Gescheiterte Kampagne um den SPD-Parteivorsitz Böhmermann erklärt seine Niederlage

In einem Statement gibt TV-Satiriker Jan Böhmermann bekannt, dass er nicht als Kandidat für den Parteivorsitz der SPD zugelassen worden sei: "Ein schwarzer Tag für die Sozialdemokratie und für mich persönlich."

Jan Böhmermann ist mit seiner Kampagne #neustart19 gescheitert
Julia Hüttner/ ZDF/ DPA

Jan Böhmermann ist mit seiner Kampagne #neustart19 gescheitert


"Schafft es ein Nicht-SPD-Mitglied ohne Programm, ohne Mitkandidatin, ohne Netzwerk innerhalb von 72 Stunden, die Kriterien für eine Kandidatur um den SPD-Parteivorsitz zu erfüllen oder nicht?", fragt Jan Böhmermann eingangs seiner Stellungnahme rhetorisch. Die Antwort lautet: nein. Oder, in den Worten des TV-Satirikers in Anspielung an Politikerstatements nach verlorenen Wahlen: "Am Ende hat es ganz knapp nicht gereicht."

Dabei war schon recht früh klar, dass Böhmermann nicht der neue Beppe Grillo oder Wolodymyr Selensky werden würde. Im Gegensatz zu seinen Komikerkollegen aus Italien und der Ukraine war Böhmermann zu Beginn seiner Kampagne nicht einmal Mitglied der Partei, um deren Vorsitz er sich bewerben wollte. Böhmermann dazu in seinem aktuellen Video: "Die SPD und ich sind uns nicht einmal sicher, ob ich in den letzten drei Tagen wenigstens Parteimitglied geworden bin."

Hintergrund ist, dass Böhmermann zwar vom Ortsverein Köthen in Sachsen-Anhalt bei einer Abstimmung mit 7:1 Stimmen aufgenommen wurde. Der Sprecher des zuständigen Landesverbandes sagte dazu aber, weil Böhmermann nicht in Köthen wohne, könne der Ortsverein nicht allein über seinen Mitgliedsantrag entscheiden.

Böhmermann kündigt nun an, seinen Mitgliedsantrag nicht zurückzuziehen und weiterhin reguläres Mitglied im SPD-Ortsverein Köthen werden zu wollen. Außerdem wollten er und sein Team die juristische Anfechtbarkeit seiner Nichtzulassung zum Kampf um den SPD-Parteivorsitz prüfen. Böhmermann in Anspielung auf seine gerichtlichen Auseinandersetzungen wegen seines Schmähgedichts mit Recep Tayyip Erdogan: "Wer mich kennt, der weiß: Wo ein Wille ist, ist auch ein Rechtsanwalt."

Auch im Rennen um den Parteivorsitz will Böhmermann sich nicht geschlagen geben. Sollte die SPD 2020 erneut ein neues Führungs-Duo suchen, stehe er wieder bereit. In seinem Video vergleicht er die SPD mit dem brennenden Amazonas-Gebiet. Die SPD dürfe Hilfe von Außen nicht länger verweigern: "Wir müssen die rote Lunge Deutschlands retten!" Details über seine gescheiterte Kampagne wolle er in der nächsten Ausgabe von "Neo Magazin Royale" nennen.

kae



insgesamt 47 Beiträge
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sj_comment 02.09.2019
1. Hr. Böhmermann,
es ist vergebene Mühe. Die checken das mit der Satire hier nicht. Weder die Vorwahrnung, genau nach dem Typen in der Türkei zu schauen, was da kommt bzw. gerade passiert, noch die anderen Winks mit den Zaunpfählen. Die merken NIX mehr!
mondxyzz 02.09.2019
2. Es war schon immer tragisch...
.. dass Böhmermann seine eigenen, meist nie so richtig schlechten, aber eben definitiv nie richtig guten Witze immer selbst selbst anlachen musste. Es gibt sicher auch wesentlich gravierendere Geldverschwendungen in den ÖR - aber warum man seine Show seit Jahren mit durchgeschleppt, ist mir ein absolutes Rätsel. Diese unfassbar originelle Idee mit dem SPD Parteivorsitz passt da nur ins Gesamtbild.
im_ernst_56 02.09.2019
3.
Auch für Herrn Böhmermann gelten Regeln. Das hätte ihm eigentlich nach dem Rechtsstreit mit Herrn Erdogan, in dem ihm die Wiederholung einiger Passagen des Gedichts untersagt wurden, klar sein müssen. Und wenn er nicht in Köthen wohnt, dann dürfte der dortige Ortsverein für die Aufnahme unzuständig sein. Ernst gemeint war der Antrag sowieso nicht und der Umstand, dass ein Politclown nicht in das Rennen um den Parteivorsitz der SPD geht, ist kein allzu schwarzer Tag für den SPD. Vielleicht sollte Böhmermann es bei DER PARTEI von Martin Sonneborn versuchen. Da passt er hin.
Zäsus 02.09.2019
4.
Nicht auf Böhmi rumhacken: Der hatte allerhand zu tun mit der CSYOU-Satire und dem Armin Petschmer-Kostüm.
newbie99 02.09.2019
5. "Die checken das mit der Satire hier nicht."
Warum sollten die (ich nehme mal an die SPD) das mit der Satire nicht checken? Was wäre denn der richtige Umgang mit Satire, wenn "die" nun selbige erkannt hätte? Ihn gleich mal ins Rennen um den SPD-Vorsitz schicken? Das kann ja wohl kaum im Interesse der SPD liegen. Es ist halt immer schwer, gut dabei auszusehen, wenn einen ein Satiriker öffentlich auseinanderzunehmen versucht. Die gellende Kritik an Böhmermann kann ich aber nicht verstehen! Natürlich ist weder das Beitrittsgesuch noch die Absicht, um den Bundesvorsitz zu kandidieren, ernst gemeint. Aber genau das ist halt eben auch der Job eines Satirikers. Und natürlich ist das für die jeweils betroffenen tendenziell recht unangenehm. Aber damit muss man sich in der Politik halt schon arrangieren können.
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