Auslands-Erfolg "Kommissar Dupin" Falscher Franzose

Öffentlich-rechtlicher Fernsehtourismus: Mit der Krimi-Reihe "Kommissar Dupin" erklärt die ARD französische Lebensart - und der europäische Nachbar ist begeistert von der Fremdbespiegelung. Warum nur?
Pasquale Aleardi als Kommissar Dupin

Pasquale Aleardi als Kommissar Dupin

Foto: NDR/ Wolfgang Ennenbach

Die Deutschen lieben das europäische Ausland. Solange dort deutsch gesprochen wird. Das Programm der ARD wird bevölkert von europäischen Polizisten, die von deutschsprachigen Schauspielern verkörpert werden. Schon seit vielen Jahren ermittelt Uwe Kockisch als "Commissario Brunetti" in Venedig, Clemens Schick ist als Kommissar Xavi Bonet im "Barcelona-Krimi" unterwegs, und Jürgen Tarrach verkörpert den Anwalt Eduardo Silva im "Lissabon-Krimi". Der öffentlich-rechtliche Städtetourismus boomt.

Auf dem Primetime-Sendeplatz am Donnerstag schießt ein deutsches Postkarten-TV-Revier nach dem anderen aus dem Boden, die Sehnsucht des hiesigen Publikums, von einem vertrauten deutschen Fernsehgesicht durch exotische Kulisse gelotst zu werden, ist offenbar unerschöpflich. Aber wie finden eigentlich die in Venedig, Barcelona oder Lissabon Heimgesuchten diese Art von Fernsehtourismus?

Schwierig zu sagen. Die kriminalistischen Sightseeing-Touren der ARD sind ja auf den deutschen Markt zugeschnitten, Reaktionen aus dem Rest der Welt sind naturgemäß selten. Umso bemerkenswerter, dass nun die deutsche Krimi-Reihe "Kommissar Dupin" mit überraschend großem Erfolg in Frankreich angelaufen ist.

Fremdkörper in Frankreichs maritimen Norden

Der für gehobenes Familienfernsehen bekannte Schauspieler Pasquale Aleardi ("Das Pubertier") spielt den Commissaire Georges Dupin, der aus Paris in die urige bretonische Hafenstadt Concarneau strafversetzt wurde. Der Ermittler hat eine Allergie gegen den Fisch und die Meeresfrüchte, die hier in nächster Umgebung in Mengen verspeist werden, und ist auch sonst ein Fremdkörper in Frankreichs maritimen Norden. 3,4 Millionen Franzosen schauten zu, als die erste Episode mit dem falschen Franzosen am Sonntag bei France 3 ausgestrahlt wurde, das bedeutete einen Marktanteil von 13,9 Prozent. Platz zwei im Tages-Ranking, nur das WM-Spiel Brasilien-Schweiz hatte mehr Zuschauer.

Möglicherweise fanden die Franzosen die Fremdbespiegelung durch die deutschen Fernsehmacher aufschlussreich: So sieht uns also der Nachbar, interessant. Auch die traditionell in Film- und Fernsehbelangen sehr kritische französische Presse zeigte sich aufgeschlossen für den niedrigschwelligen ethnografischen Ansatz der ARD: "Liberation" freute sich, dass durch "Kommissar Dupin" jetzt auch in Deutschland Rilettes, Gougères oder Makrele mit Senf bekannt sind. "Le Figaro" merkte positiv an, dass die Serie viele deutsche Touristen in die Bretagne bringen würde.

Läuft also mit dem deutsch-französischem Kulturaustausch. Interessant wird es, wenn "Kommissar Dupin" demnächst in den USA ausgestrahlt wird, was äußerst selten vorkommt bei Fernsehkrimis dieser Art. Dort läuft die Reihe beim Kabelsender MHZ - wie fast alle fremdsprachigen Serien in den USA untertitelt. Die Amerikaner schauen dann einem französischen Ermittler zu, der auf Deutsch seine Abneigung gegen französische Leckereien äußert.

In dem Fall darf man es dann wirklich nicht der oft beklagten kulturellen Ignoranz des US-Publikums zuschreiben, wenn man den bretonischen Muschelfischer für einen friesischen Krabbenfischer hält. Wer es positiv sehen will, darf "Kommissar Dupin" als eine Art pan-europäisches TV-Extrakt sehen. Darauf eine Makrele mit Senf.

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