Shoah-Opfer als Rollennamen "Tatort"-Kommissarin wird nicht Selma Jacobi heißen

Nach vielfacher Kritik wird Margarita Broich als "Tatort"-Kommissarin doch nicht nach einer in Theresienstadt ermordeten Frau heißen. An Selma Jacobi erinnert ein "Stolperstein" vor dem Wohnhaus der Schauspielerin. Doch was als noble Geste gemeint war, wurde als Anmaßung verstanden.
Wolfram Koch und Margarita Broich: Gegen seinen Rollennamen Paul Brix gibt es keine Einwände

Wolfram Koch und Margarita Broich: Gegen seinen Rollennamen Paul Brix gibt es keine Einwände

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Frankfurt/Hamburg - Nach deutlicher Kritik will der Hessische Rundfunk darauf verzichten, seine neue Frankfurter "Tatort"-Kommissarin nach einem Holocaust-Opfer zu benennen. Für ihre Rolle hatte die Schauspielerin Margarita Broich den Namen von einem sogenannten Stolperstein ausgewählt, der vor ihrem Wohnhaus in Berlin an die 1943 von den Nazis nach Theresienstadt deportierte und ermordete Selma Jacobi erinnert.

"Offenbar gibt es Menschen, deren Gefühle ich dadurch verletzt habe", sagte Broich am Montag. "Das tut mir leid, und dafür möchte ich mich entschuldigen." Sie habe niemanden verletzen wollen.

Der Initiator der "Stolpersteine", Gunter Demnig, der in ganz Deutschland die Erinnerungen vor einstigen Wohnhäusern von Holocaust-Opfern in die Bürgersteige verlegt, hatte die Namensgebung kritisiert. Kritik kam auch aus der Jüdischen Gemeinde Berlin.

Gegenüber dem "Tagesspiegel"  hatte die HR-Fernsehspielleiterin Liane Jessen die Namenswahl noch verteidigt: "Wir tun hier etwas Gutes. 'Tatort'-Kommissare sind schließlich die modernen Helden unserer Zeit, und wir lassen Selma Jacobi als Heldin wiederauferstehen. Das hätte ihr sicher gefallen."

Gemeinsam mit Wolfram Koch tritt Broich in der ARD-Reihe die Nachfolge von Joachim Król und Nina Kunzendorf an. Der HR dreht noch bis 14. April die erste Folge mit dem neuen Team. Sie wird voraussichtlich Anfang 2015 in der ARD ausgestrahlt.

feb/dpa
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