Talkshow auf ZDFneo "Du bist gar nicht so billig, wie du aussiehst"

Ganz okay, aber nicht aufregend anders: Laura Karaseks neues Talkformat "Zart am Limit" blieb trotz einiger harter Worte brav in den Genregrenzen.

Steffen Matthes/ ZDF

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Die Begrüßung ist halb lapidar, halb kokett: "Ich bin das Sommerloch von ZDFneo", stellt sich Laura Karasek zu Beginn der ersten Folge von "Zart am Limit" vor, dem neuen Talkformat, das in den nächsten Wochen auf dem ZDFneo-Sendeplatz von Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale" laufen wird.

Um "Klischees und Schubladendenken" sollte es bei der Premiere gehen, ein Thema, das alleine schon hochplausibel scheint, wenn man sich diverse Vorberichte zu "Zart am Limit" ansah, in denen die Anwältin und Autorin onkelig auf ihr Äußeres reduziert und mit geflissentlichen Verweisen auf ihren berühmten Vater zumindest unterschwellig als Beziehungsprofiteurin etikettiert wurde. Oder, wie Karasek es selbst knapp zusammenfasst: "Mir wird oft gesagt: Du bist gar nicht so billig, wie du aussiehst."

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"Zart am Limit": Über Normen und Prominentsein

Auch ihre Gäste - Comedienne Tahnee Schaffarczyk, Schauspieler Dennis Moschitto und Rapper MC Bogy - scheinen gut gewählt, um mit ihnen in der Kulisse einer echten Bar über verfrostete Ideen von "Rabenmüttern, Hipstern, Ökofritteln" zu sprechen - und immerhin für ein paar Talkminuten gelingt das auch, bevor die Gespräche, fast wie im außertalkshowlichen Normalleben, dann aber doch einfach irgendwohin wegtrudeln.

Mit welchen Klischees sie zu kämpfen hatte, als sie sich als lesbisch outete, will Karasek von Tahnee Schaffarczyk wissen. Die erzählt, dass ihre Mutter ihr schon vor dem Coming-out die Augenbrauen am liebsten ahnungsvoll in hetero-normativ schablonierte Normform gezupft habe und unmittelbar danach eher weniger gut damit klargekommen sei: "Bei uns läuft nix normal", habe sie geklagt, "ich fahr mich jetzt gegen Baum". Sie habe beim Wort "Lesbe" sofort rein äußerliche Klischeebilder im Kopf gehabt, die ihr nicht gefielen, so Schaffarczyk.

Nun wäre eine Talkshow über Klischees eine feine Gelegenheit, ebendiese zu sezieren und zu zerlegen, doch Karasek scheint das Überthema ihrer Sendung da bereits im Gesprächseifer abhanden gekommen zu sein. Stattdessen geht es rasch um den weiblichen Zwang zur Selbstoptimierung und kurz noch um Sylvie Meis, damit Schaffarczyk ihr wirklich sehr naturgetreues Meis-Kunstgluckse-Lachen vorführen kann, und dann ist schon der nächste dran.

Von der Schauspielerei als Lebenstraum

Auch Straßenrapper MC Bogy gäbe es dank Gesichtstattoo, Knastvergangenheit und für Genrefremde in ihrer Drastik ja oft schwer dekodierbaren Raptexten reichlich Anknüpfungspunkte an das Klischeethema, tatsächlich beschränken sich seine Aussagen leider auf eine gemischte Tüte vernuschelter Provo-Fingerübungen wie: "CBD rauchen ist wie seine Schwester lecken, schmeckt richtig, ist aber falsch", "Sido habe ich den Arschfick erklärt, aber nicht das Rappen" und "Schwarzer Afghane ist was Feines, aber #Lungentritt ist das Beste."

Mit Dennis Moschitto spricht Karasek dann über die Last des Prominentseins, Starallüren von Kollegen und die Schauspielerei als Lebenstraum - leider nichts Überraschendes, was man so nicht auch in einer beliebigen anderen Talkshow besprechen könnte. Kurz interessant wird "Zart am Limit" erst gegen Ende, wenn die drei Gäste tatsächlich kurz miteinander ins Gespräch kommen, aber dann ist die Sendung auch schon wieder vorbei.

Fad war all das nicht, aber auch noch keine wirklich neue Talkfarbe. Laura Karasek schwankte als Gesprächslenkerin gelegentlich noch zwischen poltrigem Dazwischenreden und interessierter Nachfrage, wirkte aber insgesamt angenehm unschwadronös - es könnte sich lohnen, nach ein paar Folgen noch einmal reinzuschauen, wenn sie das Limit der Sendung tatsächlich ausgetestet hat.



insgesamt 4 Beiträge
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Hexavalentes Chrom 05.07.2019
1. Kinder sind doch ein Segen
Es ist eine große Freude, dass das sterbende Medium TV zumindest in seinen Nischen dynastische Prinzipien inauguriert. Wir können es Vitamin B nennen oder auch Nepotismus. Aber eigentlich ist es royal. Ich wünschte mir so sehr, dass auch die Kinder von Wolfgang Lippert beispielsweise reüssieren könnten. Oder jene von Beckenbauer. Ich mein, bei der Thomalla hat es doch auch geklappt. Kinder sind doch ein Segen.
murksdoc 05.07.2019
2. Ich will auch da hin!
Mein Großvater (Achtung: No Joke!) hieß Karl Marx und seine Ehefrau Anna war eine geborene Jelinek, wenn Ihnen das etwas sagt, da könnte ich mit einer Literaturkritikerstochter eigentlich mithalten (Frage: Was kritisiert der Papa Karasek? "Feuchtgebiete" und "Untenrum frei" darf man nicht kritisieren und die ganze zeitgenössische Resterampe der Belletristik ist heutzutage schon von selber schei..se), Obszönitäten kann ich auch (ich kuck' regelmäßig Kinskis Ausraster auf YouTube) und ein Tatoo wie dieser MacHipp habe ich auf dem Hintern (welcher schöner ist, als dem MacPopp sein Gesicht). Wo kann ich mich also bewerben und wie kriege ich die Asche an der Steuer vorbei?
dasfred 05.07.2019
3. Habe die erste Hälfte noch durchgehalten
Also meinetwegen darf sie gerne weiter das Sommerloch stopfen, aber ohne mich. Da gab es nichts, was mich interessiert oder zumindest unterhalten hätte. Ich werde mit den nächsten Gästen vielleicht noch mal reinsehen, aber ich muss nicht zum x-ten Mal von einer Comedienne die Story von der Mutter und der Drohung vor den Baum zu fahren, hören, mit der sie seit einem Jahr durch die Spartenprogramme tingelt.
Deify 05.07.2019
4. Etwa 10 Sekunden...
beim Zappen, habe ich das "genossen"... dachte zuerst, dort säße Veronica Ferres, dann erkannte ich Tahnee, diese hochinteressante Dame, hörte die spannenden, ungewöhnlichen Wortmeldungen, sah das Gebaren der Leute...... aber gut, ich bin nicht das Zielpublikum, da darf man dann auch weiterschalten.
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