"Innerer Reichsparteitag für Klose" Spruch von ZDF-Moderatorin löst Protest aus

Aufregung in der Halbzeitpause gegen Australien: ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein rutschte heraus, für Miroslav Klose müsse sein Tor ein "innerer Reichsparteitag" gewesen sein. Prompt kam Protest im Internet auf - der Sender verspricht, eine solche Entgleisung werde nicht mehr vorkommen.
Kahn, Müller-Hohenstein: "Sprachliche Entgleisung im Eifer der Halbzeitpause"

Kahn, Müller-Hohenstein: "Sprachliche Entgleisung im Eifer der Halbzeitpause"

Foto: Tobias Hase/ dpa

Hamburg - Die Freude über den deutschen WM-Auftaktsieg ist groß - aber was Katrin Müller-Hohenstein an diesem Sonntagabend zum Treffer des lange umstrittenen Miroslav Klose zu sagen hatte, ging vielen Fans dann doch zu weit. In der Halbzeitpause kommentierte Oliver Kahn gerade den Torwartfehler, der zum 2:0 führte, da rutschte es der ZDF-Moderatorin raus: "Und für Miroslav Klose: ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft." - Kahn: "Ja, das ist für ihn eine Erlösung."

Ein Wortwechsel, der prompt auf YouTube dokumentiert wurde  und zu Protesten führte. Der an die Nazi-Zeit gemahnende "innere Reichsparteitag" ausgerechnet bei einem Spieler mit polnischen Wurzeln - das ging manchem zu weit. Bei Twitter entlud sich die Empörung, unter dem Stichwort reichsparteitag  entbrannte nach den Sätzen eine Debatte über Müller-Hohenstein: "Unfassbar", "ein absolutes No-go", "und das bei einer Profijournalistin", lauteten einige Reaktionen.

Andere nahmen die Sache weniger ernst ("Deutschland, bleib mal locker!") oder mit viel Spott: "Leute, ihr schießt da echt mit V2-Raketen auf Spatzen" und: "Jawohl, mein Tabellenführer!" Schnell verbreitete sich ein witzelnder Text der "taz"  mit der Überschrift "Nazi-Skandal beim ZDF": "Was ist da los beim Opa-Sender? (...) Schäm dich, ZDF! Das haben unsere Multi-Kulti-Zauber-Jungs nicht verdient!"

Auf Facebook gibt es inzwischen mehrere Gruppen gegen Müller-Hohenstein ( , , , ), ein Blogger veröffentlichte einen Formbrief zum Verschicken ans ZDF  ("Ihr Spruch spaltet und diskriminiert").

Die Online-Redaktion des ZDF reagierte auf Twitter  mit Distanz zur Moderatorin: "Liebe Follower, wir verstehen Eueren Unmut. Wir geben das morgen weiter." Dazu steht ein Verweis auf die Kontaktseite des ZDF , ergänzt um einen weiteren Tweet : "Wir vom twitter-Team geben natürlich Eure Meinungen weiter. Aber wir haben keinen direkten Draht zu KMH (Kürzel der Moderatorin, d.Red.). Sorry!" Und, noch deutlicher : "Wir haben diese 'Redewendung' erklärt, jedoch heißt das nicht, dass wir sie gut finden oder unterstützen. Ganz und gar nicht!"

Die Redewendung zu erklären versuchten auch andere Twitterer. Sie verwiesen auf eine Wikipedia-Diskussion , der zufolge man "einen inneren Reichsparteitag erleben" durchaus als ironische Distanzierung zur Nazi-Zeit verstehen kann - ein Lexikoneintrag wird angeführt, der eine "parodistische Beziehung auf die bombastischen Reichsparteitage der Nationalsozialisten in den dreißiger Jahren" diagnostiziert.

Das ZDF reagierte kaum eine Stunde nach Abpfiff: Sportchef Dieter Gruschwitz ließ über Twitter mitteilen , es sei eine "sprachliche Entgleisung im Eifer der Halbzeitpause" gewesen. "Wir haben mit Katrin Müller-Hohenstein gesprochen, sie bedauert die Formulierung." So etwas werde "nicht wieder vorkommen".

plö