Neue Staffel "Homeland" Nein. Halt. So geht das nicht.

20th Century Fox Home Entertainment

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Kann sich "Homeland" neu erfinden? Nach drei Staffeln schien die einstige Erfolgserie auserzählt zu sein. Jetzt meldet sich die labile CIA-Agentin Carrie Mathison zurück - aus Kabul, wo sie Drohneneinsätze verantwortet.

Vorsicht: Spoiler. Lesen Sie nicht weiter, wenn Sie das Ende der dritten Staffel noch nicht gesehen haben.

Bis "Homeland" wieder zu "Homeland" wird, dauert es mehr als 38 Minuten. Bis dahin scheint die Handlung von "Drone Queen", der ersten Folge der vierten Staffel, viel zu einfach gestrickt zu sein. Carrie (Claire Danes) soll in Afghanistan Terroristen jagen. Dabei muss sie abwägen, ob und wann und wie die Ziele angegriffen werden sollen. Als bei einem Einsatz massenhaft Zivilisten sterben, geraten Carrie und ihre Kollegen unter Druck.

Am Ende der dritten Staffel hatte Drehbuchautor Alex Gansa der US-Serie eigentlich den Garaus gemacht. Er ließ Hauptdarsteller Nicholas Brody (Damian Lewis) erhängen und mit seinem Tod brannte nieder, was die Serie so spannend gemacht hatte: Die brutale Liebesbeziehung zwischen Geheimdienstagentin Carrie und Brody, einem Kriegsheimkehrer, der in seiner Garage heimlich zu Allah betet und von Carrie beschattet wird, weil sie in ihm den perfekten Terroristen zu erkennen glaubt. Doch als sich die intelligente, aber labile Agentin in den Mann verliebt, verschiebt sich die Achse des Bösen.

Mit Brody also ließ Gansa einen Stützpfeiler der Serie einstürzen. Doch viele Kritiker glaubten, "Homeland" könne nur durch diese Radikalmaßnahme weiterleben, ohne unglaubwürdig zu werden. Entsprechend laut sollte es in der ersten Folge der vierten Staffel knallen. Die Erwartungshaltung war nach Brodys Tod riesig.

Doch leider erzählen Gansa und "Homeland"-Stammregisseurin Lesli Linka Glatter zunächst etwas zu klischeebeladen, etwa als ein junger Angehöriger der Opfer den Unglücksort besucht und vorwurfsvoll zu einer US-Drohne am Himmel schaut. Oder als sich der Junge auf seinem Smartphone ein Video der Familie anschaut, kurz bevor diese bombardiert wird.

Auch scheint es, als hätten sich die Figuren kaum weiterentwickelt: Carrie, die ein Kind von Brody hat, auf das ihre Schwester aufpasst, behandelt ihr Unglück immer noch mit Tabletten, die sie vorm Schlafengehen mit Weißwein runterspült. Ihr Ex-Vorgesetzter Saul Berenson (Mandy Patinkin) zweifelt immer noch mit zusammengekniffenen Lippen an seinen Chefs. Und Peter Quinn (Rupert Friend) motzt immer noch erfolglos an Carrie herum.

Doch in Minute 38:17 schlägt der Plot plötzlich um, dann wandelt sich die Stimmung: Der Zuschauer wird vom "Homeland"-Gefühl gepackt, denn er weiß, gleich wird etwas Schlimmes passieren, aber er kann nur ahnen, was das sein wird. Und dann wird doch wieder alles viel, viel schlimmer als gedacht. So schlimm, dass man plötzlich am Bildschirm klebt, sich die Hände vor den Mund oder die Augen hält und denkt: Neeeein, das machen sie jetzt nicht wirklich. Neeeein. Halt. Stopp. So geht das nicht.

Aber ja, genauso läuft das bei "Homeland". Alex Gansa wird die Zuschauer halten können, denn am Ende ist nichts mehr, wie es war. Ein Glück.


In Deutschland ist Staffel 4 auf Englisch mit deutschen Untertiteln auf Portalen wie iTunes, Maxdome und Videoload sehen.



insgesamt 2 Beiträge
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NewYork76 06.10.2014
1.
Die Doppelfolge gestern fand ich sehr gut und hat einige vielversprechende Handlungs-Straenge eroeffnet. Interessante und sehr aktuelle Themen. Gluecklicherweise nur in einigen Momenten etwas klischeehaft. Meist jedoch sehr treffend. Fuer mich ist das neue Homeland nach den ersten beiden Folgen zu urteilen ein voller Erfolg.
berufskonsument 07.10.2014
2.
Frau Haug scheint eine andere Serie gesehen zu haben als ich. In meinem "Homeland" wurde recht deutlich gezeigt, was mit Carrie passiert, wenn sie ihre Tabletten mal nicht nimmt - mit "Unglück herunterspülen" hat das nicht gar so viel zu tun. Auch daran, dass sich die Handlung über mehrere Folgen erstreckt, sollte man sich in den vergangenen Staffeln doch ausreichend gewöhnt haben. Es passiert nicht 38 Minuten nichts - es passieren 38 Minuten Dinge, die in den nächsten Stunden der Serie Bedeutung erhalten werden. Die Doppelfolge war vielversprechend. Ob sie herausragend war, wird man erst im Laufe der Staffel beurteilen können.
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