ZDF-Programmchef Himmler im Interview "Ich stehe fest zu Markus Lanz"

ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler verteidigt seinen Moderator Markus Lanz gegen die Unterzeichner einer Petition, die dessen Rauswurf fordert. Den umstrittenen Talk mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht fand auch er nicht gut - die Kritik hält er jedoch für unverhältnismäßig.
Lanz mit Wagenknecht: Gut geführtes Gespräch?

Lanz mit Wagenknecht: Gut geführtes Gespräch?

Foto: DPA/ ZDF

SPIEGEL ONLINE: Über 170.000 Unterzeichner einer Online-Petition fordern die Absetzung von Markus Lanz. Wie ernst nehmen Sie das?

Norbert Himmler: Ich nehme sachliche Kritik ernst. Das Interview war nicht gut, das haben wir bereits eingeräumt. Allerdings betrachte ich auch mit Sorge, dass eine Online-Petition, die man einfach anklicken kann, so weit weg vom Kern der eigentlichen Diskussion führt.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie mit der Initiatorin der Petition Kontakt aufnehmen?

Himmler: Nein. Ich frage mich schon, wo die Maßstäbe bleiben. Alle berichten darüber, wenn Tausende klicken. Auf der anderen Seite haben gestern aber wieder zwei Millionen "Markus Lanz" geschaut. Ich stehe fest zu Markus Lanz, und die Zuschauer offenbar auch.

SPIEGEL ONLINE: Auslöser der Petition war eine sichtlich missglückte Sendung, in der Lanz die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht mit Fragen bombardiert hat, ohne sie wirklich zu Wort kommen zu lassen. Wie hat das auf Sie gewirkt?

Himmler: Ich habe darüber mit Markus Lanz gesprochen. Das Gespräch mit Sahra Wagenknecht lief nicht optimal. Aber Markus Lanz hat in mehr als 500 Sendungen einen hervorragenden Job gemacht. Dann geht es einmal nicht gut, und das sorgt dann für eine Riesenwelle. Das ist unverhältnismäßig.

Zur Person
Foto: ZDF/ Carmen Sauerbrei

Norbert Himmler, Jahrgang 1971, ist promovierter Politikwissenschaftler und seit 2012 Programmdirektor des ZDF. Er begann seine ZDF-Karriere 1997 als freier Mitarbeiter der "heute"-Redaktion und wurde danach Volontär. Als Redakteur und Reporter arbeitete er im Landesstudio Rheinland-Pfalz, und beim "Länderspiegel". Von 2002 bis 2008 leitete er die Abteilung Planungsredaktion, von 2008 bis 2012 war er Leiter der Hauptredaktion "Spielfilm/ZDFneo". Norbert Himmler ist verheiratet und hat einen Sohn.

SPIEGEL ONLINE: Spielte Wagenknechts Parteizugehörigkeit für Lanz eine Rolle?

Himmler: Sicherlich nicht. Markus Lanz hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche Politiker der Linken zu Gast, allein Frau Wagenknecht war fünfmal bei ihm in der Sendung, ohne dass es Probleme gegeben hätte.

SPIEGEL ONLINE: Wollte Lanz sich als harter Frager profilieren, weil er als Entertainer seit seinem Dienstbeginn bei "Wetten, dass..?" in der Kritik steht?

Himmler: Das muss er doch nicht. Er hat oft genug bewiesen, dass er Gespräche führen kann. Moderation einer Talkshow ist eine schwierige Gratwanderung. Man muss Gastgeber sein, aber auch kritisch nachfragen.

SPIEGEL ONLINE: Lanz trägt in seinen Sendungen einen Knopf im Ohr, über den ihm Stichworte oder Fragen eingesagt werden. Wurde er damit während des Wagenknecht-Talks noch gepusht?

Himmler: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Der ZDF-Mediathek beschert der Hype um die Lanz-Sendung sicherlich enorme Abrufe.

Himmler: Mir geht es in diesem Fall nicht um Abrufe, sondern um die Sache.

SPIEGEL ONLINE: Immer mehr Kommentatoren verteidigen Lanz gegen den Shitstorm. Wird er am Ende von der Petition womöglich eher profitieren?

Himmler: Ich finde es gut, dass sich die Berichterstattung immer differenzierter und auch selbstkritischer mit dem Thema beschäftigt. Eine solche Kritikwelle kann jeden treffen, Journalisten, Moderatoren, Schauspieler oder Kabarettisten. Häme oder gar Schadenfreude sind da fehl am Platz.

SPIEGEL ONLINE: Morgen moderiert er wieder "Wetten, dass..?". Wird sich die Kritik dieser Woche auf die Show auswirken?

Himmler: In der Sendung morgen werden Sie davon nichts merken. Markus Lanz geht sehr professionell mit der Kritik um.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie auch bei "Wetten, dass..?" an Lanz festhalten?

Himmler: Ja.