Kachelmann vs. Journalisten "Fuck the ARD"

Wetterexperte Jörg Kachelmann teilt aus, diesmal trifft es den SWR. Der Sender hatte ihn in eine Gesprächsrunde eingeladen. Doch der Ex-Moderator schickte eine deutliche Absage. Darin beleidigt er unter anderem seine ehemaligen Kollegen als "feige" und "verschlagen".

Kachelmann im Gerichtssaal in in Frankfurt am Main: "Lustige Räubergeschichten"
DPA

Kachelmann im Gerichtssaal in in Frankfurt am Main: "Lustige Räubergeschichten"


Hamburg - Dass Meteorologe Jörg Kachelmann von Journalisten nicht viel hält, lässt sich unter anderem an seiner Twitter-Timeline ablesen. Dort teilt er nicht nur gegen Boulevardjournalisten im Allgemeinen und Frauke Ludowig im Besonderen aus ("Ich habe sie mal in der Maske vor der Kunst gesehen: Sie wird dort recht eigentlich erst zusammengesetzt"), sondern hat auch das Bonmot "vollpfostenjournalismus" als Verschlagwortung via Hashtag mitgeprägt. Nun ist die ARD dran. Die speist er zwar nicht per Kurznachrichtendienst ab, greift in einem Blogbeitrag aber dennoch zu drastischen Worten.

Der Grund: Der SWR hatte ihn eingeladen, an der Talkshow "Nachtcafé" teilzunehmen. Diskutiert werden sollte über das Thema "Gesellschaftsspiel Klatsch". Kachelmann machte das Schreiben des Senders auf seinem Blog öffentlich. "In dieser Sendung möchten wir das Interesse der Menschen am Boulevard hinterfragen und darüber sprechen, wie sich Menschen fühlen, die in der Öffentlichkeit stehen und bei jedem Schritt begleitet werden", heißt es darin. "Gerne würden wir Sie zu diesem Thema als Gesprächsgast einladen."

An Kachelmann, der wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs selbst in die Schlagzeilen geraten war, hatten sich die Boulevardmedien damals monatelang abgearbeitet - vor und während des Prozesses ebenso wie nach seinem Freispruch. Nach Ansicht des Wetterexperten war die ARD allerdings selbst daran beteiligt. In seinem Antwortschreiben heißt es: "Der SWR hat in seiner Berichterstattung wie fast alle Medien erst vor-, nach dem Urteil nachverurteilend die Zeit während und nach Mannheim begleitet". Von Anfang an habe der Sender für die "Lügnerin und Falschbeschuldigerin" Partei ergriffen. "Sie bezeichnen Klatsch als Gesellschaftsspiel. Es ist kein Spiel."

Dann teilt Kachelmann wieder gegen die Boulevardpresse aus: "Ich hätte ihnen gerne erzählt, welche lustigen Räubergeschichten die versammelten geldgierigen 'Bunte'-Frauen erfunden haben, um einen beim Leser und Patricia Riekel speichelflusssteigernden Effekt zu erzeugen und so ein bisschen schöneren Reibach zu machen." Aber auch an seinen ehemaligen Kollegen übt er heftige Kritik. "Feigheit, Mittelmäßigkeit, Verschlagenheit und eine sabbernde Lust, auch irgendwie zu den Großen dazuzugehören", müsse man aufbringen, um bei der ARD "nach oben" zu kommen.

Frustrierende Gesprächsrunde bei Jauch

Dabei hatte Kachelmann im Oktober 2012 - mehr als ein Jahr nach dem Freispruch im Mai 2011 - noch eine Einladung der ARD-Talkrunde von Günther Jauch akzeptiert. Die Sendung, in der Kachelmann als auch seine Frau saßen, verlief allerdings frustrierend. Ex-"Bild"-Mann Hans-Hermann Tiedje durfte ungebremst über den Wetterexperten herziehen. Zudem zeigte sich Gastgeber Jauch unsicher - und verabschiedete seine Gäste mit dem Zusatz, dass alle "relativ unbefriedigt" aus dem Gespräch gegangen seien.

