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"Ich liebe einen Promi": 48 Stunden angeschmiert

Foto: RTL II

"Ich liebe einen Promi" Charmefreie Scharade

Ein überraschendes Outing, ein schriller neuer Lover - diesen Bluff soll der Kandidat von "Ich liebe einen Promi" seinem Umfeld vorgaukeln. Doch mehr als perplexe Gesichter hat das Spiel mit der Flunkerei nicht zu bieten.

Vor zwölf Jahren adaptierte Christian Ulmen in "Mein neuer Freund" (ProSieben) das britische Format "My Best Friend". Darin spielte Ulmen schizophrene Esoteriker, drogensüchtige Rapper oder prollige Kleinkriminelle - von den jeweiligen Kandidaten gegenüber einem verdutzen Umfeld für eine Weile als deren "neuer Freund" ausgegeben. Glückte der Bluff, gab es für die Kandidaten eine Belohnung von 10.000 Euro. Und gute Unterhaltung.

RTL II recycelt diese Idee nun mit "Ich liebe einen Promi" ganz ohne wandlungsfähigen Komödianten, der mithilfe der Maske in verschiedene Rollen schlüpft. Diesmal spielen Gestalten wie Claude-Oliver Rudolph, Jenny Elvers, Micaela Schäfer oder Walter Freiwald kurzerhand sich selbst. Verschärfend kommt hinzu, dass die Kandidaten diesmal eine Liebesbeziehung zu den "Promis" vorschützen müssen. Die 10.000 Euro Belohnung bleiben.

Weil Julian F.M. Stöckel nur ausdauernden Zuschauern von "Pimp My Style", "Promi Big Brother" oder "Promi Shopping Queen" bekannt sein dürfte, muss in der ersten von fünf Episoden der leicht übertrainierte "Frauenheld" Christian seinen Fußballkumpels zusätzlich weismachen, er sei plötzlich homosexuell geworden. Bald fragt er sich selbst, nach drei Stunden schon genervt von den schrillen Ansprüchen seines angeblichen Lovers: "Ey, bin ich jetzt wirklich schwul?"

Zwar kennt Ex-Freundin Deborah diesen Julian F.M. Stöckel "irgendwoher", weiß aber nicht so genau, woher. Der hilft aus: "Promi Shopping Queen", was habe er nicht alles schon gemacht? "Ich bin ja Filmstar". Christians Outing wird nicht leichter durch die freimütigen Auskünfte Stöckels: "Er meint, dass der Sex mit 'nem Mann besser ist als das, was er mit dir hatte". Nachdem die überforderte Ex kichernd abgegangen ist, hält Stöckel die "Emo-Cam" auf den Kandidaten. Der soll mal wieder lächeln.

Viel heiße Luft

Abends kommen die Fußballerfreunde zu Besuch. Die Offenbarung ihres langjährigen Kumpels stecken sie noch locker weg, so sei das dann halt. Die Stimmung kippt erst, als der schrille neue Freund verkündet: "Schatz, du spielst kein Fußball mehr. Ich mag Fußball nicht. Erklär's ihnen, wir haben das besprochen!". Das hat wenig mit "Promi" oder Homosexualität und viel mit Dominanz zu tun. Für 10.000 Euro muss sich der Kandidat hier eben sehr klein machen. Bald will er "alles kurz und klein schlagen", hält aber durch.

Als Travestie wird auch durchgespielt, was anderswo die entsetzlichsten Dramen nach sich zieht - das Coming-out vor den Eltern. Aber auch hier ist die heiße Luft schnell raus, denn den Vater kümmert's kaum: "Also, ich hab' damit kein Problem". Die Mutter wundert sich, so kenne sie ihren Christian gar nicht, zeigt aber auch Verständnis: "Klar, der ist für dich ein Sprungbrett". Auch hier wird es erst heikel, als das vermeintliche Paar eine "Tabledance-Bar" eröffnen und dafür gerne väterliches Kapital in Anspruch nehmen möchte.

Es gehe "nur um 30.000 Euro", aber da hört der Spaß auf. Die Mutter protestiert, sie kenne diesen Stöckel überhaupt nicht: "Ich hab' den nie gesehen, ich schaue mir diese Müllsendungen nicht an!" Kurz vor dem empörten Aufbruch der Eltern aber ist die Zeit abgelaufen, Christian hat gewonnen, kann die Scharade aufdecken und sich freuen: "Innerhalb von ein paar Tagen so eine Kohle zu gewinnen, das ist schon was ganz Tolles!"

Zwar hat "Ich liebe einen Promi" seine Momente, aber es sind Momente des Unbehagens. Der Kandidat windet sich und muss sein, was er nicht ist. Und die Genasführten ringen um Selbstbeherrschung. Das Format überführt die Idee ausschließlich ins soziale Feld, wo "Promi" und Kandidat asozial agieren. Am Ende besteht der einzige Clou darin, dass alles nur gelogen war. Dann heißt es "Ätsch!" beziehungsweise "Hurra, 10.000 Euro!"

Gegenüber der Vorlage geht mit dem Vorsprung an Wissen auch das Vergnügen daran verloren, der absurden und immer absurder werdenden Performance eines Schauspielers beizuwohnen - während der "Promi" nur routiniert seine Rolle spielt, wie in "Promi Shopping Queen" oder "Promi Big Brother". Mit dieser handwerklichen Ebene fällt auch das Spielerische weg, die Angelegenheit wird läppisch. Nicht ärgerlich, aber charmefrei.


"Ich liebe einen Promi", ab Montag, 27. Februar, auf RTL 2

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