Dritte Staffel "Jerks"auf Joyn Saure Drops

An diesem Dienstag geht der Streamingdienst Joyn an den Start. Als Köderangebot gibt es die dritte Staffel "Jerks", in der Christian Ulmen und Fahri Yardim mal wieder den Humor weit über die Schmerzgrenze treiben.

André Kowalski/ maxdome/ ProSieben

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Die Latte liegt hoch, oder eher: hoch tief. Wer zuletzt künstliche Darmausgänge im Swimmingpool bersten ließ und seinen arglosen Dinnerpartygästen Menschenfleisch servierte, darf nun nicht plötzlich appetitlich werden.

Doch Dezenzgefahr besteht auch bei der dritten Staffel von "Jerks" an keiner Stelle: Christian Ulmen (lesen Sie ein ausführliches Interview über "Jerks" mit ihm) und Fahri Yardim liefern gewohnt verlässlich schmerzhaft ab.

Die zehn neuen Folgen tun womöglich sogar noch mehr weh als das bisherige Werk, denn dieses Mal wird gestorben und fast gestorben und - wenn einem der gnadenlose Tabu-Zermörserungshumor dieser immer noch unerreicht kühnen deutschen Serie noch nicht reicht, um sie gut zu finden, kann man sich ihre dritte Staffel auch als grobschrötige Variante der alten Klassikerverbindung von Tod und Eros zusammenschwurbeln.

Kostenlos und werbefinanziert

Wer das alles vor dem Start im linearen Fernsehen schauen möchte, kann dies auf Joyn tun, dem neuen Streamingdienst von ProSiebenSat.1 und Discovery, der am Dienstag startet. Die ersten beiden "Jerks"-Staffeln liefen vor ihrer ProSieben-Ausstrahlung noch zuerst bei Maxdome, die dritte Auflage ist nun das prominenteste Köderangebot für die erstmal kostenlose, werbefinanzierte Plattform. Zehn deutsche Eigenproduktionen sollen in den kommenden Monaten außerdem dort starten, Previews neuer Shows bereits vor dem TV-Start.

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"Jerks": Lustiger als die Polizei erlaubt

Angebote aus gut 50 Sendern soll das Livestream-Angebot von Joyn umfassen, selbst ARD und ZDF sind mit im Boot. "Jerks" bleibt bei diesem dann also doch wieder lückenhaften Sortiment das vorerst überzeugendste Anfix-Argument - oder, wenn man in der Gedankenwelt der Serie bleibt: Der Onkel hat hier ein leckeres Bonbon für dich, und zu Hause im Schrank sind dann später auch noch ein paar süße Hundewelpen.

Saure Drops en masse

Ulmen und Yardim sparen derweil nicht mit sauren Drops, es wird kurz mal Periodenblut mit Himbeereis verwechselt, unsachgemäß mit Zäpfchen hantiert, und - mitunter ist "Jerks" bei aller Drastik dann doch eben einfach nur ein Zerrspiegel der Wirklichkeit - eine jüdische Identität erfunden, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Besonders gelungen sind auch in dieser Staffel wieder die Gastauftritt-Miniaturen prominenter Menschen, die sich selbst spielen, etwa Volker Lechtenbrink als Würstchenmagnat oder Marcel Reif, der sich für Hodenkrebs-Vorsorgeuntersuchungen begeistert, sofern sie von Jungmedizinerinnen durchgeführt werden - und einräumt, dass er jetzt womöglich, ganz vielleicht nur, "ein bisserl wie ein alter weißer Mann" klinge.

Und für Connaisseure des Ulmen-Gesamtwerks gibt es beim scheinbar beiläufigen Herumspielen mit einer Tischlampe schließlich noch eine angedeutete Mini-Reprise der "Großvater, ich habe den Mond verdunkelt"-Szene seiner unsterblichen Kunstfigur Alexander von Eich, bekannt aus der Edel-Ekel-Comedy "Mein neuer Freund".


"Jerks", ab Dienstag bei Joyn.



insgesamt 10 Beiträge
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mucman 18.06.2019
1. Dumpfbackenduo
Offensichtlich sind die Tatort-Honorare bescheiden. Oder was bringt die beiden dazu, sich in der Werbung für den Magenta Riesen so zum Hanswurst zu degradieren? Sicher ein ordentliches Schmerzensgeld. Die Serie werde ich mir gewiss nicht anschauen. Mich kotzt dieses Dumpfbacken-Duo schon völlig an in der Werbung, die mich 100-prozentig nicht dazu animiert, eventuell auf Telekom umzusteigen. Ganz im Gegenteil. Denn natürlich drängt sich die Frage auf: Verblöde ich mit Telekom ebenso wie deren Werbe-Protagonisten?
silversurfer47 18.06.2019
2. @mucman
Über Humor lässt sich nicht! streiten! Ich werde auch nicht zur Telekom wechseln, aber die Spots sind, verglichen mit den sonstigen Kram, gut gemacht.
Onkel Drops 18.06.2019
3. saurer Drops dank Trödelkom
und ich locke keine Kinder mit süßem oder Welpen. ich bringe denen ehr bei wie man Oma ohnmächtig kriegt... und flüster denen pöse Wörter ein, damit die Eltern damit viel Spaß haben... schade jerks ohne magenta wäre mir tausendmal lieber... kommt auf Warteliste und die hat Zeit... ein guter Ulmen schmeckt auch später gut ,der wird nicht schlechter...
Gluehweintrinker 18.06.2019
4. Muss ich das kennen?
Muss ich mich schämen und bin ich vielleicht sogar nicht mehr "auf dem Laufenden", wenn mich solche Episödchen nicht im geringsten interessieren? Sehe ich Singles, Familien, Paare, die sich im Zug oder im Flugzeug ein paar Ohrhörer "teilen", um "Ihre Serie" zu gucken, regt sich Mitleid bei mir. Medienkonsum als identitätsstiftendes Merkmal - da kann man unsere Gesellschaft schon mal für leicht degeneriert halten, oder?
super-m 18.06.2019
5.
Ein guter Ulmen wird nicht schlechter, denn er war noch nie gut... Diese Art von Humor ist einfach nur langweilig. Glücklicherweise verschwindet diese Serie bald wieder in der Versenkung, so wie bei den ersten Staffeln, wo sie auch hingehört.
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