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Finalistinnen bei "Promi Big Brother": Konsequent langweilig

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

Finale bei "Promi Big Brother" Der Rest ist Schreien

Mit Jenny Elvers-Elbertzhagen findet "Promi Big Brother" eine durchaus sympathische, aber schrecklich vorhersehbare Siegerin. Schuld an der Langweile ist nicht nur Sat.1. Vor allem: Die Zuschauer haben offenbar keinen Sinn mehr für komplexe Dramen.

Minutenlang kreischten Jenny Elvers-Elbertzhagen und Natalia Osada einander beseelt ins Gesicht, als ihnen am späten Freitagabend klar wurde, dass sie die letzten verbliebenen Insassinnen des "Promi-Big-Brother"-Hauses waren. Die Mini-Playback-Show-Veteranin Marijke Amado musste kurz zuvor als Drittplatzierte gehen. Der Rest ist Schreien.

Pamela Anderson, die in den letzten Tagen außer Konkurrenz im Haus zu Gast war und sich das Geschehen wie eine interessierte Ethnologin besah, die - huch! - aus Versehen nur fleischfarbene, zum Bersten neigende Nachthemden als Expeditionskleidung gepackt hatte, hatte sich auch irgendwann davongemacht.

Krakeelend blieben also die beiden von Beginn an offensichtlichen Favoritinnen zurück: Elvers-Elbertzhagen, die sich im Haus mit ihren brutal-sympathischen Einlassungen zu ihrem öffentlichen Alkoholabsturz und dann verständigem Betragen als Finalistin empfahl. Und Osada, dem kenntnisreichen Trash-TV-Publikum bisher als Quetschbusen-Outfits liebende Millionärsbalzerin bekannt, die im Promi-Container eine Blitzläuterung von der fluchenden Prollette zur empathischen Zwangsumarmerin vollzog.

Ekelprüfungen mit Gammeleiern

Dass am Ende Elvers-Elbertzhagen gewann, ist so konsequent langweilig wie die restlichen vergangenen zwei Wochen. Und beweist auch, dass am Ende weder das enttäuschende Moderatorenpaar Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn noch die mangelnde Originalität des Konzepts die Schuld an diesem faden Container-Aufguss tragen. Obwohl es eine kreative Bankrotterklärung war, die Kandidaten in vom "Dschungelcamp" abgekupferte Ekelprüfungen mit Insekten zu schicken und sie Skorpione und Gammeleier verzehren zu lassen.

Das Publikum trägt Mitschuld, weil es offenbar keinen Sinn mehr für den Reiz einer sich langsam entfächernden Katastrophe hat. Und zielsicher in der zweiten Hälfte der Staffel, als die Zuschauer mit Telefonanrufen Promis aus der Sendung wählen konnten, stets jene Nominierten rauskickte, mit denen die trübe Nummer noch etwas Fahrt hätte aufnehmen können.

Dabei gab es die Anlage für große, fast schon archetypische Konflikte: Jan Leyk vs. Marijke Amado - die alte Würdenträgerin aus untergegangenen Zeiten gegen den jungen "Berlin Tag und Nacht"-Stürmer in Hängehosen. Knallchargen wie Kandidatin Georgina warfen sich vor Amado demütig in den Staub ("Wer sind wir anderen, im Vergleich mit dir? Du stehst so weit über uns, du hast zehn Jahre lang eine Show moderiert!"). Nicht so Leyk, Der ging die eher autoritäre 59-Jährige heftig an, bezeichnete sie als "böse, alte Frau" und wurde jäh rausgewählt, als der Konflikt gerade in Fahrt kam. Ihm blieb nur noch, von draußen via Facebook nachzutreten und Amado dort als "120 Jahre alte Vollbratpfanne" zu bezeichnen - und sich dann am Freitag in der Finalshow mit einem sicher sehr ernstgemeinten Kniefall bei ihr zu entschuldigen.

Auch der Kampf Manuel Charr vs. Georgina Fleur wurde von den Zuschauern vorzeitig abgebrochen: Der Chauvi-Boxer bewarb sich vor dem Promi-BB-Kameras darum, eine Besserungssendung für strauchelnde Trash-Promifrauen moderieren zu dürfen. Er wollte diese Zuchtmeisterphantasie allen Ernstes "Charr erzieht die Frauen" nennen. Und landete dann mutmaßlich schmatzend mit Georgina, einer Erziehungsanwärterin, im Klo. Draußen hatte er noch seiner Freundin ewige Treue geschworen.

Bilder gab es von der angeblichen Züngelei freilich nicht, nur höchst suggestive Tonaufnahmen - und die Plappereien von Georgina, die die Kloknutscherei noch im BB-Haus ausplauderte. Auch sie wurde von den unverständigen Zuschauern aus dem Haus entfernt, bevor sich der Konflikt entfalten konnte.

Zwist, Streit, Versöhnung - Untergang

Ein Jammer, denn diese Konstellation hätte das Zeug zu einem Schmierendrama gehabt, mit sich langsam anbahnenden Zwist, Riesenstreit, vermeintlicher Versöhnung und schließlich komplettem Untergang. Natürlich ist es schäbig, sich als Zuschauer ausgiebig an solchem C-Promi-Elend weiden zu wollen - doch welchen anderen Grund sollte es geben, sich eine Sendung wie "Promi Big Brother" anzusehen?

Der römische Philosoph Lukrez beschrieb einmal den Genuss, am sicheren Ufer zu sitzen und von dort aus ein in Seenot geratenes Schiff zu beobachten - nicht um sich am Leid zu ergötzen, sondern in der Gewissheit, selbst vor solchen Gefahren geschützt zu sein. Die Menschen im Big-Brother-Haus mögen durch teils zweifelhafte Qualifikation bekannt geworden sein und ihren Lebensunterhalt mit Tätigkeiten verdienen, die von der Mehrheit nicht als Arbeit im klassischen Sinn angesehen werden - aber, schau an, dafür müssen sie auch leiden, während wir selbst mit der Chipstüte auf dem Sofa lümmeln! Leider vermasselte das Publikum die Katharsis-Gelegenheit, weil es keine Geduld hatte. Die Zuschauer zogen den Stöpsel vor der Zeit.

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