ARD-Quiz "Wer weiß denn sowas" Klingt müde, ist es auch

Elton, Kai Pflaume und Bernhard Hoëcker: "Wer weiß denn so was?"

Elton, Kai Pflaume und Bernhard Hoëcker: "Wer weiß denn so was?"

Foto: ARD

Der öffentlich-rechtliche Vorabend ist die Tiefebene der Harmlosigkeit. Mit Kai Pflaume und "Wer weiß denn sowas" grast hier nun ein besonders gutmütiges Rindvieh.

Was zwischen 18 und 20 Uhr in der ARD läuft, ist bekanntlich ungeheuer strengen Kriterien unterworfen. Zur Ausstrahlung kommt nur, was nicht allzu sehr schmerzt, informiert, anregt oder aufregt. Zäpfchenhaft hat es sich der umgebenden Werbewelt aus streichzarter Butter und unbeschwertem Genuss einzufügen. Da ist selbst das "Quizduell" mit Jörg Pilawa beinahe schon zu aufregend, man kann ja aktiv mitraten. In Sommerpausenvertretung schaltet Kai Pflaume mit seinem Quiz noch einen Gang runter.

Untertourig an "Wer weiß den sowas?" ist schon der Titel, der sogar noch vom passiven Grübeln entbindet. Nachgefragt werden mehr oder weniger kuriose Informationspartikel aus der Familie "Unnützes Wissen". Wobei helfen zerkleinerte Kastanien? Was macht ein brennender Teebeutel? Woher hat das Eisbein seinen Namen? Wer "sowas" weiß, ist entweder Hausfrau oder hat die Reddit-Sparte "Mildly Interesting" abonniert. "Wussten sie beispielsweise", hängt Pflaume gleich zur Begrüßung die Latte tief, "dass es eine offizielle Regel gibt, dass auf Fußballplätzen keine Bäume stehen dürfen?" Potztausend, was es nicht alles gibt!

An Bord sind neben dem sympathisch krähenfüßigen Pflaume die "Teamleiter" Bernhard Hoëcker und Elton, deren Teams aus jeweils einem weiteren Fernsehgesicht bestehen. In der ersten Folge waren das Christine Neubauer und Frank Elstner, an den kommenden Tagen werden Guido Cantz, Wigald Boning, Jürgen Vogel oder Andrea Kaiser folgen. Leute also, denen die Zielgruppe gern dabei zuschaut, wie sie darüber nachdenken, ob sich eine versalzene Suppe durch Zugabe von Radieschen oder rohen Kartoffeln retten lässt oder wofür man einen Nippelspanner braucht. Wobei Worte wie "Nippelspanner", hihi, immer für einen senderüblichen Klemmkicherer gut sind.

Filmchen wie bei "Logo"

100 Menschen sitzen im Publikum, sie müssen sich hinter dem von ihnen favorisierten Team platzieren, wollen sie am Ende etwas vom Gewinn abhaben. Pro Person waren das in der ersten Folge satte 158 oder 135 Euro, auch hier ist vorgesorgt. Allzu teuer darf es nämlich auch nicht werden am Vorabend. Abwechselnd gibt es Fragen aus Kategorien wie "Im Labor", "Wie ticken wir?", "Sonne, Mond und Sterne" oder "Tierisch, tierisch". Bei einem Treffer (A, B oder C?) winken 500 Euro.

Ein Mitnahmeeffekt vom "Quizduell" ist die Einbeziehung des Publikums. Dann darf jeweils ein Mensch sich erheben, rudimentär Auskunft über sich erteilen und seine Antwort geben. Was müde klingt und es auch ist, erweist sich als Glanzpunkt des Konzept. Hier kommt wenigstens ansatzweise Leben in die Bude, wenn etwa Frank Elstner erklärt: "Der Herr in rot erinnert mich so an Denis Scheck, und der weiß immer alles." Oder ein anderer Kandidat auf eine abseitige Frage nach den biologischen Features des Seychellenfroschs unbedarft erklärt: "Ich meine, das in 'nem anderen Quiz schon mal gehört zu haben: Er riecht mit den Augen!"

Prompt falsch. Und dass der Seychellenfrosch mit der Nase hört, wird, wie alle anderen Antworten auch, mit aufwendigen kleinen Einspielfilmchen erklärt, die sich auch in der Kindernachrichtensendung "Logo" gut machen würden. Pflaume bleibt ölig, Hoëcker das Multifunktionswerkzeug und Elton der überzeugende Deppendarsteller.

Abgrund zwischen Elstner und Elton

Wie gut die Folgen werden, dürfte weniger an den Gästen liegen als daran, wie die "Teamleiter" mit ihnen interagieren. Zwischen Hoëcker und Neubauer entwickelten sich immerhin ein paar nette Running Gags, der Abgrund zwischen Elstner und Elton aber blieb unüberbrückbar. Hat Elton im deutschen Fernsehen jemals jemanden gesiezt?

Höhepunkt des Vorabends war denn auch die Frage: "Frauen kommen einer niederländischen Studie zufolge beim Sex häufiger zum Orgasmus, wenn sie …" Sich die Ohren zuhalten? Socken tragen? Die Beine rasieren? Da zoomt die Kamera zotig auf zwei verlegene Rentnerinnen im Publikum, während Elstner erklärt: "Ich habe 40 Jahre in Benelux gelebt… Und die hat sich nie die Ohren zugehalten." Auch für den erklärenden Einspieler gibt Pflaume Entwarnung: "Wir schauen jetzt gemeinsam. Ich garantiere, dass wir den Film so auflösen, dass Sie die Kinder nicht aus dem Zimmer schicken müssen!"

Eine milde Frotzelei lässt Pflaume sich nach der Auflösung dennoch nicht entgehen: "Das Gute daran ist: Christine Neubauer ist eine Erkenntnis reicher geworden!" Neubauer wiehernd: "I-ja-hahaha", aber sie habe "dafür" bisher noch keine Socken gebraucht. Was fast schon wieder zu anregend oder auch schmerzlich für das Begleitprogramm zum Hineindämmern in den Fernsehabend ist.

Oder wie Kai Pflaume sagt: "Muss man vielleicht nicht wissen, ist aber auch mal ganz interessant, das zu wissen."

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