Winnetou-Darsteller Sosniok über Pierre Brice Der Schatz vom Segeberg

Früher stand Pierre Brice in Bad Segeberg auf der Bühne, heute verkörpert Jan Sosniok den Winnetou bei den Karl-May-Festspielen. Hier erzählt der GZSZ-Star, warum niemand an den verstorbenen Indianer-Darsteller heranreicht.
Ein bisschen sieht auch er aus wie einst Pierre Brice: Schauspieler Jan Sosniok verkörpert derzeit den Indianer-Häuptling in Bad Segeberg

Ein bisschen sieht auch er aus wie einst Pierre Brice: Schauspieler Jan Sosniok verkörpert derzeit den Indianer-Häuptling in Bad Segeberg

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance / dpa
Zur Person
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Jan Sosniok, 1968 in Gummersbach geboren, arbeitete zunächst als Model, ehe er 1994 in die RTL-Daily-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" einstieg. Er spielte auch in den TV-Serien "Berlin-Berlin" und "Danni Lowinski" mit. Seit 2013 verkörpert er den Winnetou bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg.

SPIEGEL ONLINE: Herr Sosniok, Sie verkörpern in diesem Sommer den Winnetou bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg. Von 1988 bis 1991 stand Pierre Brice dort auf der Bühne. Wie haben Sie von seinem Tod erfahren?

Sosniok: Ich habe es heute Morgen gehört, kurz bevor ich zur Probe gefahren bin. Wir alle sind sehr betroffen. Pierre Brice schaut von den alten Plakaten in den Büros, er blickt uns von den Fotos in der Kantine an. Das sind große Fußstapfen. Meine Frau wollte ihn eigentlich in diesem Jahr zu uns einladen. Ich hätte ihn vieles gerne noch gefragt.

SPIEGEL ONLINE: Was genau?

Sosniok: Was er mitgenommen hat aus der Rolle des Apachen-Häuptlings. Ob wir in Bad Segeberg unsere Sache gut machen. Natürlich auch, ob ich ein guter Winnetou bin.

SPIEGEL ONLINE: Was glauben Sie, was er geantwortet hätte?

Sosniok: Ihm wäre darauf sicher etwas Weises eingefallen.

SPIEGEL ONLINE: Muss man Winnetou so spielen wie Pierre Brice?

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Pierre Brice: Winnetou - die Rolle seines Lebens

Foto: imago

Sosniok: Pierre Brice hat uns geprägt, er ist Winnetou schlechthin, auch für mich. Niemand wird ihn vom Thron stürzen können. Er war absolut authentisch und hatte in der Rolle eine unheimlich starke Aura, er hat der Figur auch eine gewisse Unnahbarkeit gegeben, etwas Magisches. Ich merke das immer noch daran, wie aufgeregt die Zuschauer hier in Bad Segeberg sind, wenn sie nach den Vorstellungen neben mir stehen und Fotos machen. Da wirkt nach, was Pierre Brice in diese Rolle gelegt hat. Aber kopieren kann ich ihn natürlich nicht.

SPIEGEL ONLINE: Ist es eine Last, eine Rolle zu übernehmen, die so stark mit einem anderen Schauspieler verknüpft ist?

Sosniok: Einerseits will ich natürlich möglichst nah an seinen Winnetou herankommen. Andererseits bin ich froh darüber, dass ich das nie schaffen werde. Denn so eine Rolle kann auch ewig an einem hängen bleiben. Je authentischer man in ihr ist, desto schwerer kommt man aus ihr heraus. Das sieht man gut an Pierre Brice.

SPIEGEL ONLINE: Pierre Brice hat oft damit gehadert, dass er zeit seines Lebens auf seine Winnetou-Darstellung reduziert wurde.

Sosniok: Ja. Ich hätte im Fernsehen beinah eine ähnliche Erfahrung gemacht, als ich bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" mitspielte. Wenn man jahrelang seine Rolle in so einer Serie spielt, dann ist man für die Menschen da draußen irgendwann diese Figur. Mit jedem Tag wächst die Gefahr, dass einem als Schauspieler nichts anderes mehr zugetraut wird.

SPIEGEL ONLINE: Es ist also nicht nur eine Bürde, sondern auch eine Erleichterung, ein Vorbild zu haben, das man nicht einholen kann?

Sosniok: So ist es. Es hilft mir, als Schauspieler auch in anderen Rollen wahrgenommen zu werden. Die Rolle als Winnetou ist eben nur eine davon.

SPIEGEL ONLINE: Was ist an Ihrem Winnetou anders als an dem von Pierre Brice?

Sosniok: Schwer zu sagen. Eine Botschaft haben wir alle aber als Winnetou versucht zu vermitteln: Geht gut miteinander um, haltet Frieden.

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