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Hypnose-Show auf RTL2: Lauwarme Sauna für die Psyche

Foto: RTL II

Hypnose-Show auf RTL II In Trance mit Uschi

Ein belgischer Hypnotiseur, ein Gameshow-Moderator aus der Mottenkiste und eine gutmütige Kindergärtnerin: In der neuen RTL-II-Sendung "Ich weiß, was du letzten Freitag getan hast" trifft Aufdeckblödelei auf Product Placement.

Was tun, wenn man sparen, aber trotzdem gediegene Abendunterhaltung über die Bühne bringen muss? Fragen Sie RTL II! Pfiffig exhumiert der Sender den Moderator Jörg Draeger ("Geh aufs Ganze") für seine neue Hypnoseshow "Ich weiß was Du letzten Freitag getan hast" aus der bestimmt recht günstig zu öffnenden Mottenkiste des Privatfernsehens, übersetzt ein Konzept aus Großbritannien ("I Know What You Did Last Friday", läuft auch in Belgien, Dänemark und den Niederlanden), verzichtet auf aufwendige Gameshow-Tricks und lässt den Sponsor der Sendung den Hauptpreis stellen.

In der ersten Ausgabe am Montagabend hoffte eine gemütliche Kindergartenköchin namens Uschi auf eine Reise nach Florida, während sie sich zusammen mit Saalpublikum und vier Familienmitgliedern kleine Filmchen ansah, die sie unter Hypnose zeigten. Sie könne die Filme stoppen lassen, erklärte der letzte Schnäuzerträger Draeger, falls es ihr zu peinlich werde.

Was war geschehen? "Star-Hypnotiseur" Jos Claus hatte an ihre Tür geklopft, und sie bereits in eine tiefe Trance versetzt, als Uschi noch mitten im "Guten Tag!" steckte. Einmal vom Hypnosehauch angepustet, sackte die 54-Jährige in sich zusammen und bekam eingeflüstert, sie sei Königin Beatrix. Worauf sie in die Küche huschte, sich als Zobel ein Geschirrhandtuch umwarf, ein Nudelsieb als Krone aufsetzte und dem Kamerateam stolz ihren Thron im Badezimmer zeigte, auf dem sie ihre königlichen Geschäfte verrichte.

Kinderfreundliches Laientheater

Im Fernsehstudio nahm die nunmehr Hellwache den unter Hypnose verrichteten Klamauk gelassen, kicherte heftig und ließ die Spaßfilme geduldig über sich ergehen. Im zweiten Film speist sie vermeintlich in Alfons Siebecks Restaurant Hummer, in Wirklichkeit stochert sie genussvoll in versalzenen Pommes Schranke an der Imbissbude. Im dritten Einspieler glaubt Uschi, sie sei eine berühmte Schauspielerin, und mischt den "Unter uns"-Set auf, weil sie ihre Nebenrolle nicht mit solchen Laien spielen will. Beim vierten Film schließlich denkt sie, sie sei 16 Jahre alt und treffe an der Bushaltestelle, an der sie herumpubertiert und auf den Boden spuckt, John Kelly von der Kelly Family.

Das Ganze sieht aus wie kinderfreundliches Laientheater, selbst unter Hypnose bleibt Uschi eben immer sie selbst. Und im fünften und letzten Film, den die Kandidatin, wie vom Moderator vorher erklärt, erst recht laufen lassen muss, weil die avisierte Reise sonst futsch sei, bildet sich die gebeutelte Uschi ein, sie schwimme in Floridas bekanntestem Delphinarium mit echten Tieren, während sie sich doch nur an Aufblastümmlern im Butzbacher Stadtbad reibt.

Harmlos wie ein Nickerchen am Nachmittag

Am Ende haben alle viel gelacht, die gutmütige Uschi am allermeisten, Phantasie hat über Realität triumphiert, die Reise ist verschenkt, den Sponsornamen kennt jeder, und man fragt sich, was passieren würde, wenn tatsächlich mal ein Kandidat die Show abbräche, weil er sich schämt. Aber im Vertrag gibt es bestimmt eine Klausel, die das verbietet, weil dann der Sponsor den Hauptspot am Ende nicht mehr laufen lassen kann.

Was die Sendung von anderen Aufdeckblödeleien wie die vor ein paar Jahren kurzzeitig ebenfalls von RTL II ins Leben gerufene Spielshow "Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" unterscheidet? "Ich weiß was du letzten Freitag getan hast" ist so harmlos wie ein Nickerchen am Nachmittag. Aber wer weiß: Wenn der Quotendruck weiter steigt, wird die "Sauna für die Psyche" (so der Hypnotiseur über seine Therapie) vielleicht bald durch einen zünftigen Drei-Promille-Blackout ersetzt. Und dann wird's endlich nicht jugendfrei.

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