"Luck"-Stars Hoffman und Mann "Ich kann auch eine Tomate spielen!"

Die TV-Serie "Luck" sorgt in den USA für Furore - mit Dustin Hoffman vor der Kamera und Regie-Meister Michael Mann dahinter. Im Doppel-Interview reden die Hollywood-Größen über streitende Stars am Set, witzeln über Hoffmans erste wahre Männerrolle und preisen unsere schöne neue Fernsehwelt.

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SPIEGEL ONLINE: Mr. Mann, im Vorfeld der neuen HBO-Serie "Luck" gab es Gerüchte über einen großen Zusammenprall großer Egos am Set: Michael Mann, Nick Nolte, Dustin Hoffman...

Mann: Es gibt da ein Missverständnis: Sie denken, dass mit friedfertigen Schauspielern einfacher zu arbeiten sei. Es ist genau andersherum. Für mich ist der wünschenswerteste Schauspieler einer, der sehr gut in seiner Kunst ist, ein gesundes Ego hat und stabiles Selbstvertrauen. Man begegnet sich auf Augenhöhe. Der schwierigste Schauspieler ist halb gut, hat ein schwaches Selbstvertrauen, hat deswegen Angst und ist ungeheuer defensiv. Ein Alptraum.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Hoffman, Sie sind 74 Jahre alt und nun in Ihrer ersten Fernseh-Hauptrolle zu sehen. Was hat Sie dazu bewogen?

Hoffman: Wenn man wählen darf und nicht darauf angewiesen ist, jeden Job anzunehmen, der des Weges kommt, wägt man ab. Was ein "Star" nicht erwartet, ist, dass sich der Kreis an einem bestimmten Punkt plötzlich schließt. Man findet sich in Nebenrollen wieder, weil die Leute für Menschen in ihren Siebzigern keine Hauptrollen mehr schreiben. Außer, man hat als Markenzeichen eine Knarre in der Hand, wie Sean Connery oder so.

SPIEGEL ONLINE: Dustin Hoffman bekommt keine guten Rollen mehr? Kaum zu glauben.

Hoffman: Nein, so ist es nicht. Aber in Hollywood schreibt man für 70-jährige Männer eben keine dreidimensionalen Rollen. Es ist ein bisschen wie in "Tootsie" (Hoffmans berühmte Travestie-Komödie von 1982, Anm. d. Red.): Ich kann auch eine Tomate spielen! Egal, irgendwas!

SPIEGEL ONLINE: Nun ist "Luck" nicht irgendwas, sondern ein Prestigeprojekt der berühmten Serienschmiede HBO mit Michael Mann als Regisseur und Produzent sowie "Deadwood"-Autor David Milch als Autor.

Hoffman: Klar war das der Reiz: eine interessante Rolle wie diese unter der Ägide von Michael Mann zu spielen. Michael und ich haben uns in den Siebzigern kennengelernt und wollen schon lange etwas zusammen machen. Das schien mir die beste der aktuellen Möglichkeiten. Ich meine, wie viele Jahre warten noch auf mich, in denen meine besten Rollen Sprechrollen für Animationen sein werden?

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen in "Luck" Ace Bernstein, einen ehemaligen Zockerpaten, der nach drei Jahren im Knast auf die Galopprennbahn zurückkehrt und auf Rache sinnt.

Hoffman: Ja, und erst mal fragte ich Michael: Wer war eigentlich deine erste Wahl? Ich entspreche ja nicht dem Stereotyp dieser Figur.

Mann: Dustin hat oft Figuren gespielt, die auf andere Menschen oder die Umstände reagieren. Diese Figur ist dagegen proaktiv, er ist der Architekt, der Mann mit dem Plan, er weiß mehr als wir, wir trauen ihm. Ich fand das eine interessante Figur für Dustin, eine Herausforderung.

Hoffman: Ja, und ich dachte: So habe ich das zwar noch nie gesehen, aber Himmel, er hat recht! Und vermutlich hat das mit meiner Persönlichkeit zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Hoffman: Ich habe noch nie einen Mann gespielt! "Tootsie" war insofern keine große Herausforderung. Frauen sind ja in gewissem Sinn auch reaktive Persönlichkeiten, sie werden sozusagen in der zweiten Reihe platziert.

SPIEGEL ONLINE: Das war in den Achtzigern, Mr. Hoffman...

Hoffman: Stimmt, aber ich glaube, das passiert noch immer, öfter, als uns allen lieb ist. Würden Sie dem nicht zustimmen?

SPIEGEL ONLINE: Wahrscheinlich schon.

