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US-Serie "The Blacklist": Superschurke in der Telefonzelle

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Serien-Langweiler "The Blacklist" Hände hoch, Höschen runter

Sieht neu aus, fühlt sich aber an wie eine Wiederholung: Mit "The Blacklist" können RTL-Zuschauer ohne große Anstrengung dem Dschungelcamp entgegendämmern. Sehenswert sind allein die doofen Gesichter der glücklosen FBI-Ermittler.

Immer dasselbe. Ein nur mäßig packender Plot, schauspielerische Leistungen, die kaum überzeugen können, schon nach der ersten Minute stellt sich das taube Gefühl ein, das alles bereits zu kennen - und trotzdem schaltet man immer wieder ein. Innovation? Überraschungen? Vielleicht mal ein Bruch mit den Sehgewohnheiten? Bloß nicht, die Zuschauer könnten sonst aus ihrem werbeempfänglichen Dämmerzustand erwachen. Das will niemand. Unterdurchschnittliche Fernsehunterhaltung ist Reproduktion erfolgreicher Formate unter Vermeidung jeden Risikos - und kann damit durchaus erfolgreich sein, wie sich zurzeit wieder jeden Abend beim RTL-Dschungelcamp zeigt. Hat ja schon einmal funktioniert, wird wieder funktionieren.

In diesem Sinne hat RTL eine vollkommen richtige Entscheidung getroffen: All jenen, die am Dienstag nichts Sinnvolles zu tun haben, während sie auf das Sinnlose, also den aktuellen Dschungel-Aufguss warten, setzt der Privatsender vorher eine vermeintlich brandneue US-Serie vor. Tatsächlich ist "The Blacklist" jedoch eine von Anbeginn fade schmeckende Suppe, deren Zutaten längst jedes Aroma fehlt. Zu oft stand sie bereits auf dem Tisch.

Schnell jetzt! Das Sonstwas steht unmittelbar bevor

Der geheimnisvolle Ex-Militär Raymond "Red" Reddington (James Spader) taucht nach jahrelanger klandestin-krimineller Tätigkeit urplötzlich in der Eingangshalle des FBI-Hauptquartiers auf, um sich den Behörden als Zuarbeiter anzudienen. Er kennt jede Menge Verbrecher und Terrorpläne, von denen die Beamten noch keinerlei Ahnung haben. Seine Bedingung: Immunität. Außerdem will er ausschließlich mit der jungen Profilerin Elizabeth Keen (Megan Boone) sprechen, die just am Tag seines Auftauchens ihren ersten Arbeitstag antritt. Und jetzt aber schnell, denn der Anschlag/die Entführung/das Sonstwas steht unmittelbar bevor.

Auch die junge Ermittlerin, erfährt man bald, hat eine irgendwie schattige Vergangenheit: Früh wurde sie von ihren Eltern verlassen, an der Hand hat sie eine Narbe, ihre schlimme Kindheit versucht sie mit einer perfekten Beziehung zu ihrem fürsorglichen Gatten Tom (Ryan Eggold) und der anstehenden Adoption eines Kindes zu kompensieren.

Woher hat sie die Narbe? Warum will Reddington ausschließlich mit ihr zusammenarbeiten? Woher weiß er so viel über sie? Warum ist Elizabeth ständig ohne Hosen zu sehen? Ist ihr Ehemann Tom tatsächlich der harmlose Softie, der er zu sein scheint? Wird sie die Bombe/das entführte Kind/das Dingsbums rechtzeitig finden? Und warum interessiert einen das alles nicht die Bohne?

Der Superschurke in der Telefonzelle

Zumindest die letzte Frage lässt sich nach Betrachtung der ersten beiden Episoden, die RTL als Double-Feature zeigt, leicht beantworten. "The Blacklist" versucht sich dermaßen angestrengt in vielfacher Geheimnistuerei, dass befriedigende oder auch nur originelle Auflösungen schlicht nicht zu erwarten sind. Hat wahrscheinlich alles seinen hanebüchenen Grund, der gegen Ende der ersten Staffel irgendwie, aber doch nicht vollständig enthüllt wird. Die Neugierde darauf hält sich in engen Grenzen.

Warum also überhaupt "The Blacklist" einschalten? Möglicherweise, um sich persönlich davon zu überzeugen, wie alt James Spader geworden ist. Der war doch gerade noch der ewig jugendliche Mann aus "Sex, Lügen und Video" und "Secretary". Vielleicht auch, um einen Blick auf Megan Boone zu werfen, um sie, leider auch nur ein weiteres, austauschbares US-Serien-Gesicht, sofort wieder zu vergessen.

Oder schließlich, um sich ein wenig über die Serie lustig zu machen: Das FBI (selbstverständlich abgesehen von der smarten Elizabeth) wird hier als eine zum Herzerbarmen inkompetente Behörde dargestellt. Ihren Supergefangenen Reddington halten die Bundesdeppen in einer Art übergroßer Telefonzelle gefangen, die seltsamerweise immer dann geöffnet wird, wenn sich die Ermittlerin zum Verhör nähert, was ihre Schutzfunktion doch etwas einschränkt.

Reddington, dem man dem Ansehen nach nicht zutraut, schneller als Helmut Schmidt laufen zu können, entkommt seinen Bewachern bei jeder noch so lächerlichen Gelegenheit mit billigsten Tricks, was Elizabeths bedauernswertem Kollegen Donald (Diego Klattenhoff) regelmäßig einen sehenswert doofen Gesichtsausdruck abnötigt. Und warum heißt das alles überhaupt "The Blacklist"? Er habe da eine Liste mit Verbrechern, sagt Reddington in der ersten Folge, "nennen wir sie Blacklist, das klingt spannend". Ja ja, soll es wohl.

Nein, wer jemals "24" gesehen hat, weiß, wie Ermittlungen unter Zeitdruck so inszeniert werden können, dass einem beim Zuschauen nicht die Füße einschlafen. Wer "Das Schweigen der Lämmer" gesehen hat, kann einen wahrhaft bösen Manipulator von einem behäbigen Schurkenonkel unterscheiden. Und wer junge Frauen ohne Hosen sehen mag, findet sie im Internet. Oder später im Dschungelcamp.


"The Blacklist", Dienstag, 20.15 Uhr, RTL

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