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"Lego Master": Um die Wette klotzen

Foto: MG RTL D/ Frank W. Hempel

"Lego Master" bei RTL Abschlaffen in der Steinzeit

Die Steinchenspielshow "Lego Masters" ist angenehm unspektakuläres Puschel-Fernsehen - in der am Ende wieder nur Männer bauen.

In einer weniger anstrengenden Welt gäbe es ihn längst: "Reizarm TV", den Sender, bei dem garantiert niemals aufgeregte Pumpmännchen über Hindernisparcours springen oder vor einer Jury ihre beste Brüllaffen-Imitation zum Besten geben. Auf dem stattdessen rund um die Uhr bestes Beruhigungsfernsehen liefe, Nervenbalsam-Sendungen, in denen man Menschen beim Linsen verlesen, Laub rechen oder Wandfarbe trocknen lassen zusehen könnte. Oder dabei, wie sie Quatschdinge aus kleinen Steinchen bauen. Freundlich sedierend, passend zum Sonntagabend. Wie bei "Lego Masters", dem neuen, aus Großbritannien adaptierten Format auf RTL. Wobei die Sendung ein bisschen aufpassen muss, dass sie nicht doch ein bisschen zu aufregend wird.

Vier Zweier-Teams bauen bei "Lego Masters" um die Wette, und sie sind zumindest konstellationsmäßig ein bisschen divers: Zwei erwachsene Männer, zwei erwachsene Frauen, ein Vater und sein minderjähriger Sohn sowie zwei Brüderkinder müssen zwei vorgegebene Bauprojekte bewältigen. Und zuerst innerhalb von drei Stunden eine Brücke über eine vielleicht 80 Zentimeter breite Steinchenschlucht schlagen. Nicht nur die beste Statik, sondern auch das lebhafteste Storytelling soll dann entscheiden, wer in die nächste Runde vorrückt: Warum möchte ihr Figürchen - je nach Team ein Roboter, Einhorn, Gartenzwerg oder ein Dino - überhaupt so dringlich über die Schlucht gelangen?

Mit wombeliger Freude zieht Moderator Oliver Geissen von Team zu Team und fragt ab: Der Zwerg will in den Urlaub fahren, der Roboter einen Teller Roboternudeln verspeisen, der auf der anderen Seite wartet, weil er nach einem fehlerhaften Update leider nichts anderes mehr verträgt. Es ist alles sehr plausibel und puschelig.

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Leider bricht das Drama dann auch in diese Puschi-Welt ein: "Sabrina! Sabriiiinaaa!", entfährt es Stefanie (26) entsetzt, als ihre Freundin (27) beim Endspurt versehentlich die Konstruktion durchlöchert. Prompt scheiden sie aus, die Jury, bestehend aus Designprofessor Paolo Tumminelli und Lego-Designerin Juliane Aufdembrinke, ist angenehm streng, es kann kein Pardon geben. Tränen fließen, auch zu Hause guckt man traurig auf das klischeemäßig rein männlich besetzte Baufinale, bei dem in satten acht Baustunden ein Miniatur-Vergnügungspark gezimmert werden soll.

Simon und Samuel, das Kinderteam, baut einen Dinopark, was eine gute Entscheidung ist, weil es ja nie alt wird, Kindern staunend und verfallsmelancholisch dabei zuzuhören, wie sie multisilbige Sauriernamen runterrattern, während man selbst sich nicht mal mehr den Namen des bevorzugten Migränemedikaments merken kann.

Wie man sich bei fast jeder Kochsendung als Zuschauer, der sich mehr für die gezeigten Vorgänge interessiert als produktionsseits vorgesehen, ja öfters mal längere Strecken wünscht, in denen die Kandidaten tatsächlich kochen, wären jetzt ausgiebigere Bausequenzen schön, um beim Zuschauen vollends runterzufahren. Andererseits hört man natürlich auch gerne Mittdreißigermännern dabei zu, wie sie von ihrem Steinchenbauhobby berichten, "meine Frau findet es gut, akzeptiert es auch", die Kollegen haben Verständnis, daheim hat er einen Legokeller, und Mama schenkt zu Weihnachten Ergänzungssets, es ist das schönste Leben.

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"Lego Master": Um die Wette klotzen

Foto: MG RTL D/ Frank W. Hempel

Die beiden Männer bauen einen Flughafen-Freizeitpark, was praktisch ist, weil man dann einen BER-Fertigsstellungswitz anbringen kann, es gibt sogar einen kleinen Taschendieb, einen verletzen Mini-Bauarbeiter und ein motorgetriebenes Riesenrad, bei dem die Fahrgäste in kleinen Flugzeugen sitzen. Die Jury guckt wieder streng: "Die Fläche der Fahrgeschäfte ist im Verhältnis zu den erzählten Geschichten nicht ausgewogen." Die Ernsthaftigkeit ist aufrichtig rührend.

Am Ende siegt das Jungs-Team mit dem Dino-Park, weil der nicht nur vier Fahrgeschäfte, sondern auch viel schmückenden Fantasiekram (und eine wunderschöne wütende Frau, die sich in der elend langen Ansteh-Schlange echauffiert) zeigt. "Lego Masters" (müsste das eigentlich nicht, Achtung, Spielverderber, als Dauerwerbesendung gekennzeichnet sein?) könnte ein adäquates Schongang-Programm für den Sonntagabend werden. Es müsste nur deutlich länger sein als eine Stunde. Und dann auch bitte etwas langweiliger.

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