Hoffman: Okay, also: Die Frau, die mich damals coachte, sagte zu mir: "Eine Frau würde niemals sagen: 'Hey, hört mal her.' Sie würde sagen: 'Darf ich mal was sagen?'" Sie bittet um Erlaubnis. Fast wie ich als Schauspieler. Meine Frau sagt mir seit 35 Jahren, dass ich den Großteil meiner schauspielerischen Arbeit zwischen den Takes leiste, wenn ich mich mit den Regisseuren auseinandersetze. Die meisten von ihnen sind ziemliche Kontrollfreaks, der Regisseur ist sozusagen der Mann: Mach, was ich dir sage, und ich werde dich schön machen und toll aussehen lassen. Wenn man ihm eine Idee vorlegt, verdreht er die Augen. Das ist die Beziehung, in der ich seit mehreren Jahrzehnten lebe!



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Seite 1
niska 13.03.2012
1.
Zitat von sysopGetty ImagesDie TV-Serie "Luck" sorgt in den USA für Furore - mit Dustin Hoffman vor der Kamera und Regie-Meister Michael Mann dahinter. Im Doppel-Interview reden die Hollywood-Größen über streitende Stars am Set, witzeln über Hoffmans erste wahre Männerrolle und preisen unsere schöne neue Fernsehwelt. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,820768,00.html
Luck ist trotz der frühzeitigen Verlängerung mit einer 2. Staffel nach schwachem Start auf dem absteigenden Ast. Die Serie hat mir einfach zu viele Längen. Sie ist für Menschen, die nicht selbst Spieler sind, oder zumindest ein Wendyabo haben, einfach nur langweilig.
Moridin 13.03.2012
2.
Zitat von niskaLuck ist trotz der frühzeitigen Verlängerung mit einer 2. Staffel nach schwachem Start auf dem absteigenden Ast. Die Serie hat mir einfach zu viele Längen. Sie ist für Menschen, die nicht selbst Spieler sind, oder zumindest ein Wendyabo haben, einfach nur langweilig.
Wenn die Qualität stimmt, ist sowas nicht langweilig. Genauso wie bei "Rubicon" - dem Ähnliches vorgeworfen wurde - hab ich mich bei "Luck" bisher keine Minute gelangweilt. Als langweilig empfinde ich eher den Teil der US-Serien, dieepisodenhaft und anspruchslos genug sind, um zur deutschen Primetime zu laufen. (Zumindest seit Lost)
niska 13.03.2012
3.
Zitat von MoridinWenn die Qualität stimmt, ist sowas nicht langweilig. Genauso wie bei "Rubicon" - dem Ähnliches vorgeworfen wurde - hab ich mich bei "Luck" bisher keine Minute gelangweilt. Als langweilig empfinde ich eher den Teil der US-Serien, dieepisodenhaft und anspruchslos genug sind, um zur deutschen Primetime zu laufen. (Zumindest seit Lost)
Schlecht gemacht ist sie sicher nicht. Nur mir fehlt der Zugang zu diesem Themenkomplex. Das Zockerfachwissen fehlt. Die Geschichte interessiert mich nicht wirklich und daher sind die Längen unerträglich. Ich wünsche Ihnen aber trotzdem weiterhin viel Spaß.
TruckTurner 14.03.2012
4. Hoffman im TV
"Luck" ist nicht, wie im Text behauptet, Dustin Hoffmans erste TV-Hauptrolle. Auch Schlöndorffs Verfilmung von "Tod eines Handlungsreisenden" mit Hoffman war eine Fernsehproduktion. Auch zu Beginn seiner Karriere hat er diverse Fernsehrollen gespielt, u. a. in Qualitätsserien wie "Naked City". Auch Michael Mann hat schon oft fürs Fernsehen gearbeitet, z. B. steht er für Serien wie "Miami Vice" und die epische "Crime Story". Der Kinofilm "Heat" war ein Remake seines eigenen TV-Films "L.A. Takedown".
chromakey 14.03.2012
5.
Zitat von sysopGetty ImagesDie TV-Serie "Luck" sorgt in den USA für Furore - mit Dustin Hoffman vor der Kamera und Regie-Meister Michael Mann dahinter. Im Doppel-Interview reden die Hollywood-Größen über streitende Stars am Set, witzeln über Hoffmans erste wahre Männerrolle und preisen unsere schöne neue Fernsehwelt. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,820768,00.html
Die Serie hält schauspielerisch ein sehr hohes Niveau, Nick Nolte nuschelt manchmal Unhörbares, die Kameraarbeiten sind auf Kinoniveau. Leider sind bei den Dreharbeiten bis heute drei Pferde verstorben, so dass Peta zu Recht angemahnt hat. Dennoch, wirklich empfehlenswerte Serie, Producer Milch (Deadwood) weis einfach wuchtige Charaktere, vielfältige Handlungsstränge und Stimmungen aufzubauen und zu vertiefen.
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