Nach SPIEGEL-Enthüllung Grimme-Institut überprüft Auszeichnung von Putin-Erklärer Hubert Seipel
Journalist Hubert Seipel 2022 in St. Petersburg
Foto:Sergei Bobylev / TASS / picture alliance / dpa
Der Grimme-Preis ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für Fernsehjournalismus in Deutschland, Hubert Seipel erhielt ihn 2009 für seine Dokumentation »Leben und Sterben in Kabul«. Nun prüft das Grimme-Institut jedoch, ob man Seipel den Preis wieder aberkennt. Hintergrund sind Zahlungen von 600.000 Euro, die Seipel nach Recherchen des SPIEGEL und des ZDF von Russland erhalten haben soll.
Der NDR, für den Seipel unter anderem tätig war, gab bereits bekannt, eine Untersuchungskommission einzusetzen, der Verlag Hoffmann und Campe stoppte den Verkauf seiner Bücher. Nun wird auch das Grimme-Institut tätig.
Prüfung zeitnah und gründlich
In einer Stellungnahme gegenüber dem Branchenmagazin »DWDL« sagte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach: »Die im Jahr 2009 prämierte Produktion wird im Hinblick auf die Preisvergabe an Hubert Seipel gegenwärtig überprüft. Hierzu haben wir uns mit der stellvertretenden Vorsitzenden der damaligen Jury in Verbindung gesetzt, um die Frage zu klären, ob die Ehrung nachträglich aberkannt werden muss. Wir streben an, die Prüfung zeitnah und gründlich abzuschließen.«
Die ausgezeichnete Dokumentation über die Bundeswehr im Afghanistankrieg hat zwar nichts mit Russland zu tun, die Jurybegründung liest sich mit dem heutigen Wissen allerdings pikant: »Dem Autor Hubert Seipel gelingt in Zeiten des gelenkten, sogenannten eingebetteten Journalismus ein erstaunlich unabhängiger und informativer Film, der zum Nachdenken anregt: Aufklärung in bester Tradition.«
Auch den Deutschen Fernsehpreis hatte Seipel erhalten, sogar zweimal. 2014 für ein Interview, das er mit dem Whistleblower Edward Snowden geführt hat.
Gegenüber »DWDL« hieß es von den Verantwortlichen, dass die Vorwürfe sehr überraschend kämen. »Gleichwohl nehmen wir die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen sehr ernst. Allerdings sollten die Vorwürfe zunächst geprüft werden. Eventuelle Maßnahmen sind dann im Kreise der Fernsehpreis-Gesellschafter bzw. Stifter abzustimmen.«