"Schmidteinander"-Entertainer Herbert Feuerstein ist tot

Er war albern und anarchisch - und in "Schmidteinander" ein Star neben Harald Schmidt: Autor und Entertainer Herbert Feuerstein ist im Alter von 83 Jahren gestorben.
Herbert Feuerstein 2012: Große Komik, großes Talent

Herbert Feuerstein 2012: Große Komik, großes Talent

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Rainer Unkel / imago images

Der Kabarettist, Autor und Adolf-Grimme-Preisträger Herbert Feuerstein, Erfinder der Show "Schmidteinander" mit Harald Schmidt, ist tot. Das gab der WDR am Mittwoch bekannt.

"Heute sind wir traurig", sagt WDR-Intendant Tom Buhrow. "Wir bedanken uns bei Herbert Feuerstein nicht nur für 'Schmidteinander', eine Kultshow, die  Fernsehgeschichte geschrieben hat und vieles verändert hat. Sondern auch für seinen klugen Humor, seine herrliche Albernheit, den intelligent durchdachten Anarchismus und viele, viele höchst unterhaltsame Fernseh- und Hörfunkstunden. So oft hat er uns zum Lachen gebracht."

Herbert Feuerstein wurde 1937 in Zell am See geboren, war gelernter Musiker (Klavier, Cembalo, Komposition) und arbeitete anschließend als Journalist. 20 Jahre lang war er Chef des deutschen Ablegers des US-amerikanischen Satiremagazins "MAD".  

Im Fernsehen fasste er zunächst als Autor der Michael-Braun-Talkshow im WDR  Fuß, zwei Jahre später folgte "Wild am Sonntag". Dem breiten deutschen Publikum wurde er als Rategast in der Spielshow "Psssst..!" bekannt, die Harald Schmidt moderierte. Danach konzipierte er "Schmidteinander" und gewann dort als Co-Moderator neben Schmidt an großer Komik, indem er vor allem Albernheiten und Langeweile zur Schau stellte. "Es war Abneigung auf den ersten Blick", beschrieb Herbert Feuerstein seine Zusammenarbeit mit Harald Schmidt. 

"Schmidteinander" und "Feuersteins Reisen"

Late-Night-Legende Schmidt nahm mit launigen Worten Abschied von seinem verstorbenen Kompagnon. "Feuerstein war ein Genie - das hat er mir selbst gesagt, und ich habe es ihm bestätigt", sagte Schmidt am Mittwoch. "Während 'Schmidteinander' hat er mir befohlen, zuerst zu sterben - jetzt ist es anders gekommen."

Im Herbst 1994 erhielt Feuerstein den Fernsehpreis "Bambi" für seine Kreativität, "anarchistische Originalität" und seinen "hemmungslosen Mut zum Chaos", so die Begründung der Jury. Ein halbes Jahr ließ der WDR "Schmidteinander" allerdings auslaufen. Feuerstein spielte daraufhin Theater, unter anderem in Hamburg und in Leipzig.  

Fernsehen blieb sein erfolgreichstes Medium, auch wenn er beteuerte: "Ich bin ein schreibender Mensch" und sich "nicht übers Fernsehen" definiere. In "Feuersteins Reisen" berichtete er von Reisen in die verschiedensten Weltregionen in der Rolle des skurrilen Weltenbummlers, der ohne viel Vorwissen unvoreingenommene Neugier zeigte. 1996 schrieb er mit einem unvergesslichen Auftritt Geschichte, indem er zwölf Stunden am Stück "Feuersteins Nacht" moderierte. Auch in der "Lindenstraße" hatte er Gastauftritte.

Feuerstein verfasste auch zahlreiche Bücher, unter anderem Reiseberichte und im Jahr 2005 den Sammelband  "Frauen fragen Feuerstein und sieben andere F-Wörter", ein Sammelsurium von Interviews, Glossen, Reportagen und Sketchen der Sendung "Schmidteinander". 2014 erschien seine Autobiografie "Die neun Leben des Herrn F."

Herbert Feuerstein starb im Alter von 83 Jahren in Erftstadt. 

cpa
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