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Alexander Neubacher

Fernsehpreisträger Jan Böhmermann Ficki, Kacki, Böhmi

Alexander Neubacher
Eine Kolumne von Alexander Neubacher
Der Deutsche Fernsehpreis geht an Jan Böhmermann: Er hebe Satire auf ein »neues Anspruchslevel«. Hier einige Beispiele.
aus DER SPIEGEL 38/2021
Jan Böhmermann

Jan Böhmermann

Foto: ZDF

Der TV-Unterhalter Jan Böhmermann hat am Donnerstag den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie »Bestes Buch Unterhaltung« gewonnen. Seine Sendung »ZDF Magazin Royale« setze Standards für die Fernsehunterhaltung. »Satire muss gut geschrieben und gut recherchiert sein«, hieß es in der Begründung, »das ›ZDF Magazin Royale‹ hebt beides auf ein neues Anspruchslevel.«

Ich habe mir einige Folgen der Böhmermann-Show angesehen. Hier Ausschnitte:

»Der Innensenator von Hamburg, Andy Grote, möchte nicht Pimmel genannt werden. Erstaunlich bei jemandem, der Andy heißt. Kann er doch eigentlich froh sein.«

»Sebastian Kurz: Nur noch kurz die Welt ficken.«

»Benjamin Blümchen zerfickt den Rechtsstaat.«

»Warum ist der deutsche Film so scheiße?«

»Kann es sein, dass selbst die beschissensten amerikanischen Filme noch besser sind als die guten deutschen Filme?«

»Bild.de, das Bumsportal für ganz besonders große Wichser.«

»Wahlwerbung, die nicht nur ans Herz geht, sondern direkt in den Darm.«

»Irgendjemand soll verdammt noch mal endlich Dieter Nuhr die Fresse polieren.«

»Fick dich, du hässliches, beschissenes Niedersachsen.«

Ich bin kein TV-Experte, aber wenn so das neue Anspruchslevel in der Fernsehunterhaltung aussieht, muss man sich vielleicht Sorgen machen. Meine Kinder haben immer herzlich gelacht, wenn früher jemand »Pipi, Kacka, Pups« sagte; allerdings waren sie da ungefähr 4 Jahre alt und nicht 40 wie der Preisträger vom ZDF.

»Ziegenficker mit Schrumpelklöten« – schrieb so Heinrich Heine?

Einem größeren Publikum wurde Böhmermann bekannt, als er vor einigen Jahren den türkischen Präsidenten Erdoğan als Ziegenficker mit Schrumpelklöten bedichtete. Im deutschen Haltungsfeuilleton hielt man das für mutig; der Deutschlandfunk verglich ihn mit Heinrich Heine. Böhmermann gilt seither als Held der Meinungsfreiheit.

Was davon zu halten ist, zeigte sich vor einigen Tagen, als Böhmermann bei einer Podiumsdiskussion auf Markus Lanz traf. Es ging um den Vorwurf, Personen eine TV-Bühne zu bieten, deren Meinung »durchtränkt von Menschenfeindlichkeit« sei. Ich dachte zuerst, damit sei »ZDF Magazin Royale« gemeint, immerhin hat Böhmermann Donald Trump mal als »orangenen Haufen Menschenmüll« bezeichnet. Doch erstaunlicherweise war es Böhmermann, der den Vorwurf der Menschenfeindlichkeit erhob und gegen Lanz richtete: Er habe »so Leute« wie den Virologen Hendrik Streeck in seine Sendung eingeladen, obwohl das »fachlich« keine gute Idee sei; man dürfe solchen Leuten kein Forum geben. So viel zur Meinungsfreiheit, wenn es nach Böhmermann geht.

In einer TV-Kritik auf SPIEGEL.de habe ich mal gelesen, Böhmermann versprühe »juvenilen Elan, popkulturelle Referenzgewitter und investigativen Furor«. Vielleicht liegt's am Alter, aber mir kommt er eher vor wie ein Sozialkundelehrer mit Tourette. Um es mit Heine zu sagen: Ficki, Kacki, Böhmi.

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