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03. Dezember 2013, 18:23 Uhr

Nach Slomka-Gabriel-Gefecht

Seehofer lehnt Auftritt in ZDF-Jahresrückblick ab

Der Schlagabtausch zwischen SPD-Chef Sigmar Gabriel und ZDF-Moderatorin Marietta Slomka ist zumindest für einen noch nicht abgehakt: Horst Seehofer. Der CSU-Chef hat jetzt einen Auftritt im Zweiten abgelehnt - um "ein Geschmäckle" zu vermeiden.

Ingolstadt - Kopfschütteln, verbale Watschn und ein Brief an den Intendanten: So deutlich wie CSU-Chef Horst Seehofer hatte sich nach dem Interview-Gefecht zwischen ZDF-Moderatorin Marietta Slomka und Sigmar Gabriel kaum jemand auf die Seite des SPD-Vorsitzenden geschlagen. Jetzt hat Seehofer nach Informationen des "Donau Kuriers" weitere Konsequenzen aus dem TV-Scharmützel gezogen - und eine Einladung zum ZDF-Jahresrückblick mit Moderator Markus Lanz abgelehnt.

In CSU-Kreisen heißt es dem Bericht zufolge, Seehofer verzichte auf den Auftritt, um "ein Geschmäckle" zu vermeiden. Ihm war nach seinem Brief an den ZDF-Intendanten Thomas Bellut politische Einflussnahme vorgeworfen worden. Der Grund: Seehofer sitzt auch im Verwaltungsrat des Senders. Er wolle sich vor diesem Hintergrund nicht in einer ZDF-Sendung "feiern lassen", hieß es laut "Donau Kurier" weiter. Ein Sprecher des Senders bestätigte der Zeitung die Absage.

Dabei wäre der Schlagabtausch zwischen Slomka und Gabriel gar nicht Thema der Sendung gewesen. Vielmehr sollte der CSU-Chef zu seinem erfolgreichen Abschneiden bei der Landtags- und Bundestagswahl Auskunft geben.

Slomka hatte in dem Interview am vergangenen Donnerstag (Hier können Sie die komplette Sendung ansehen, das Schaltgespräch beginnt nach sieben Minuten, Mobilnutzer sehen das Interview hier bei YouTube) verfassungsrechtliche Bedenken gegen den Mitgliederentscheid der SPD über den Koalitionsvertrag geäußert und vehement nachgefragt. Gabriel wies diese Einwände empört zurück und warf der Moderatorin Parteilichkeit vor.

Gabriel sei wie ein "Schulbub" hingestellt worden, der sich keine Gedanken über die Verfassung mache, so Seehofers Reaktion darauf. Der bayerische Ministerpräsident verwehrte sich "gegen die Qualität der Diskussion". Der Sender dagegen rechtfertigte das das Interview. "Argumentativer Schlagabtausch und Verbalgefecht sind Instrumente des politischen Journalismus", erklärte die Redaktionsleiterin des "heute journal".

vks/dpa

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