»Kottan ermittelt« Regisseur Peter Patzak ist tot

Er drehte Filme für das österreichische Fernsehen, erregte Aufsehen mit dem Porträt eines Neonazis – vor allem aber war Peter Patzak der Mann hinter der legendären Krimiserie »Kottan ermittelt«.
Der Mann hinter »Kottan«: Peter Patzak

Der Mann hinter »Kottan«: Peter Patzak

Foto: Georg Hochmuth / picture alliance/dpa/APA

»Inspektor gibts kaan!« wurde zu einem der geflügelten Worte der Serie »Kottan ermittelt« – genervt im quengeligen Wiener Schmäh jenen entgegnet, die die ermittelnde Hauptfigur mal wieder mit dem falschen Titel ansprachen. Kottan hatte schließlich den Dienstrang eines Majors inne. Wie der Vater von Peter Patzak. Der Sohn ergriff einen anderen Beruf, wurde Filmregisseur und verantwortete alle 19 Folgen des Fernsehklassikers.

»Kottan ermittelt« war Patzaks Lebenswerk, die Serie lief von 1976 bis 1983 im österreichischen Fernsehen, 1981 und 2010 inszenierte Patzak auch zwei Kinofilme mit der Hauptfigur. Dabei ging es ihm immer mehr um Satire als Spannung, was anfangs durchaus für Irritationen sorgte: Nach der ersten Folge riefen 1976 Hunderte Zuschauer beim ORF an und beschwerten sich.

Patzak (r.) beim Dreh mit einem der drei »Kottan«-Darsteller, Lukas Resetarits

Patzak (r.) beim Dreh mit einem der drei »Kottan«-Darsteller, Lukas Resetarits

Foto: Votava / picture alliance / IMAGNO/Votava

Bei »Kottan« ging es eben gern surreal zu. Da konnte mehrfach ein in Weiß gekleideter Mann auftauchen, der in der Kanalisation lebte. Und eine Fernsehansagerin machte regelmäßig so merkwürdige Ankündigungen wie diese: »Auf vielfachen Wunsch der Zuschauer wiederholen wir nun eine zehnminütige Bildstörung.« Und Kottan selbst, der über die Jahre von drei verschiedenen Darstellern gespielt wurde, war ein nicht selten unsympathischer Grantler, der von Ausländern rein gar nichts hielt.

Das Formatfernsehen aufzubrechen, mit Genremustern zu spielen, das nahm Patzak früh dem heutigen »Golden Age of Television« voraus. Und mit Rassismus setzte sich der in einem Wiener Arbeiterbezirk aufgewachsene Regisseur, der Kunstgeschichte, Malerei und Psychologie studierte, weiter auseinander.

1979 etwa in »Kassbach«, einem international beachteten Neonaziporträt und erklärten Lieblingsfilm von Martin Scorsese. 1987 drehte Patzak seinen größten Erfolg in Deutschland, den in Hamburg spielenden und mit reichlich Film-Noir-Anspielungen versehenen Actionkrimi »Der Joker« mit Peter Maffay in der Hauptrolle.

Patzak inszenierte später auch im Theater und stellte als Maler aus. In Erinnerung blieb er vor allem in seiner Heimat mit seinem deftigen Humor. Über den österreichischen Nationalfeiertag sagte er: »In Österreich hieß der Staatsfeiertag nur deshalb ›Tag der Fahne‹, weil sich da immer alle ang'soffen ham.« Peter Patzak verstarb am 11. März nach einer Herzoperation in Wien. Er wurde 76 Jahre alt.

kae/dpa
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