Interner Brief ZDF-Intendant Schächter kündigt Abgang an

Paukenschlag in Mainz: ZDF-Intendant Markus Schächter steht für keine dritte Amtszeit zur Verfügung. Das hat er nach SPIEGEL-Informationen bereits den Aufsichtsgremien des Senders mitgeteilt. Für das "beginnende digitale Jahrzehnt" solle ab 2012 sein Nachfolger die Weichen stellen.
Nur noch bis März 2012 im Amt: ZDF-Intendant Markus Schächter

Nur noch bis März 2012 im Amt: ZDF-Intendant Markus Schächter

Foto: ZDF

Markus Schächter

Hamburg/Mainz - Am Anfang galt er als Verlegenheitslösung: Erst nach monatelangem Partei-Hickhack wurde vor neun Jahren zum ZDF-Intendanten gewählt. In seiner zweiten Amtszeit musste er zusehen, wie die unionsgeführte Mehrheit im Verwaltungsrat den Chefredakteur Nikolaus Brender absägte - gegen Schächters ausdrücklichen Wunsch.

Eine dritte Amtszeit will sich Markus Schächter nun nicht mehr antun: Am 14. März 2012 endet sein Mandat, und in einem Brief an die Mitglieder des Fernseh- und Verwaltungsrates, der dem SPIEGEL vorliegt, teilt er mit, dass er sich nicht um weitere fünf Jahre als ZDF-Intendant bemühen werde. So hätten die Gremien genug Zeit, um einen Nachfolger zu suchen.

Dieser werde im beginnenden "digitalen Jahrzehnt" des Fernsehens "tiefgreifende Entscheidungen" treffen müssen, deren Realisierung "über die Zeitspanne einer nächsten Amtsperiode hinausreichen", so Schächter an die Aufsichtsgremien zur Begründung seines Verzichts auf eine Wiederwahl.

Auf seine bald zehnjährige Amtszeit blickt Schächter in dem Brief zufrieden zurück: Dass er die Senderfinanzen in Ordnung gebracht habe, hält sich Schächter ebenso zugute wie die Gründung des Programms ZDF Neo, mit dem sich das ZDF "aus dem Korsett des Einkanalsenders" befreit habe. Zudem sei das ZDF technologisch "Innovationsmotor" und "Lokomotive für die erfolgreiche Digitalisierung der Fernsehwelt".

Bis März 2012 wird Schächter noch auf dem Führersitz dieser Lokomotive sitzen, doch bis dahin werden nun die Fernsehratsmitglieder über seinen Nachfolger diskutieren - und wahrscheinlich auch trefflich streiten, wie man es von dem Gremium, das von den politischen Parteien bestimmt wird, kennt. Als ein möglicher Kandidat gilt der derzeitige Programmdirektor Thomas Bellut.

bra/feb