"Deutschlands Beste!" im ZDF Linkisches Glamour-Gedöns

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Claus Kleber twittert, Günther Jauch will nicht Bundespräsident werden, und keiner kennt Siegfried Lenz. Das ZDF hat "Deutschlands Beste!" gewählt - da darf sich jeder freuen, der nicht in die Teutonen-Top-50 gewählt wurde.

Was machen all die alten Männer da oben? Skiläuferin Maria Höfl-Riesch, am Mittwochabend im ZDF einzige Frau in großer Herrenrunde, wusste es auch nicht so genau. Der komische Kauz, der da mit Barett auf den zerzausten Haaren auf den Bildschirmen hinter hier zu sehen war, kam ihr immerhin irgendwie bekannt vor. Ach ja, das war Siegfried Lenz, dessen "Heimatmuseum" sie mal in der Oberstufe durchgenommen hat. Aus Zeitgründen hatte das schon damals im Leistungssport aktive Mädchen allerdings nur die Zusammenfassung des Romans gelesen. Moderator Johannes B. Kerner, hihi, wies darauf hin, dass man damals ja vortrefflich mit "Königs Erläuterungen" Wissen vortäuschen konnte, das man gar nicht besaß.

Ach, ihr armen deutschen Schriftsteller. Da wählt man euch unter die Besten des Landes, und dann seid ihr doch nur die anstrengenden, ungeliebten, komischen Onkels unter den deutschen Promis. 50 noch nicht tote Top-Teutonen wurden im ZDF aufgelistet, unter ihnen waren dann auch nur drei Literaten, neben Lenz noch Günter Grass - und bezeichnenderweise Popstarautor Frank Schätzing. Denn wer sich bei dem in einer Forsa-Umfrage ermittelten Ranking durchsetzen konnte, hatte immer auch die Macht der Bilder und die Spiegelung durchs TV im Rücken.

Fernsehheinis, die eigentliche Macht im Land

Einige deutsche Popstars schafften es unter die ersten 50 (Grönemeyer, klar), sie wurden hier in staatstragenden Einspielern vorgestellt, so als seien sie Politiker. Vor allem aber kamen Politiker in die allerhöchsten Positionen, und die wurden dann wiederum lässig wie Popstars porträtiert. Zum selbstgefälligen Siegerlächeln von Gerhard Schröder gab es Frank Sinatras "My Way", Frank-Walter Steinmeier düste zu "The Passenger" (Iggy-Pop-Original, versteht sich) um die Welt, und zu den salbungsvollen Auftritten von Richard von Weizsäcker als Bundespräsident - Platz drei im Ranking - zickten abstruserweise Ideal mit ihrem Mauer-Hit "Berlin".

In unmittelbarer Nähe zu Weiszsäcker platzierte sich Günther Jauch, er wurde die Nummer vier in den ZDF-Charts, was Moderator Kerner zu der Schmeichelei verleitete, der Kollege sei ja sowieso der Bundespräsident der Herzen. Jauch saß gemeinsam mit Franz Beckenbauer (Platz neun), Claus Kleber (Platz 28) und Bully Herbig (Platz 36) im Studio. Fernseh- und Sportheinis, sie sind die eigentliche und gar nicht heimliche Macht in Deutschland. Ganz im Ernst fragte Kerner denn auch Jauch, ob er nicht tatsächlich das oberste Amt im Staate anstrebe. Der wehrte kokett ab.

Schon zwischen 2003 bis 2008 hatte Kerner im ZDF "Deutschlands Beste" moderiert, bevor er der Hybris verfiel, eigentlich selber "Deutschlands Bester" zu sein, extreme Gagenforderungen zu stellen, um schließlich zum Privatsender Sat.1 zu gehen, wo er grausam scheiterte und ins mediale Aus bugsiert wurde. Zurück im Zweiten gibt sich Johann Baptist Kerner nun bescheiden, unter den Top 50 - zu den auch Kollegen wie Frank Elstner und Thomas Gottschalk zählen - wähnt er sich wohl schon lange nicht mehr.

Dafür schaltete Kerner am Mittwoch endlich mal einen Schleim-Gang runter. Dem bei der Befragung zu Fifa-Vorgängen in die Bredouille geratenen Beckenbauer versicherte er süffisant, er solle keine Angst haben, die Fragen würden im Zweiten alle auf Deutsch gestellt. Und den ZDF-Kollegen Kleber, der durch halsbrecherische Twitter-Aktionen Hohn auf sich gezogen hat, forderte er auf, doch mal schnell was an die Fans zu tweeten. Am Ende wird, als wären wir hier in Hollywood, ein Selfie von der Fernsehcouch geschossen. Oder besser: Kerner schießt ein Foto auf Klebers Handy, das der dann twittert. Betreute Selfie-Produktion sozusagen.

Kam es uns nur so vor? Helmut Schmidt, der auf Platz eins gewählt wurde, schaute am Ende in Anbetracht all dieses linkischen Glamour-Gedöns besonders grimmig von der Studioleinwand.


"Deutschlands Beste!" (Frauen-Ausgabe), Donnerstag, 20.15 Uhr, ZDF



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26 Leserkommentare
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ultraunorthodox 03.07.2014
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