Reaktionen auf »Nicht selbstverständlich« »Ein Stück deutsche TV-Geschichte. Chapeau!«

Selten gab es so viel Beifall: Sieben Stunden lang zeigte ProSieben auf Initiative von Joko und Klaas eine experimentelle Live-Doku über den Alltag von Pflegekräften. Die Reaktionen überschlagen sich.
Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt präsentieren Echtzeit-Doku über Pflege

Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt präsentieren Echtzeit-Doku über Pflege

Foto: ProSieben

Überraschende Auftritte von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sind nichts Neues. Mehrfach haben sich die beiden Entertainer bereits in Livesendungen für gesellschaftlich relevante Themen eingesetzt. Dass sich darauf aber auch die Konkurrenz vor Lob überschlägt, hat es selten gegeben. »Was da gerade bei ProSieben passiert, dürfte ein Stück deutsche TV-Geschichte sein. Chapeau«, ließ der offizielle Twitteraccount von Arte verlauten. »Starke Aktion, ProSieben! Ein beeindruckendes Zeichen«, schrieb die Redaktion von RTL, und RTL II schloss sich an: »Standing Ovations, ProSieben. Heute seid Ihr definitiv der Reality Sender Nr. 1.« Binnen weniger Stunden war das Thema unter den Toptrends auf Twitter.

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Was passiert war: ProSieben hatte für sieben Stunden bis in den frühen Donnerstagmorgen sein Programm freigeräumt, um werbefrei den Alltag einer Pflegekraft in Deutschland zu zeigen. Dafür wurde die Pflegekraft Meike Ista in der Uniklinik Münster in Echtzeit mit einer kleinen Kamera begleitet. Die Sendezeit hatten sich die Moderatoren in der am Dienstag ausgestrahlten Show »Joko & Klaas gegen ProSieben« erspielt, in der sie in mehreren Wettkämpfen gegen ihren Arbeitgeber antreten.

Joko und Klaas hatten bereits während der Sendung zu Reaktionen ermutigt, um der Aktion noch mehr Gewicht zu geben. »Wir brauchen eure Kommentare, eure Postings, eure Erfahrungen und eure Meinungen. Denn nur mit einer gewissen Lautstärke kommt die Botschaft des heutigen Abends bei denen an, die sie bislang leider viel zu oft überhört haben«, sagten die Moderatoren in ihrer Sendung.

Tausende twitterten am Abend und nachts zum Thema Pflege, bis Donnerstagmittag kamen knapp 47.000 Beiträge zusammen. Menschen fanden viel Lob für die Sendung, berichteten von eigenen, meist positiven Pflegeerfahrungen oder stichelten gegen die Politik. »Jens Spahn ist sicher gerade das Duplo im Hals stecken geblieben«, ätzte ein Nutzer. Pflegekräfte im Dienst schickten Selfies aus ihrer eigenen Nachtschicht auf Covid-Stationen.

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Im Schnitt verfolgten 730.000 Menschen die Sendung »Joko & Klaas Live«. ProSieben sprach am Donnerstag von einer »Nettoreichweite« von 5,84 Millionen Menschen. Damit ist die Zahl der Leute gemeint, die mindestens einmal kurz erreicht worden sind.

Medienjournalist Stefan Niggemeier schrieb: »Das, was da gerade auf ProSieben läuft, ist nicht nur eine wichtige Aktion von Joko und Klaas, sondern auch richtig gutes Fernsehen.«

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Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz äußerte sich ebenfalls: »Danke Joko und Klaas für diese Sendung! Und – man kann es nicht oft genug sagen – Danke an alle Pflegerinnen und Pfleger! Ohne sie geht nichts. Antwort auf diese Erkenntnis ist nicht, Beifall zu klatschen. Respekt heißt: gute Löhne und Arbeitsbedingungen.« Unter dem Tweet des Vizekanzlers sammelte sich jedoch einige Kritik.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bezog sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Berlin auf die Sendung, als er Gespräche mit Verbänden ankündigte, um bessere Arbeitsbedingungen in der Branche zu erreichen. »Damit nach dieser schweren Phase der Pandemie viele in dem Beruf bleiben und idealerweise zurückkehren wollen, werden wir auch zügig in Gesprächen mit den Pflegeverbänden weiter darüber beraten, wie wir auch dafür die Arbeitsbedingungen noch weiter verbessern können.« Spahn sagte zudem: »Es ist gut, dass die Pflege jetzt in der Primetime läuft. Pflegerinnen und Pfleger verdienen unseren Respekt, unser Dankeschön, aber vor allem bessere Arbeitsbedingungen.«

cpa/dpa