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02. Februar 2017, 21:15 Uhr

Böhmermann gewinnt Deutschen Fernsehpreis

"... gewidmet der Rechtsschutzversicherung des ZDF"

Für seine Satire-Sendung "Neo Magazin Royale" ist Jan Böhmermann mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet worden. Seine Dankesrede enthielt natürlich einen Verweis auf die Erdogan-Staatsaffäre.

Der TV-Satiriker Jan Böhmermann hat erneut den Deutschen Fernsehpreis gewonnen. Der 35-Jährige setzte sich in der Kategorie "Beste Unterhaltung Late Night" mit seinem Format "Neo Magazin Royale" gegen die Sendungen "Luke - Die Woche und ich" (mit Luke Mockridge) auf Sat.1 und "Pussy Terror TV" (mit Carolin Kebekus) im WDR Fernsehen und im Ersten durch.

In seiner Dankesrede scherzte der Satiriker: "Wir widmen den Preis der Rechtschutzversicherung des ZDF." Im vergangenen Jahr hatte er sich wegen seines Schmähgedichts mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan angelegt, woraufhin eine Staatsaffäre losgetreten wurde. Böhmermann hatte den Fernsehpreis bereits vor einem Jahr in derselben Kategorie gewonnen.

Insgesamt wurde der Fernsehpreis in mehr als 20 Werkskategorien vergeben. Zehn Juroren haben sich zu diesem Zweck die Höhepunkte aus dem TV-Jahr 2016 angeguckt. Der Ehrenpreis der Stifter - das sind die Intendanten und Geschäftsführer von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 - geht in diesem Jahr an Schauspielerin Senta Berger.

Das Patchworkdrama "Familienfest" hat den Deutschen Fernsehpreis als bester Fernsehfilm gewonnen. In der ZDF-Produktion kehrt Lars Eidinger als todkranker Sohn zu seiner zerrütteten Familie zurück, um den 70. Geburtstag seines Vaters zu feiern. In der Kategorie setzte sich "Familienfest" gegen den Spielfilm "Das weiße Kaninchen" zum Thema Pädophilie und Cybergrooming ebenso durch wie gegen das Gerichtsdrama "Terror - Ihr Urteil", die Sportstory "Duell der Brüder - Die Geschichte von Adidas und Puma" und den Thriller "Auf kurze Distanz".

Die Vox-Krankenhausserie "Club der roten Bänder" stand ebenfalls zum zweiten Mal auf der Fernsehpreis-Bühne. Den gläsernen Obelisken für die beste Serie hatte die Produktion bereits im vergangenen Jahr gewonnen. "Dabei waren wir eigentlich vor allem hier, weil wir wieder an den Ort zurückwollten, wo wir den Preis mal gewonnen hatten", sagte Schauspielerin Luise Befort.

Die Doku-Drama-Trilogie "Mitten in Deutschland: NSU - Die Täter/Die Opfer/Die Ermittler" setzte sich als bester Mehrteiler durch und gewann auch die Kategorie "Beste Kamera". "Winnetou" gewann die Preise für die beste Musik und die beste Ausstattung.

Vollkommen sprachlos reagierten die neuen Träger des Förderpreises auf die Jury-Entscheidung. Mit ihrer Mystery-Webserie "Wishlist" gewann ebenso ein Online-Format wie in der Kategorie "Beste Moderation Unterhaltung", in der sich das YouTube-Format "Rocket Beans" durchsetzte.

Der Fernsehpreis wird seit 1999 verliehen. Die Auszeichnung war in den vergangenen Jahren stark in die Kritik geraten, da die Einschaltquoten der TV-Übertragung immer weiter gesunken waren und die Kategorien von Jahr zu Jahr immer wieder geändert wurden. Nach einem Jahr Pause war der Fernsehpreis im Januar 2016 erstmals wieder verliehen worden.

kry/dpa

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