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Helmut Schmidt: Der Allzeit-Lieblingskanzler

Foto: Daniel Bockwoldt/ dpa

Helmut Schmidt bei Maischberger "Trost im Jenseits? Nee, brauche ich nicht"

Schmidt-Audienz bei Maischberger: Wieder einmal ließ sich der Deutschen Lieblingskanzler von seiner Lieblingsmoderatorin befragen - und gab sich dabei besonders entspannt.

Er kam aus dem Urlaub, nicht vom Brahmsee wie einst in all den Jahrzehnten, sondern aus Mallorca. Das offenbarte er erst ganz gegen Schluss, bei der neunten Zigarette, aber dass diesmal besonders gut reden war mit ihm, war von Beginn an zu merken.

Richtig entspannt saß da bei Sandra Maischberger ein freundlicher alter Herr im Anzug und offenem rosa Hemd, ein bisschen altersmilde fast, und das, obschon er gerade einmal 96 Jahre alt ist und Helmut Schmidt heißt. Dass er aber immer noch der typische Allzeit-Lieblingskanzler der Deutschen ist, wurde ebenfalls gleich klar, als die für derlei seltene TV-Auftritte allein zuständige Moderatorin von ihm wissen wollte, wie es ihm, dem Land und der Welt gehe - Auftakt zu einer globalen wie auch biographischen Tour d'Horizon.

Der Welt gehe es nicht gut angesichts drohender Überbevölkerung und der Krisen, lautete die Antwort, Deutschland hingegen "im Prinzip unglaublich gut". Ja, er sei sogar "ein bisschen besorgt, dass es ihm ein bisschen zu gut geht", ergänzte er später bei Zigarette Nummer sechs mit Blick auf Berlins Position in Europa. Und ihm selbst gehe es "einigermaßen". Maischberger: "Was heißt einigermaßen?" Schmidt: "Einigermaßen heißt einigermaßen."

Es war erfrischend, Schmidt zuzuhören

Bevor es noch etwas persönlicher wurde, hatte aber zunächst der Welt-Ökonom und Politiker das wägende und immer wieder auch sehr deutliche Wort - außer Diensten zwar längst, aber nach wie vor urteilsstark und gerade wegen seines Abstandes zu den gegenwärtigen Problemen von solch pointierter Präsenz, dass es erfrischend war, ihm zuzuhören.

Das Werben der EU um die Ukraine mit "idiotischen Angeboten" etwa nannte er "geopolitische Kinderei." Und zur Frage, ob Putin gefährlich sei, fiel ihm ein, dass er sich nicht so sicher sei, ob die USA wirklich ungefährlicher seien als Russland. Ein Kriegstreiber sei Putin jedenfalls nicht.

Immer dann, wenn möglichst kurze Antworten gewünscht waren, wurde es besonders unterhaltsam. Und gelegentlich ließ er sich auch anmerken, dass er diese Art von Plauderei mit genau dieser Moderatorin wohl ein klein bisschen genoss.

Ob er die FDP vermisse? "Nicht sonderlich."

Die AfD? "Unangenehm", aber schließlich gebe es überall rechts- wie auch linksextreme Parteien.

Der künftige SPD-Kanzlerkandidat? "Nicht aktuell."

Obama ein großer Präsident? "Das würde ich so nicht unterschreiben."

Ob Merkels Griechenland-Politik gut sei? "Weiß ich nicht. Sie macht sie so, wie sie denkt, dass sie richtig ist. Sie macht kleine Schritte, das ist mir sympathisch."

Überhaupt die Griechen mit ihrer "schwierigen" Regierung: Ein Schuldenschnitt sei unumgänglich. Und was Athens Reparationsforderungen anbelange, so müsse man diese "jedenfalls zur Kenntnis nehmen." Die bisherige deutsche Position hierzu sei "unhaltbar".

Als man an diesem Punkt angelangt war und Schmidt bei seiner achten Zigarette, war das Thema der deutschen Vergangenheit bereits in anderem Zusammenhang zur Sprache gekommen - als ernstester und heikelster Teil des Gesprächs, bei dem nicht verborgen blieb, wie schwer sich hier jemand immer noch mit der eigenen Vergangenheit in Krieg und Nazi-Zeit tat, mit bleibenden Narben und Erfahrungen, die bei dieser Generation nie mehr zu überwindende Traumata hinterließen.

Von Auschwitz will er nichts gewusst haben

Dass er je in die Nähe der NS-Ideologie geraten sei, wie von einigen behauptet, sei "dummes Zeug". Er habe als Soldat seine Pflicht getan und zugleich doch dauernd nur gehofft, dass es vorbei sein möge. "Ich mache mir keine Vorwürfe, kein Held gewesen zu sein." Auschwitz? Davon habe er erst zwei Jahre nach dem Krieg gehört. Ob er nicht doch, wie so viele, etwas verdrängt habe? "Nein, nichts gewusst."

Ein Vorbild habe er ohnehin nie sein wollen, ließ er wissen, und das war dann auch die mehr oder minder elegante Überleitung zu jenem Thema, das landauf landab bereits ausgiebig für Gesprächsstoff gesorgt hat: der vermeintliche Mustergatte in der Rolle des Ehebrechers. Da wurde er vergleichsweise wortkarg, verriet aber, dass er seiner Tochter das entsprechende Kapitel in seinem zum Bestseller avancierten Buch vorher zu lesen gegeben habe. Ansonsten müsse einem das erst mal einer nachmachen, 68 Jahre verheiratet gewesen zu sein, und nie an Scheidung gedacht zu haben.

Gefragt, ob dies denn angesichts des programmatischen Titels "Was ich noch sagen wollte" sein letztes Buch gewesen sei, mochte er sich nicht festlegen. Allerdings war man damit nun tatsächlich bei den allerletzten Dingen angekommen und bei all den anderen, die schon starben, bei Bölling, Beitz, Lenz, Weizsäcker, Scholl-Latour. Schmidt probierte endlich auch ein paar widerwillige Züge mit der schon zu Anfang angebotenen E-Zigarette und räumte ein, ja, das Alter sei ziemlich lästig, aber er habe auch nichts dagegen, noch älter zu werden. Verhindern könne er es sowieso nicht.

Trost im Jenseits? "Nee, brauche ich nicht." Loki sei der Meinung gewesen, selbst wenn der Mensch verbrannt werde, blieben die Moleküle und Atome die gleichen. Vielleicht werde daraus mal eine Pflanze. "Da habe ich ihr zugestimmt."

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