Da Kachelmann sich unter anderem durch eben diesen Besuch in der Jauch-Sendung selbst "offensiv mit dem Thema bereits in der Öffentlichkeit präsentiert" habe, "mussten wir davon ausgehen, dass eine Anfrage an ihn auf dieser Grundlage eine reale Aussicht auf Erfolg hat", reagierte der SWR auf die harsche Absage in einer Stellungnahme, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. "Wir bedauern sehr, dass Herr Kachelmann nun so heftig regiert, und respektieren selbstverständlich seine Absage." Man sei sich aber sicher, dass man einen angemessenen Umgang mit Kachelmann gefunden hätte.

Der beendet seinen Antwort-Brief an die Verantwortlichen der "Nachtcafé"-Sendung in Anlehnung an die umstrittene Äußerung, die der Europa-Expertin von US-Außenminister John Kerry, Victoria Nuland, vor einigen Tagen viel Ärger und Diskussionen eingebracht hatte: "Fuck the ARD".

vks



insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
Benko 13.02.2014
1. Sehr krass
Aber ich kann seinen Hass nachvollziehen, nach alldem. Zu wünschen ist ihm das er irgendwann doch noch sowas wie Frieden mit sich selbst findet.
Hübitusse 13.02.2014
2. Verständlich
Die Journalie in Deutschland, dazu gehört eben auch das öffentlich rechtliche Fernsehen oder auch der Spiegel, treten gerne mal die eine oder andere Person in den Dreck und glauben dann, nach ein paar Jahren sei alles wieder gut - und wundern sich dann wenn man ihnen vor den Koffer scheisst, wie es Kachelmann hier getan hat. Der Mann ist verbittert. Und es ist nachvollziehbar.
friedberta 13.02.2014
3. was darf man denn jetzt schreiben
ohne sich eine Klage von Herrn Kachelmann einzuheimsen ? Irgendwie alles sehr unbefriedigend, gell. Alles im Lot Herr Kachelmann ? Sie reagieren etwas über, meine ich.
quark@mailinator.com 13.02.2014
4. Naja
Ausgehend von der Unschuldsvermutung kann ich mir nicht vorstellen, wie ausgeglichen und wortgewandt ich mich äußern würde, wenn man mich zu Unrecht monatelang öffentlich der schändlichsten Taten beschuldigt und aus meinem Beruf verdrängt hätte. Insofern kann ich Herrn K nur wünschen, daß er irgendwann wieder Frieden findet, was aber wohl schwer wird. Diese Art öffentliche Anschuldigung ist nicht wieder gut zu machen und trifft beruflich und privat. Eigentlich müßten dafür verantwortliche Menschen für einige Jahre in den Knast - angesichts der Härte der Folgen für einen Unschuldigen. Hier gibt es große Lücken in Recht und Gerechtigkeit.
volker_morales 13.02.2014
5. Nicht sehr souverän!
Dass Kachelmann verständlicherweise keine Lust mehr hat, sich in der Öffentlichkeit zu diesem unrühmlichen Thema zu äußern ist verständlich, die larmoyante Opferhaltung passt aber überhaupt nicht zu jemanden, der in der Vergangenheit nichts hat anbrennen lassen. Mich bestärken die Pauschalvorwürfe von Herrn K. eher darin, dass er wirklich nicht verstanden hat, dass er selbst wenn die strafrechtlichen Vorwürfe zu Unrecht erhoben worden sind, zumindest Frauen aufgrund seines persönlichen Verhaltens derart gegen sich aufgebracht hat, dass sie sich gerechtfertigt sahen, diese Vorwürfe zu erheben. Vielleicht sollte er mal darüber nachdenken und nicht nur die vermeintlichen Verfehlungen seiner Mitmenschen anprangern.
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