles anbieten.
grbxx 30.10.2019
2. Nicht das es langsam unübersichtlich wird ...
Prime Netflix Disney+ Apple+ HBO ....
jgunlieb 30.10.2019
3. Hallo Torrent!
Ja, als Netflix aufkam, da gingen die Online-Raubkopien deutlich zurück. Jetzt kocht wieder jeder sein eigenes Süppchen, nachdem man legale Angebote erst nicht ernst genommen hat und jetzt feststellt, dass man Profite verschenkt, wenn man das einfach an Netzflix lizensiert. Die Konsequenz wird für die Nutzer sein, sich in der hochfragmentierten Medienkonsumlandschaft wieder illegal die Unterhaltung zu suchen. Legal, illegal, das spielt keine Rolle. Bequemlichkeit, das ist was Nutzer antreibt. Und sobald illegale Angebote wieder bequemer sind als 10 legale Streamingplatformen.... naja, ich freue mich schon wieder auf das laute Gejammer der Rechteinhaberm, die sich ihren Markt wieder mal selbt kaputt gemacht haben, dafür aber dem bösen Internet die Schuld geben. Nicht freuen werde ich mich auf weitere, innovationsfeindliche Verschärfungen des Urheberrechts.
Frederik72 30.10.2019
4. Bäumchen wechsel dich
Da alle kurze Kündigungsfristen haben, wechselt man eben, sobald eine Plattform "ausgeguckt" ist... So mach ich das heute auch schon mit Netflix und Sky.
s-n-a-f-u 30.10.2019
5. Etwas fehlt mir...
Für mich entscheidend sind die 4K-Inhalte (Sky-Ticket bietet teilweise sogar noch SD-Formate) und dazu schweigt sich der Artikel natürlich aus. Bei Netflix scheint man da aber laaangsam auch bei den Filmen und nicht nur bei den Eigenproduktionen in die Puschen zu kommen...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.