US-Serie "Homeland" Bomben basteln im Berliner Altbau

Twentieth Century Fox Home Entertainment

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Alles so schön deutsch hier: Die erste Episode der fünften Staffel von "Homeland" spielt in Berlin - und offenbart schockierende Einblicke in das Treiben der CIA in der deutschen Hauptstadt. Wir hatten ja keine Ahnung.

Vermutlich muss man doch noch einmal überdenken, wie man zur Überwachung durch die US-Geheimdienste steht. Vielleicht ist es nämlich doch ganz gut, dass die Amerikaner ein wachsames Auge auf uns werfen. Vielleicht sind wir Spionagekritiker einfach nur "dumm", wie es Saul Berenson (Mandy Patinkin) seiner mittlerweile aus dem Staatsdienst geschiedenen ehemaligen Lieblingsagentin Carrie (Claire Danes) vorhält.

Doch ganz gut, dass die CIA sich kümmert

Nein, es ist wohl schon ganz gut, dass Peter Quinn (Rupert Friend), der sympathische CIA-Auftragskiller, hier einfach so in eine Berliner Altbauwohnung marschieren kann, denn nach Sekunden entdeckt er eine versteckte Bombenwerkstatt. Und es ist höchst effektiv, dass er den heimkehrenden Bombenbastler gleich mit dessen eigener Höllenmaschine ins Jenseits befördert. Man kennt ja die deutsche Justiz, das würde alles viel zu lange dauern mit einem Prozess.

Berlin, der Schauplatz der ersten Episode der neuen Staffel der US-Serie "Homeland" ist dem deutschen Zuschauer vertraut und fremd zugleich. Manche Straße meint man zu erkennen, die Mischung aus leicht verranzten Ausgehmeilen, englischsprachigen Touristen und verspiegelten Konzernbauten ergibt ein stimmiges, aktuelles Bild. Fremd ist nur diese latente Gefährlichkeit, die dieses homeländische Berlin ausstrahlt: Jeder Bärtige führt potenziell Böses im Schilde, islamistische Kommandeure residieren hier unbehelligt, blonde Frauen werden am helllichten Tag in Kastenwagen gezerrt. Und die CIA macht, was sie will.

Diese Überzeichnung (jedenfalls wollen wir mal hoffen, dass es eine Überzeichnung ist) macht es mit der deutschen Realität vertrauten Zuschauern nicht leicht, in die Fiktion einzutauchen. Dem internationalen Publikum dürfte das nicht so schwer fallen, ist "Homeland" doch zumindest am Anfang seiner fünften Staffel längst nicht so überdreht wie früher.

Früher zerrissen, heute fast etwas zu ausgeglichen

In den ersten Staffeln stand die innere Zerrissenheit Carries im Mittelpunkt, ihre psychische Krankheit und ihre unglückliche Liebe zu dem terrorverdächtigen Elitesoldaten Brody. Mit einem für TV-Serien höchst ungewöhnlichen Reset haben sich die Macher der Serie am Ende der dritten Staffel Brodys entledigt - seine Figur war auserzählt, noch einen weiteren Wechsel von Gut nach Böse und wieder zurück hätten weder sein Charakter noch die Serie vertragen.

Es gelang so ein überzeugender Neustart. Nun, in der neuen Staffel, scheint sich auch Carrie beruhigt zu haben: Ihre Krankheit wird nicht mehr thematisiert, zu ihrer Tochter Frannie scheint sie ein liebevolles Verhältnis gefunden zu haben, und über Brody ist sie auch hinweg: In Berlin lebt die ehemalige Agentin mit ihrem deutschen Freund Jonas (Alexander Fehling) zusammen. Die Arbeit als Sicherheitschefin für den deutschen Milliardär und Unternehmer Otto During (Sebastian Koch) ist vergleichsweise ungefährlich.

So sehr man es ihr gönnt, doch möglicherweise hat sich Carrie etwas zu sehr beruhigt, denn, ganz ehrlich: Besonders aufregend ist die erste Episode nicht. Muss sie allerdings auch nicht sein, spannend sind vielmehr die hier angelegten Grundlagen für den weiteren Verlauf der Geschichte: Selbstverständlich muss sich Carrie bald wider Willen mit islamistischen Bösewichten herumschlagen. Auch die aktuelle Flüchtlingskrise und die Verwerfungen zwischen deutschen und amerikanischen Geheimdiensten werden noch eine größere Rolle spielen. Und, so erschreckend das auch ist, einem eliminierenden Quinn schaut man sowieso immer wieder gerne zu.

insgesamt 25 Beiträge
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alexanderschulze 05.10.2015
1. Das wird noch langweiliger
als die eh schon sehr einschläfernde letzte Staffel. Ich will Brody zurück :-)
ky3 05.10.2015
2.
"Vielleicht ist es nämlich doch ganz gut, dass die Amerikaner ein wachsames Auge auf uns werfen." Vermutlich meinen Sie den Satz. Dann sollten Sie es unbedingt deutlicher schreiben. Viele wird es sonst überfordern. Falls Sie ihn erst meinen, gute Nacht! Die Nacherzählung oben führt nur die Ornamente der Filmaussage auf. So wie die meisten US-Filme könnte man ihn auf folgende Zusammenfassung schrumpfen: - die USA ist Großartig - der Held muss Gesetze brechen um sein Land zu schützen - Gefahren lauern überall / traue keinem - Rache mache Sinn - übersinnliches Religionszeug macht Sinn - das Ende ist nah Wenn man sieht wie viele Menschen anhand von Filmaussagen und nicht aufgrund von wissenschaftlichen Beweisen an UFOs, Zombies oder Geister glauben dann wird mir schwindelig wo hin uns diese immer gleiche gefährliche US-Filmaussage führen wird.
Grammatikfreund 05.10.2015
3.
Freut mich zu erfahren, dass nicht nur ich (mit latent schlechtem Gewissen) ein Quinn-Fan bin. Ob die neue Staffel was taugt, werden wir in ein paar Wochen wissen. Ich fand den Anfang jedenfalls vielversprechend.
just saying 05.10.2015
4.
Habe die erste Folge im Original gesehen. Bezeichnend ist dieses Zitat. Carry:" whats wrong with the NEW Germans? Saul: I don´t know, they used to fight like Hell. " Heute kämpft niemand von uns. Wer schützt und vor dem Dingen die noch kommen? BND? BKA? Wir wissen, dass die US Dienste mehrere Anschläge verhindert haben. Wir wissen, dass unter unseren Flüchtlingen IS Terroristen sind. Mir egal wer uns schützt.
kaligrafin2010 05.10.2015
5.
Hallo,an meine Vorredner hier: Wo und wie . sehen Sie denn schon jetzt legal die Folgen? würde ich auch gerne. Für Hinweise wäre ich dankbar.
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