Schauspiel-Star Martina Gedeck "Ich mag Bettszenen"

Wo sich andere zieren, geht Martina Gedeck in die Vollen: In dem tragikomischen ARD-Frauenporträt "Halbe Hundert" zeigt sie sehr viel Haut. Im Interview spricht die Schauspielerin über die wahre Gelassenheit der Frau ab 50, nerviges Gelaber am Filmset - und Tiere als Co-Darsteller.

WDR

SPIEGEL ONLINE: Frau Gedeck, in dem ARD-Film "Halbe Hundert", der am Mittwoch läuft, spielen Sie eine von drei Freundinnen um die 50. Es geht um Liebe, Krankheit, Torschlusspanik. Sie sind selbst 50 - und auch ein bisschen panisch?

Gedeck: Im Gegenteil, ich habe eine größere Gelassenheit mit Dingen, weil ich doch einiges erreicht habe, auf das ich mich verlassen kann. Ob es jetzt eine Beziehung ist oder im Berufsleben. Man ist weniger hysterisch, weniger ängstlich, kann es sich erlauben, das Leben zu genießen. Und das Gefühl der eigenen Endlichkeit ist stärker.

SPIEGEL ONLINE: Im Film sind Sie oft halbnackt zu sehen. War das schwierig für Sie?

Gedeck: Nein, gar nicht. Da muss man nur die richtige Wäsche haben, damit man sich wohlfühlt. Man ist im Bett einfach am entspanntesten - egal, ob man mit einem Mann im Bett ist oder allein, ob man schläft, sich unterhält oder sich küsst. Wenn man so in Dessous oder im Nachthemd im Bett liegt und um einen herum alle angezogen sind und versuchen, die Technik aufzubauen, entbehrt das nicht einer gewissen Komik. Es hat ein bisschen was von: Ich bin das kleine Baby, und ihr müsst arbeiten, ätsch! Ich mag diese Bettszenen eigentlich sehr gerne. Sie gehören zu den leichteren Dingen.

SPIEGEL ONLINE: Und was sind die schwierigeren Dinge?

Gedeck: Die großen dramatischen Sachen - Streitereien, die einen emotional mitnehmen. Oder auch Nacht- und Außendrehs. Da ist man viel exponierter, weil oft auch Passanten stehenbleiben und zugucken.

SPIEGEL ONLINE: In "Halbe Hundert" geht es auch darum, wie man als Frau mit 50 aussehen sollte. Spüren Sie da einen Druck von außen?

Gedeck: Ich sehe wenig fern, aber wenn ich mal einschalte, sind alle Frauen blond, dünn, mit Modelgesicht. Das ist sehr künstlich. Und es ist schlimm, wie die Frauen sich an solchen Vorgaben abarbeiten. Wenn man sich dem ausliefert und glaubt, man steht und fällt mit dem Erfüllen solcher Vorgaben, ist man eigentlich verloren als Individuum.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie sich denn wirklich davon freimachen?

Gedeck: Im gewissen Sinne schon. Ich nehme es gar nicht wahr, wenn jemand sagt: Die ist aber so und so alt oder sieht so und so aus. Diese Art von Diskriminierung, die es möglicherweise auch mir gegenüber gibt, die krieg ich nicht mit. Ich bin in bestimmten Formaten auch einfach nicht zu sehen. Die Schauspieler, die ich liebe, folgen keinem Schönheitsideal. Bette Davis mochte ich zum Beispiel schon als junges Mädchen sehr.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Ulrike Meinhof gespielt und Brigitte Reimann, eine bucklige Außenseiterin und eine Sterneköchin. Am Donnerstag startet "Hinter der Tür" in den Kinos, eine internationale Kinoproduktion, in der Sie an der Seite von Helen Mirren eine Intellektuelle spielen. Was haben Sie von Ihren Rollen gelernt?

Gedeck: Ich finde, das Leben ist viel reicher als Filme. Aber bei manchen Rollen hat mir die Figur eine Ahnung gegeben von etwas, was ich sonst nie erlebt hätte. Bei Ulrike Meinhof konnte ich viel von der Schwärze und Ausweglosigkeit ahnen, die in einem Menschen sein können. Bei der Beschäftigung mit Brigitte Reimann konnte ich nachvollziehen, mit welch glühender Leidenschaft sie an den sozialistischen Staat glaubte. Und in meinem letzten Film, "Die Wand", gab mir die Figur die Sicherheit, dass man viel mehr Ressourcen in sich hat, als man weiß, und auch unter widrigen Bedingungen überleben kann.

