Klaas Heufer-Umlauf zu Fälschungsvorwürfen Das war souverän

Fünf Minuten seiner Show widmet Klaas Heufer-Umlauf den Fake-Vorwürfen gegen "Duell um die Welt" und "Late Night Berlin": Er reagierte mit Selbstverteidigung, Pointen - und einer gänzlich ironiefreien Entschuldigung.
Von Klaus Raab
Entertainer Klaas Heufer-Umlauf: "Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde"

Entertainer Klaas Heufer-Umlauf: "Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde"

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Andreas Franke/ ProSieben

Es hat ein paar Tage gedauert, bis sich Klaas Heufer-Umlauf zu einem sinnvollen Umgang mit den Fälschungsvorwürfen durchringen konnte, die gegen ihn und Joko Winterscheidt vergangene Woche erhoben worden sind . Nun, in seiner ProSieben-Show "Late Night Berlin", hat er darauf reagiert. Und wie er es tat, das war ziemlich souverän.

Das NDR-Format "STRG_F" hatte in einem halbstündigen Film gezeigt, dass mehrere Mutproben und Streiche in der ProSieben-Show "Duell um die Welt" und Heufer-Umlaufs Soloformat "Late Night Berlin" wohl gefälscht waren.

Der Schauspieler Edin Hasanović hat dem NDR zufolge keineswegs völlig allein einen Heißluftballon gelandet, nachdem sich der Pilot verdünnisiert hatte. Die Schauspielerin Sophia Thomalla wurde demnach doch nicht ohne ihr Wissen aus einem Helikopter geschubst, sondern wusste, was passieren würde. Und ein Fahrraddieb wurde demnach nicht von Heufer-Umlauf auf frischer Tat ertappt und zur Strafe ins Rampenlicht eines live vor ihm aufgeführten Unterhaltungsprogramms gestellt - was ein ausnehmend lustiger Umgang mit einem Dieb gewesen wäre, der doch in erster Linie unerkannt bleiben will. Der vermeintliche Dieb war vielmehr Teil des Teams.

Heufer-Umlauf und ProSieben erinnerten nach der Veröffentlichung zunächst an getroffene Wildschweine. Der Sender räumte dieses und jenes zwar irgendwie ein, ließ es sich aber nicht nehmen, sich von den Recherchemethoden des NDR zu distanzieren. Und der Entertainer erklärte in einer Ausgabe seines Podcasts "Baywatch Berlin" verklausuliert bis unverständlich, die ganze Geschichte sei für ihn eher so heiße Luft. Ein Riesenwind wegen, ja Gottchen, Unterhaltung halt.

Jetzt allerdings hat er den Ballon erst mal gelandet. Mutmaßlich nicht allein: Den Text seiner wohltemperierten Entschuldigung, die zusammen mit einer kleinen Selbstverteidigung und ein paar Sprüchen knapp fünf Minuten der Sendung einnahm, wird sich vorher schon jemand mit ihm überlegt haben. Aber das Ding ist unten.

"Wir sind ja keine Journalisten, die jetzt ausschließlich der Wahrheit verpflichtet sind. Wir sind Joko und Klaas..."

"Natürlich war unser erster Reflex zu sagen, ja, wir machen ja hier nur Quatschfernsehen", sagte Heufer-Umlauf im Stand-up-Teil, mit dem seine Late-Night-Show beginnt, "und um Gottes willen, wir sind ja keine Journalisten, die jetzt ausschließlich der Wahrheit verpflichtet sind. Wir sind Joko und Klaas, wir haben uns den Mund zugenäht, wir haben uns einen Donut in die Stirn gespritzt, wir machen keine Dokumentationen, keine Reportagen, und wir machen und zeigen auch Sachen, die Sie und euch aus dem Alltag rausreißen sollen, das ist das Hauptziel".

Dann drehte er noch eine Runde und drohte kurz an, sich auf den Part des Unverstandenen zu verlegen: Auf der Bühne werde manchmal Playback gesungen, seine Gags würden zum großen Teil von Autoren geschrieben, sagte Heufer-Umlauf. "Vieles, was in Fernsehstudios passiert, und vieles, was in dieser Reportage aufgezählt wurde, ist völlig zu Recht Teil einer Inszenierung namens Entertainment."

"Das war ohne Wenn und Aber ein Fehler und wird so auch nicht mehr vorkommen."

Aber dann kriegte er die Kurve: "Trotzdem, und das will ich hier klar und deutlich sagen, sind wir in einzelnen Fällen über dieses Ziel hinausgeschossen, so zum Beispiel beim Fahrraddieb." Diesen Fall "haben wir deutlich so anders dargestellt, dass man es auch nicht mit so einem einfachen 'Ist ja nur Unterhaltung' wegwischen kann. Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde. Dafür möchte ich mich, ernst gemeint und ohne jede Ironie, entschuldigen. Das war ohne Wenn und Aber ein Fehler und wird so auch nicht mehr vorkommen. Wir und jeder Einzelne, der mit uns an unseren Shows arbeitet, liebt das Fernsehen, liebt es, möglichst spektakuläre, lustige oder auch oft superdumme Sachen zu präsentieren".

Die "Fehler, die wir dabei gemacht haben", habe man nicht aus "Zynismus, Zuschauerverachtung oder Faulheit" gemacht, sagte Heufer-Umlauf. "Es gab Einzelfälle, bei denen wir nicht einsehen wollten, dass die Realität weniger spannend ist als das, was wir gerne auf der Showbühne sehen."

Moderatoren Winterscheidt und Heufer-Umlauf (Archivbild)

Moderatoren Winterscheidt und Heufer-Umlauf (Archivbild)

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

Fall erledigt? Besser hätte man die Sache zumindest im Rahmen einer Unterhaltungssendung, die man schwerlich in einer Büßerkutte moderieren kann, jedenfalls kaum handhaben können.

Dass in Zukunft mehr Leute an der Echtheit gerade der abgefahrensten Mutproben Zweifel haben werden, das ist aber wohl für die nächste Zeit nicht zu ändern. Das ahnt wohl auch Heufer-Umlauf, der entsprechende Konsequenzen ankündigte: "Eigentlich wollten wir dieses Jahr auch noch 'Joko und Klaas auf dem Mars' machen, aber das haben wir jetzt abgesagt. Könnt ihr euch beim NDR bedanken."

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