US-Start der letzten Staffel "Mad Men" Macho beim Blümchensex

Es wird wieder geraucht und gesoffen: In den USA ist die siebte und letzte Staffel von "Mad Men" gestartet. Und zwar mit einem ungewohnt kuschelbedürftigen Don Draper. Achtung, Spoiler!

AMC

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Sehr geehrte Leserinnen und Leser, haben Sie die erste Folge der 7. Staffel von "Mad Men" noch nicht gesehen? Wollen Sie sich die Vorfreude nicht verderben? Dann sollten Sie hier möglichweise nicht weiterlesen.

Der Jäger ist müde. Seine New Yorker Werbeagentur hat Don Draper in die Zwangspause geschickt - ihn, den erfolgsverwöhnten Karrieretypen. Seine Ehefrau Megan ist für die Schauspielkarriere an die Westküste gezogen - sie, die doch bloß sein hübsches Anhängsel sein sollte. Nein, es ist keine gute Zeit für Draper. Als Megan ihn vom Flughafen abholt, hält er ihr die Beifahrertür des Wagens auf. Und was macht sie? Lässt ihren Gatten stehen und setzt sich selbst hinters Steuer.

Draper, der Beifahrer. So weit ist es gekommen.

Und es geht noch weiter: In der ersten Nacht seines Besuchs ist sie zu betrunken für Sex, er legt ihr stattdessen eine Wolldecke über. In der zweiten Nacht legt sie sich eher widerwillig zu ihm ins Bett, putzt vorher noch ihre Zähne, macht das Licht aus, es gibt, unvorstellbar, Blümchensex. Auf seinem Rückflug sitzt Draper dann neben einer schönen Brünetten (gespielt von Gaststar Neve Campbell), die seiner letzten Affäre zum Verwechseln ähnlich sieht. Man plaudert, man trinkt, man kuschelt - bis sie ihm ein eindeutiges Angebot macht. Draper lehnt ab. Noch einmal: Draper. Lehnt. Ab.

Es ist die siebte und letzte Staffel der Sechziger-Jahre-Serie "Mad Men", die am Sonntagabend in den USA Premiere feierte. Und nach der ersten Episode bleibt vor allem eine Frage: Ist das noch Don Draper? Der selbstbewusste, arrogante Draufgänger, der es zuletzt regelmäßig seiner verheirateten Nachbarin im Haushaltszimmer besorgt hat. Der sich im Hotel von seiner Ex-Frau verführen ließ, obwohl beide längst wieder anderweitig verheiratet sind. Der beim Anblick einer schönen Frau das Bett immer schon mitdenkt.

Die Realität hat die Fassade zum Einsturz gebracht

Es ist eine großartige Ausgangslage für die kommende Staffel. Ganz zu Beginn der Serie hatte Draper alles: Erfolg in der Firma, die wunderhübsche Frau, die braven Kinder, das große Haus, kurz: die perfekte Fassade. Jetzt, sechs Staffeln später, bleibt ihm nichts davon. Die Realität hat die Fassade zum Einsturz gebracht. Nur: Was ist Draper ohne sie?

Es wird spannend, was Serienschöpfer Matthew Weiner mit seinem Hauptdarsteller in den verbleibenden 13 Folgen vorhat. Genug offene Baustellen gibt es, da sind ja auch noch die Kindheit im Bordell, der Diebstahl einer Identität, die zerrüttete Beziehung zu den Kindern.

Sechs Episoden werden noch in diesem Jahr ausgestrahlt, der Rest im Frühjahr 2015. Die Zweiteilung der finalen Staffel hat quotentechnisch schon bei "Breaking Bad" funktioniert. Das will der US-Sender AMC bei "Mad Men" wiederholen. "Das war nicht meine Idee", sagte Weiner im Gespräch mit "The Daily Beast". Aber er habe auch nicht dagegen gekämpft. "Nach insgesamt 92 Episoden der Show ist alles aufregend, was Abwechslung bringt und mich herausfordert", sagte Weiner. In der siebten Staffel wird sich demnach alles um "die Konsequenzen von Dons Handeln" drehen.

Spannend wird aber nicht nur die Entwicklung von Draper. Im Finale von Staffel sechs nahm sein Protegé Peggy Olson im wahrsten Sinne des Wortes seinen Platz in der Werbeagentur ein. Und jetzt? Jetzt arbeitet sie für einen Mann, der ihre Arbeit und ihre Kompetenz nicht ernst nimmt. Etwas Schlimmeres gibt es für Olson nicht.

Na ja, vielleicht noch die Sache mit ihrem anderen Chef: Der hatte sie nach einer gemeinsamen Nacht und Liebesbekundungen abserviert, um seine Familie nicht zu zerstören. Er zerstörte lieber Olsons Zukunftstraum. Dumm nur, dass sie immer noch in derselben Firma arbeiten und sich zwangsläufig über den Weg laufen. Frust im Job, Frust im Privatleben - als Olson nach Hause kommt, allein ist, die Tür mehrfach gesichert hat, erlaubt sie sich den Zusammenbruch. Sie kniet auf dem Boden und weint.

Auch Draper hat seinen Zusammenbruch in dieser ersten Folge. Nur leiser. Die blöde Balkontür klemmt, es ist Januar in New York, mitten in der Nacht, bitterkalt. Was also macht Draper? Geht in Schlafsachen auf seine Terrasse. Er setzt sich. Friert. Ist müde. Leidet.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
teneny 14.04.2014
1. Draper. Lehnt. Ab.
Das ist keine große Sensation. Wer die bisherigen Staffeln aufmerksam verfolgt hat, weiß dass Don Draper bei Weitem nicht wahllos alle Gelegenheiten zum Flachlegen von Damen nutzt, sondern durchaus wählerisch ist und daher auch schon früher die eine oder andere Dame "abgelehnt hat.
griaseich 14.04.2014
2. traurig aber wahr
...es ist der Alkohol der im über 6 Staffeln so zugesetzt hat....
DerWeisseWal 14.04.2014
3. Beute
Zitat von tenenyDas ist keine große Sensation. Wer die bisherigen Staffeln aufmerksam verfolgt hat, weiß dass Don Draper bei Weitem nicht wahllos alle Gelegenheiten zum Flachlegen von Damen nutzt, sondern durchaus wählerisch ist und daher auch schon früher die eine oder andere Dame "abgelehnt hat.
Ich hatte bisher den Eindruck, dass er nur dann abgelehnt hat, wenn er gerade von einem heiligen Moment der Treue beseelt war. Mit den Verlockungen der jeweiligen Dame hatte das nie etwas zu tun, aber das kann ja jeder deuten wie er mag. dww
Erniebernie 15.04.2014
4.
Griaseich hat recht, es ist der Alkohol der Don immer mehr zusetzt. Fand die erste Folge ehrlich gesagt mal wieder genial umgesetzt. Man merkt das es immer weiter bergab geht, auch der modische Wandel in den Agenturen, die Leute tragen kaum noch Anzüge außer die alte Garde.
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