SPIEGEL ONLINE: In "Die Wand" nach dem Bestseller von Marlen Haushofer spielen Sie eine Frau, die in einem Wald durch eine unsichtbare Sperre von der Außenwelt abgeschottet wird. Wie war der Dreh als Alleindarstellerin?

Gedeck: Paradox, aber noch nie ging es so wenig um mich. Es ging um die Tiere. Alle am Set, vor allem der Regisseur und ich, waren damit beschäftigt, was der Hund tut und die Katze und die Kuh. Eine große Befreiung. Der Regisseur Julian Pölsler hat gesagt: Sie gehen jetzt bitte von da nach da. Habe ich gemacht. Egal, wie oft, egal, warum. Ich musste es machen ohne nachzufragen. Dafür war gar keine Zeit, weil sonst das Licht weg war oder der Nebel kam. Außerdem musste ich riesige Heuballen meterweit auf dem Rücken tragen. Zehn-, 20-mal. Da fragst du nicht mehr: Hab ich gut gespielt, soll ich schneller gehen? Die Fragen lösen sich auf. Das war toll.

SPIEGEL ONLINE: Schauspielerei als intuitives Handeln?

Gedeck: Genau. Ich hab bei anderen Dreharbeiten immer gedacht: Mein Gott, was machen wir für ein Gedöns. All diese Reflexion, sie führt doch zu nichts. Worauf es ankommt, ist Intuition. Bloß nicht so viel labern am Set!

Das Interview führte Daniela Zinser


"Halbe Hundert", Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD



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Seite 1
fatherted98 28.03.2012
1. Gähn.....
...wieder mal eine total selbstüberschätze Darstellerin die in einem langeweiligen und uninteressanten Filmchen das über unsere GEZ Gebühren finanziert wird brillieren will...wahrscheinlich gibts dann für diesen Schrott auch noch einen Echo....gähn...
joschitura 28.03.2012
2. Gedeck Superstar
Zitat von fatherted98...wieder mal eine total selbstüberschätze Darstellerin die in einem langeweiligen und uninteressanten Filmchen das über unsere GEZ Gebühren finanziert wird brillieren will...wahrscheinlich gibts dann für diesen Schrott auch noch einen Echo....gähn...
Frau Gedeck gehört zu den besten und intensivsten Schauspielerinnen hierzulande. Was man aber natürlich nur wissen kann, wenn man nicht den ganzen Tag vor der Daddelkiste oder bei RTL verbringt.
smartfor2 28.03.2012
3. Gähn
Zitat von fatherted98...wieder mal eine total selbstüberschätze Darstellerin die in einem langeweiligen und uninteressanten Filmchen das über unsere GEZ Gebühren finanziert wird brillieren will...wahrscheinlich gibts dann für diesen Schrott auch noch einen Echo....gähn...
Wieder mal ein total ahnungsloser Kommentar, eines GEZ-Phobikers, der narürlich den Film, um den es geht, nicht gesehen hat. Ihre unsinnige Bermerkung über die hervorragende Martina Gedeck zu kommentieren spar ich mir mal. Vieleicht sollten Sie vor dem absondern solcher Posts mal ausschlafen, damit dabei auch mal was einigermaßen intelligentes oder gar interessantes dabei rauskommt.
Suibhne 28.03.2012
4.
Zitat von fatherted98...wieder mal eine total selbstüberschätze Darstellerin die in einem langeweiligen und uninteressanten Filmchen das über unsere GEZ Gebühren finanziert wird brillieren will...wahrscheinlich gibts dann für diesen Schrott auch noch einen Echo....gähn...
Ignorant
testthewest 28.03.2012
5.
Zitat von joschituraFrau Gedeck gehört zu den besten und intensivsten Schauspielerinnen hierzulande. Was man aber natürlich nur wissen kann, wenn man nicht den ganzen Tag vor der Daddelkiste oder bei RTL verbringt.
Wenn sie wenigstens blond, schlank und etwas jünger wäre... ...naja, was solls, Fernsehen hat seit Einzug des Internets eh kein Stich mehr bei mir.
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