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Satirestreit mit Erdogan Böhmermann verkündet Fernsehpause via Facebook

Jan Böhmermann macht Urlaub. Via Facebook hat der Komiker verkündet, er werde "eine kleine Fernsehpause einlegen". Er begründet den Schritt mit den Dimensionen, die die Debatte über sein Erdogan-Schmähgedicht angenommen habe.

In einem Facebook-Post, der sich an die "lieben Fans des Neo Magazin Royale" wendet, erklärt Komiker Jan Böhmermann, seiner Redaktion sei es in den vergangenen zwei Wochen gelungen, die drei "Presse-Levels" "Politik, Feuilleton und Boulevard" einmal durchzuspielen. Deshalb habe er sich nun entschlossen, "eine kleine Fernsehpause einzulegen, damit sich die hiesige Öffentlichkeit und das Internet mal wieder auf die wirklich wichtigen Dinge wie die Flüchtlingskrise, Katzenvideos oder das Liebesleben von Sophia Thomalla konzentrieren kann".

Das Posting ist erwartungsgemäß im Neo-Magazin-typischen Satireton gehalten. Einen weiteren Song von Didi Hallervorden zu verhindern, müsse "oberste Priorität haben!" heißt es da zum Beispiel. Böhmermann behauptet, er werde das Land verlassen und sich "beim Twerk&Travel durch Nordkorea die Sache mit der Presse- und Kunstfreiheit noch einmal genau erklären" lassen, "bevor ich noch ein paar Tage mit meinem Segway auf dem Jakobsweg pilgere, um mich selbst zu finden".

Mittlerweile hat das ZDF bestätigt, Böhmermann und seine Produktionsfirma würden eine "vierwöchige Produktionspause bis zum 12. Mai einlegen". Das ZDF respektiere diese Entscheidung. Es sei noch unklar, was in der Zwischenzeit anstelle des "Neo Magazin Royale" gesendet werde.

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Binnen weniger Minuten hatte Böhmermanns Pausen-Posting 10.000 Facebook-Reaktionen und einige Hundert Kommentare ausgelöst, eine Dreiviertelstunde nach Veröffentlichung liegt die Zahl der Reaktionen bei über 66.000 und die der Kommentare bei über 3000. Über 5000 Nutzer haben das Posting in ihren eigenen Facebook-Newsfeeds geteilt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Freitag den deutschen Justizbehörden auf Wunsch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Ermächtigung erteilt, gegen Böhmermann ein Verfahren wegen möglicher Beleidigung eines ausländischen Staatsschefs einzuleiten. Grundlage ist der Paragraf 103 des Strafgesetzbuches (StGB), demzufolge für die Beleidigung eines ausländischen Staatschefs eine Strafe von bis zu drei Jahren Haft oder eine Geldbuße verhängt werden kann. Die Entscheidung der Regierung hatte teils wütende, teils verständnisvolle Reaktionen hervorgerufen. ZDF-Intendant Thomas Bellut erklärte dem SPIEGEL, sein Sender werde mit Böhmermann "durch alle Instanzen" gehen.

Erdogan hat neben dem Verfahren nach Paragraph 103 StGB auch noch als Privatperson Anzeige gegen Böhmermann erstattet. Mehr über die nun anstehenden juristischen Vorgänge in dem Fall lesen Sie hier.

Mehr zur Causa Böhmermann lesen Sie im aktuellen SPIEGEL.

cis
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