Markus Brauck

ARD-Finanzforderungen Das Erste auf Egokurs

Geldgier oder Realitätsverlust? Trotz satter Mehreinnahmen durch die neue Haushaltsabgabe verlangt die ARD mehr Geld. So verspielt man sein Ansehen vollends.

Man kennt das ja. Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Man hat sich geschworen, diesmal wirklich sparsam zu bleiben, das Sparkonto nicht anzufassen und die Verwandten nicht zu fragen - aber es ist einfach so verflucht schön, Geld auszugeben. Und, husch, ist das Sparkonto leer, wird die Familie angebettelt.

Die ARD verhält sich gerade ähnlich. Da ihr Finanzbedarf - was für ein Wort! - in den nächsten Jahren angeblich wieder einmal steigt, will sie nicht nur die Konten mit mehreren Hundert Millionen Euro Rücklagen leer räumen, sondern zusätzlich auch noch den Beitrag, den jeder Haushalt entrichten muss, erhöhen.

Es ist eine Menge Geld, das die Anstalten zusätzlich ausgeben wollen: die komplette ARD-Reserve von 1,16 Milliarden Euro, die sich von 2013 bis 2016 aufstaut, plus 99 Millionen Euro mehr pro Jahr fordert der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor. Zusätzlich zu den jetzt schon knapp sechs Milliarden Euro, die Jahr für Jahr von Radio Bremen bis zum Bayerischen Rundfunk versendet werden.

Besondere Geldgier

Man hatte sich ja schon gedacht, dass ARD und ZDF gierig werden würden. Da haben sie bei der Rundfunkpolitik mühselig ein neues Finanzierungssystem durchgedrückt. Da haben sie endlich erreicht, dass die neue Haushaltsabgabe 1,6 Milliarden pro Beitragsperiode mehr einbringt als die alte Rundfunkgebühr - und dann landet das viele schöne Geld auf Sperrkonten, an die ARD und ZDF nicht herankönnen, weil ihnen Mehreinnahmen nicht zustehen.

Dass die Sender an dieses zusätzliche Geld unbedingt heranwollen, war absehbar. Dass sich die ARD nicht einmal damit zufrieden geben will, zeugt allerdings von besonderer Geldgier.

Die neue Haushaltsgebühr muss prinzipiell jeder zahlen, unabhängig davon, ob er die öffentlich-rechtlichen Sender nutzt oder überhaupt nutzen kann. Doch damit wächst nicht nur die finanzielle Basis, es wächst auch die Verantwortung, sorgsam mit dem Geld der Beitragszahler umzugehen. Das hat die ARD in ihrem Finanzbedarf-Egoismus offenbar nie begriffen. Sie versteht die Umstellung auf die Haushaltsbeitrag bloß als Einladung zur Selbstbedienung.

Privat ist finanzielle Disziplinlosigkeit ein Laster. Wenn es jedoch um öffentliches Geld geht, um einen Beitrag, dem sich prinzipiell kein Bürger entziehen kann, dann ist ein solches Verhalten nicht bloß instinktlos und peinlich. Es schadet dem Ansehen der ARD weit mehr als ihr jene 99 Millionen Euro pro Jahr nutzen könnten.

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Foto: Bernhard Riedmann/ DER SPIEGEL

Markus Brauck ist stellvertretender Ressortleiter im Wirtschaftsressort des SPIEGEL.