»Freizeit Magazin Royale« Klatsche für die Klatschpresse

»Fake News«, »kalkulierter Rechtsbruch«: In seiner TV-Show hat Jan Böhmermann Boulevardmedien scharf kritisiert. Seinen Angriff auf die Verlage krönt er mit einer Aktion an deutschen Kiosken.

»Freizeit-Revue«, »Das Goldene Blatt« oder »Neue Woche« – am Kiosk gibt es zahlreiche Magazine, die Diät-Tipps und Einblicke in das Leben von Prominenten versprechen. An diesem Samstag findet sich in den Auslagen ein neues Produkt: das »Freizeit Magazin Royale« . Dahinter steckt, der Name lässt es vermuten, Comedian und TV-Satiriker Jan Böhmermann.

Böhmermann und sein Coup gegen die Klatschpresse: 32 »kunterbunte und juristisch hochproblematische Seiten«

Böhmermann und sein Coup gegen die Klatschpresse: 32 »kunterbunte und juristisch hochproblematische Seiten«

Foto: Oliver Berg/ dpa

Böhmermann ist allerdings nicht wirklich unter die Verleger gegangen, sondern will mit der Aktion auf Missstände im Boulevardjournalismus hinweisen. Seine Parodie auf die Klatschblätter soll zeigen, wie große Verlage mit bewusst überspitzten Headlines oder sogar frei erfundenen Geschichten Geld verdienen.

Böhmermann und die »bittere Wahrheit«

Gut 20 Minuten lang setzte sich Böhmermann am Freitagabend in seiner Late-Night-Show »ZDF Magazin Royale« mit dem Thema auseinander. In dem Beitrag liest er zunächst verschiedene Schlagzeilen von Klatschmagazinen vor, um dann aufzuklären, was wirklich dahintersteckte: dass der »Schock zum 38. Geburtstag« von Prinz William ist, dass der Thronfolger manchmal eine Brille braucht. Oder die »bittere Wahrheit« über Helene Fischers Freund, dass der Mann mit 1,90 Metern zu groß zum Kunstturnen ist.

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Böhmermann stellt außerdem Fälle vor, in denen Klatschmagazine Interviews mit Prominenten vollständig erfunden haben. Er erklärt, warum die Verlage mit Falschmeldungen und Fälschungen durchkommen: Die Betroffenen hätten erst im Nachhinein die Möglichkeit, gerichtlich dagegen vorzugehen – dann, wenn die Magazine längst am Kiosk verkauft worden seien. In einem Einspieler nennt der Medienanwalt Christian Schertz das einen »kalkulierten Rechtsbruch«.

Böhmermann beschuldigt in dem Beitrag sowohl die Verlage Burda, Bauer, Funke, Alles Gute Verlag und Klambt als auch Einzelpersonen wie den Burda-Eigentümer Hubert Burda. Für ihn seien diese »Wegbereiter von Fake News«.

Angeblich 500.000 Exemplare im Zeitschriftenhandel

Der Beitrag endet dann mit einem typischen Böhmermann-Coup: In Kooperation mit dem Onlinemagazin »Übermedien« hat das »ZDF Magazin Royale« einmalig ein eigenes Klatschblatt erstellt. Auf 32 »kunterbunten und juristisch hochproblematischen Seiten« finden sich darin offensichtlich frei erfundene Beiträge über die Verlagsverantwortlichen. Die Titelseite ziert Hubert Burda höchstpersönlich, die schmissige Schlagzeile: »Wie er mit Intrigen, Inzucht und Inkontinenz Millionen machte«.

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500.000 Exemplare dieser Zeitschrift seien auf dem Weg an Deutschlands Kioske, kündigte Böhmermann an. Auf Twitter ist am Samstag zu sehen, dass das kein Scherz war: Nutzerinnen und Nutzer teilen Fotos aus dem Zeitschriftenhandel, wo sie das »Freizeit Magazin Royale« in der Hand halten.

fla