"Politischer Gedankenaustausch" Treffen mit AfD-Chef - Protest gegen Leiter der hessischen Filmförderung

Der Geschäftsführer der hessischen Filmförderung Hans Joachim Mendig hat sich mit AfD-Chef Jörg Meuthen getroffen. Die Filmbranche ist entsetzt - und fordert Konsequenzen.

Hans Joachim Mendig verwaltet als Chef der hessischen Filmförderung mehr als 11,5 Millionen im Jahr - und traf sich mit dem AfD-Bundesvorsitz
Bernd Kammerer/ DPA

Hans Joachim Mendig verwaltet als Chef der hessischen Filmförderung mehr als 11,5 Millionen im Jahr - und traf sich mit dem AfD-Bundesvorsitz

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Was hatten die drei Männer wohl zu besprechen? Die Filmbranche reagiert alarmiert auf einen brisanten Austausch vor zwei Monaten: Wie nun bekannt wurde, hat sich der Chef der hessischen Filmförderung Hans Joachim Mendig Ende Juli mit dem AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen ausgetauscht. Mit dabei war auch der Frankfurter PR-Berater Moritz Hunzinger.

AfD-Mann Meuthen veröffentlichte ein Bild von dem Treffen auf Instagram. Auf dem Foto sind die drei entspannt lächelnd vor Kaffeetassen und Wassergläsern zu sehen. Wer das Bild aufgenommen hat, ist unbekannt. "Sehr angeregter und konstruktiver politischer Gedankenaustausch heute in Frankfurt", schrieb Meuthen zu dem Bild.

Die Filmszene reagiert irritiert auf das Beisammensein, schließlich verwaltet Mendig öffentliche Gelder von 11,5 Millionen Euro pro Jahr, die laut Förderrichtlinien die kulturelle Vielfalt in Hessen achten und nur entsprechende Projekte fördern sollen. Mendig wurde als Produzent von "Ein Fall für Zwei" und "Der Kriminalist" bekannt und verantwortet seit 2016 als Geschäftsführer die Hessen Film und Medien GmbH. Er ist außerdem Honorarprofessor an der Hochschule Darmstadt.

Der Wirtschaftsprofessor Jörg Meuthen gehört innerhalb der AfD zwar nicht zum Flügel um Björn Höcke. Beim ARD-Talk mit Dunja Hayali stellte er allerdings etwa arabische Muslime unter Generalverdacht. Vom dritten Teilnehmer des Treffens Moritz Hunziger, Mitglied der CDU in Hamburg, sind rassistische Äußerungen bekannt.

"Ruf der Hessen Film schwer beschädigt"

Allein das Treffen ist ein brisantes politisches Signal. Der Filmjournalist Rüdiger Suchsland hat deshalb branchenintern Widerstand organisiert, wie er dem SPIEGEL auf Anfrage bestätigte. Gemeinsam mit dem Leiter der Oberhausener Kurzfilmtage Lars Henrik Gass fordert er die Entlassung Mendigs in einem Schreiben, das mehr als 20 Filmschaffende unterzeichnet haben sollen und das am Montag dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst vorgelegt werden soll. "Das sind alles große Namen, Schauspieler und Regisseure jeden Alters", kündigt Suchsland an. Und weiter: "Es rumort in der Filmszene. Mendig beschädigt mit seinem Verhalten den Ruf der Hessen Film schwer, auch im Ausland."

Das britische Branchenmagazin "Screen" etwa berichtet über deutsche Produzenten, die nicht mehr mit der Hessen Film arbeiten wollen. "Auch wenn AfD-Politiker demokratisch gewählt sind, sollten Menschen aus der Kulturszene nicht mit ihnen privat essen gehen", erklärt dort der Filmproduzent Fabian Gasmia. "Kulturschaffende sollten auf Panels diskutieren oder über die Presse, aber nicht beim Mittagessen. Das hinterlässt das Gefühl, dass der Leiter der Filmförderung mit den Leuten dieser Partei einverstanden ist."

Ob die Kaffeerunde wirklich Folgen haben wird, ist unklar. Allein ein Kontakt zur AfD reicht nicht aus, um einen Geschäftsführer seines Amtes zu entheben. Das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst teilte dem SPIEGEL mit, Mendig habe angegeben, es habe sich um eine "private Gelegenheit gehandelt, die nicht in Bezug zur Hessen Film und Medien GmbH stand".

Ministerin Angela Dorn beobachte mit zunehmender Sorge die wachsende Entfremdung zwischen dem Geschäftsführer der Hessen Film und vielen Filmschaffenden, die sich seit längerer Zeit abzeichne. "Es gab bereits Gespräche darüber mit Mendig", sagte das Ministerium dem SPIEGEL. Dass Filmschaffende jetzt ihren Rückzug aus Gremien ankündigen, will die Ministerin im Aufsichtsrat zur Sprache bringen. Schließlich stehe die Filmszene "für Vielfalt, Akzeptanz und Weltoffenheit", so das Ministerium.



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