Historische Familienserie ZDF setzt "Ku'damm"-Saga fort

In "Ku'damm 56" ging es um den Aufbruch in den Fünfzigern, in "Ku'damm 59" um Sexismus und Restauration. Nun soll eine dritte Staffel der Familiensaga im Jahr 1963 ansetzen.

Die vier Damen von der Tanzschule: "Ku'damm"-Darstellerinnen Sonja Gerhardt, Claudia Michelsen, Maria Ehrich und Emilia Schüle
Stefan Erhard/ ZDF

Die vier Damen von der Tanzschule: "Ku'damm"-Darstellerinnen Sonja Gerhardt, Claudia Michelsen, Maria Ehrich und Emilia Schüle


Vor gut drei Jahren ließ das ZDF mit "Ku'damm 56" ein opulentes Panorama der Nachkriegsära entstehen. Mutter und Tanzschulenbesitzerin Caterina Schöllack (Claudia Michelsen) sorgte sich um ihr Traditionshaus und die Zukunft ihrer heiratsfähigen Töchter. Das setzte sich in der zweiten Staffel fort, in der die drei Schwestern wieder gegen Sexismus und Unterdrückung kämpfen mussten.

Nun kündigen das ZDF und Ufa Fiction eine weitere Fortsetzung an. Arbeitstitel: "Ku'damm 63". Darin sind die drei Töchter inzwischen verheiratet, und Mutter Catarina und die drei jungen Frauen suchen nun ihren Platz in der Berliner Gesellschaft der frühen Sechzigerjahre, teilten ZDF und Ufa mit. Erneut seien Michelsen sowie Sonja Gerhardt, Emilia Schüle und Maria Ehrich in den Hauptrollen zu sehen. Auch Trystan Pütter, August Wittgenstein und Heino Ferch seien wieder dabei.

Autorin Annette Hess, die bereits die Drehbücher für die ersten beiden Teile schrieb, fungiert demnach als Kreativproduzentin. Marc Terjung ("Edel & Starck", "Danni Lowinksi") verantwortet das Drehbuch, Sabine Bernardi ("Club der roten Bänder") die Regie.

Die ersten beiden Staffeln mit drei jeweils 90-minütigen Folgen wurden zum Quotenhit. Durchschnittlich 5,59 Millionen Zuschauer verfolgten das Schicksal der Schöllack-Schwestern in der Nachkriegszeit. Das entspricht einem Marktanteil von mehr als 16 Prozent. Zudem wurden beide Dreiteiler in mehr als 30 Ländern ausgestrahlt.

brs



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espressotime 05.08.2019
1.
Tolle Serie, die zeigt, wie verklemmt und bieder die Deutschen waren und Frauen an zweiter Stelle standen. Bis Ende der 70er Jahre durfte eine Frau nur einen Job antreten, wenn der Ehemann einverstanden war.
scream queen 06.08.2019
2. Zum x-ten Mal: Gefühlte Wahrheit
"Bis Ende der 70er Jahre durfte eine Frau nur einen Job antreten, wenn der Ehemann einverstanden war." Das ist Unsinn und wird durch die tausendste Wiederholung nicht wahrer. Abs. 1(1) des seinerzeitigen §1358 lautete: "[... der Mann kann] kündigen, wenn er auf seinen Antrag von dem Vormundschaftsgerichte dazu ermächtigt worden ist." Die Kündigungsrecht des Manns war also ein Sonderfall und keineswegs Normalität. Der §1358 wurde 1949 nach der Verabschiedung des GG verfassungswidrig und damit sofort ungültig. Er wurde 1957 ersetzt durch §1356 BGB, wo es in Abs. 1(2) heißt: "Sie [die Frau] ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist." Unvereinbarkeit lag allenfalls dann vor, wenn kleine Kinder zu versorgen waren, sonst definitiv nicht. Die angeblich generell nötige Erlaubnis des Mannes ist und bleibt eine Legende. Im Übrigen: Nicht alles, was gesetzlich nicht explizit geregelt war, war auch gängige Praxis: So war es, anders als viele Jungfeminst*innen glauben, vor 1997 z. B. keineswegs an der Tagesordnung, dass deutsche Männer ihre Frauen vergewaltigten. Und die Vergewaltigung in der Ehe war auch nicht straffrei, sondern fiel unter den Nötigungsparagrafen.
Jack-in-the-box 06.08.2019
3. Ein Knaller
war schon der Clip auf der Facebook-Seite von UFA Fiction, in der die Fortsetzung der Ku'damm-Saga verkündet wird. Eine freudige Nachricht witzig verpackt in Form eines Antrags. Dieser ist hiermit angenommen. Sind ZuschauerInnen des klassischen Fernsehens nicht nur in Zeiten von Fußball und Sommerloch doch allzu oft gebeutelt und bedürfen qualitativ hochwertiger Alternativen. Die Geschichte der Familie Schöllack mit den spannenden Entwicklungen der verschiedenen Charaktere ist ein Stück Zeitgeschichte. Was sie umso wertvoller macht, ist die krasse Wahrhaftigkeit, die ungeschönt in gegensätzlich überschäumender Kulisse spielt. Dramaturgisch geschickt werden vor Tabus im Range damals strafrechtlicher Bewandtnis wie Homosexualität bis hin zu nackten Tatsachen als prickelnder Zuverdienst nicht haltmacht. Mit der dritten Staffel wird sich nun in eine Zeit bewegt, in die ich Anfang der sechziger Jahre hineingeboren wurde. Damit bietet sie mir eine erweiterte Sichtweise, die auf Interesse stößt. Wenngleich mit jungen Eltern und viel Freiheiten in liberalem Elternhaus aufgewachsen, so glaube ich doch, dass sich Vergleichsmöglichkeiten eröffnen. Denn Gegenwart hat Vergangenheit inne.
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