Spaniens Monarch Juan Carlos Katalanisches TV ignoriert königliche Weihnachtsansprache

Erstmals seit fast vier Jahrzehnten wird Kataloniens Fernsehen die Weihnachtsansprache von König Juan Carlos nicht live ausstrahlen. Die Mitarbeiter des Senders streiken aus Protest gegen drastische Sparmaßnahmen. Der Streit ist Teil des Konflikts zwischen Zentralregierung und Katalanen.

Weihnachtsansprache von Juan Carlos (2012): Streik ab 21 Uhr
REUTERS

Weihnachtsansprache von Juan Carlos (2012): Streik ab 21 Uhr


Madrid/Barcelona - Wenn Spaniens König Juan Carlos am Heiligen Abend um 21 Uhr seine Weihnachtsansprache hält, bleibt der Bildschirm im öffentlich-rechtlichen TV-Sender Kataloniens schwarz. Zum ersten Mal seit der Wiederherstellung der Monarchie vor 38 Jahren wird das Fernsehen der autonomen Region die Rede des Staatsoberhauptes nicht zeigen.

Mitarbeiter des Senders haben für die Zeit der Ansprache zu einem halbstündigen Streik aufgerufen. Der offizielle Grund hierfür sind Einsparungen und die Ausgliederung zahlreicher Produktionen.

Die Kostenkürzungen sind Teil des Streits zwischen der Regionalregierung in Barcelona und der Zentralregierung in Madrid. Im Zuge der Sparmaßnahmen hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Spanien Hunderte Mitarbeiter entlassen. Der Regionalsender für Valencia, die drittgrößte Stadt des Landes, wurde komplett geschlossen.

Katalanen wollen über Unabhängigkeit abstimmen

Das baskische Fernsehen wird die Ansprache von Juan Carlos ebenfalls ignorieren. Der Sender EiTB hat die Reden aber auch in den vergangenen Jahren nur selten gezeigt, da die separatistischen Basken dem Königshaus äußerst kritisch gegenüberstehen.

Der katalanische Sender TV3 will die Rede später wiederholen und zudem auf seiner Webseite veröffentlichen.

Es wird erwartet, dass Juan Carlos den Konflikt mit den separatistischen Katalanen zwar nicht direkt anspricht, aber seine Landsleute dennoch zur Einheit aufrufen wird. Spanien kämpft mit einer langjährigen Wirtschaftskrise, jeder Vierte ist arbeitslos.

Katalonien gilt als wirtschaftsstärkste Region des Landes. Der Präsident der Region, Artur Mas, will seine Bürger am 9. November 2014 über die Unabhängigkeit von Spanien abstimmen lassen. Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy hält das Referendum für verfassungswidrig und will es juristisch verbieten lassen.

syd/Reuters

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ausmisten 24.12.2013
1. Ob das Jemand bemerkt?
Wer die Weihnachtsansprache live sehen will , kann auch in Catalunya auf die ueberregionalen TV Sender zurueckgreifen .
jordi.kueng 25.12.2013
2.
Zitat von ausmistenWer die Weihnachtsansprache live sehen will , kann auch in Catalunya auf die ueberregionalen TV Sender zurueckgreifen .
Muss man dies tun? Hat dieser "König" denn so viel zu sagen?
andreu66 25.12.2013
3. Republikanisches Katalonien
Katalonien mit Barcelona hat eine lange linke, republikanische Tradition. Historisch war die Bourbonendynastie mit ihrer französischen Zentralstaatsattitüde in Katalonien nie populär. Heutzutage haben Joan Carles und seine Familie in ganz Spanien durch eigene Schuld viel von ihrer ursprünglichen Popularität eingebüßt. Bei einer Volksabstimmung oder Parlamentswahlen in Katalonien würden regelmäßig Ergebnisse von etwa 70:30 für eine Unabhängigkeit erzielt werden. Die Unterdrückeng eines Volkes mitten in Europa durch eine ultrakorrupte und postfaschistische Regierung ist ein Skandal.
ferdinand7 25.12.2013
4. ...lachhaft
Zitat von andreu66Katalonien mit Barcelona hat eine lange linke, republikanische Tradition. Historisch war die Bourbonendynastie mit ihrer französischen Zentralstaatsattitüde in Katalonien nie populär. Heutzutage haben Joan Carles und seine Familie in ganz Spanien durch eigene Schuld viel von ihrer ursprünglichen Popularität eingebüßt. Bei einer Volksabstimmung oder Parlamentswahlen in Katalonien würden regelmäßig Ergebnisse von etwa 70:30 für eine Unabhängigkeit erzielt werden. Die Unterdrückeng eines Volkes mitten in Europa durch eine ultrakorrupte und postfaschistische Regierung ist ein Skandal.
Dass ausgerechnet Katalonien, das im September noch von der EU als korrupteste Region Europas bezeichnet wurde, nun von einem korrupten Staat malträtiert und unterdrückt werden soll, ist an Unglaubwürdigkeit nicht zu überbieten. Das reale Katalonien ist nicht das, das von den Separatisten dargestellt wird.
mr_shoke 02.06.2014
5.
Zitat von andreu66Katalonien mit Barcelona hat eine lange linke, republikanische Tradition. Historisch war die Bourbonendynastie mit ihrer französischen Zentralstaatsattitüde in Katalonien nie populär. Heutzutage haben Joan Carles und seine Familie in ganz Spanien durch eigene Schuld viel von ihrer ursprünglichen Popularität eingebüßt. Bei einer Volksabstimmung oder Parlamentswahlen in Katalonien würden regelmäßig Ergebnisse von etwa 70:30 für eine Unabhängigkeit erzielt werden. Die Unterdrückeng eines Volkes mitten in Europa durch eine ultrakorrupte und postfaschistische Regierung ist ein Skandal.
Oje Oje.... sie haben ja nun sehr wenig Ahnung. Können Sie "postfaschistisch" auch irgendwie belegen oder erläutern? Die Unterdrückung gab es zur Franco-Zeit. Die ist bekanntlich längst vorbei. Katalonien ist jetzt bereist autonome Region, mit weitreichender eigener Gesetzgebung. Ähnlich wie in Deutschland. Oder haben Sie schon mal die Bayern oder Badenwürttemberger sagen hören, dass Sie von Deutschland unterdrückt werden? Ich habe die ganzen Diskussionen hinter mir. Und bei einer Wahlbeteiligung von 20% würde ich nicht unbedingt von repräsentativ ausgehen. Die Katalanen streben einen eigenes Land innerhalb der EU an. Na herzlichen Glückwunsch. Den Jungs und Mädels in Katalonien ist nicht klar zu machen, dass sie dann wohlmöglich mehr blechen als bisher, denn dann Spanien als "Puffer" weg. Und die Nationalmannschaft (FC Barcelona) spielt dann natürlich weiter in der SPanischen Liga, oder? So sucht man sich halt das Beste raus.
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