Maischberger-Talk Rabatt auf Dummheit

"Feindbild Islam: Wird der Hass geschürt?", fragte Sandra Maischberger ihre Talkgäste. Ein radikaler Prediger und ein ebenso radikaler Kritiker des Islam lieferten sich heftige Wortgefechte über Liebe, Glauben und die Weltherrschaft.

ARD

Von


Über eine Stunde lang war der syrische Imam Hassan Dabbagh von der Al-Rahman-Moschee in Leipzig in der Defensive, und er schlug sich schlecht.

Was vielleicht damit zu tun hatte, dass der Salafist neben Hamed Abdel-Samad sitzen musste, den ägyptische Kollegen von Dabbagh für seine Gedanken zum Tode verurteilt haben. Oder damit, dass er vor jeder harten Frage in Metaphern von orientalischer Blumigkeit auswich und ihm überdies ständig das Tüchlein übers Gesicht rutschte, so dass man ihn nicht nur schlecht verstehen, sondern auch schlecht sehen konnte.

Nur einmal wirkte er sehr zufrieden, fast vergnügt. Zu diesem Zeitpunkt war die Sendung mit dem doppeldeutigen Titel "Feindbild Islam: Wird der Hass geschürt?" schon denkbar weit von ihrem Thema abgekommen.

Nicht verhandelt wurde die Frage, wer hier aus welchen Gründen den Hass gegen den Islam schüren könnte. Sondern ob der Hass ein integraler Bestandteil dieser jüngsten der abrahamitischen Religionen sein könnte.

Und das lag an Hamed Abdel-Samad, dessen steile Thesen an diesem Abend im Zentrum der Debatte standen - ob es nun um den angeblichen "Islam-Rabatt" für muslimische Straftäter, deutsche Jugendliche im syrischen Bürgerkrieg oder die Islamkonferenz ging.

Empörung über "Islam-Rabatt"

In seinem Buch "Der islamische Faschismus" zieht der Ägypter, gestützt auf die Theorien Ernst Noltes, Parallelen zwischen faschistischen und islamistischen Bewegungen. Beide würden Ideologie und Gewalt verherrlichen, die Welt in Gut und Böse teilen, von der eigenen Überlegenheit ausgehen und die eigenen Mitglieder "mit Hass vergiften".

Beide Ideologien würden charismatische Führerfiguren kennen, beider Absicht sei das Einschüchtern von Gesellschaften mit dem Ziel der Weltherrschaft: "Man kämpft nicht um zu leben, man lebt um zu kämpfen", sagte Abdel-Samad, und, kategorisch: "Islam und Demokratie sind nicht vereinbar", weil im Islam selbst mit seinem Gott, dem man keine Fragen stellen dürfe, der Weg zum Totalitarismus vorgezeichnet sei.

Moderaten Applaus erntete er dafür nur vom CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach, der sich in den vergangenen Tagen mit populistischem Instinkt über den Quatsch mit dem "Islam-Rabatt" empört hatte und auch in dieser Sendung wieder auf dem Primat des Staates und der Politik beharrte. Kann man machen. Sinnvoller war da schon die Position des Grünen Omid Nouripour, der erklärte: "Die Debatte um Islam-Rabatt geht mir auf den Keks", auch wenn er von den juristischen Erwägungen keine Ahnung habe.

"Ich würde dafür sterben, dass Sie das sagen dürfen"

Auch Nouripour verwies auf den funktionierenden Rechtsstaat. Zwar fühle er sich als Muslim durch Hamed Abdel-Samad "verletzt", führte aber zur Güte den erzgenerösen Voltaire ins Feld: "Ich bin nicht Ihrer Meinung, aber ich würde dafür sterben, dass Sie das sagen dürfen."

Womit wir wieder beim Tod wären, den andere diskriminierte Minderheiten in Deutschland wie "Asiaten oder Afrikaner" (Abdel-Samad) nicht ganz so begeistert zu erdulden oder zu bringen bereit sind wie radikalisierte Muslime.

Die Autorin, Religionslehrerin und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor hat sich als liberale Muslimin profiliert und sagte: "Klar kennt der Islam die Gewalt", doch kanalisiere er sie "wie keine andere Religion, da gibt es nämlich Vorschriften, wann man Leute umbringen darf", das könne nicht einfach "wahllos" geschehen.

Im Übrigen würden bei "Ehrenmorden" bisweilen die Täter sogar noch härter bestraft werden, es existiere sozusagen ein erhöhter Straftarif für religiös oder kulturell motivierte Gewalt. Fünf ihrer Schüler sind nach Syrien in den Dschihad gezogen. Nouripours Vorschlag, mit "deutschem Islamunterricht" den charismatischen Bauernfängern in den Moscheen das Ideal der Bildung entgegenzusetzen, sah sie eher skeptisch: "Was soll ich denn mit zwei Stunden in der Woche ausrichten?"

Von den Gesetzen der Logik entkoppelt

Während also Bosbach und Nouripour als Vertreter der Vernunft damit beschäftigt waren, einander erfrischend aufgeklärt als "Andersgläubige" zu respektieren, entkoppelte sich das Gespräch auf der anderen Seite völlig von den Gesetzen der Logik.

Woran wiederum Hassan Dabbagh nicht ganz unbeteiligt war. Wer den Islam beschimpfe oder den Koran kritisiere, wer sich also "vom Himmel abgeschieden hat", müsse doch damit rechnen, "dass Leute in Ägypten so etwas sagen". Abdel-Samad warf er gleich drei Mal vor, er reite "auf einer Welle", um "etwas zu erreichen", was der sich mit einem Ausdruck unendlicher Müdigkeit anhörte. Er selbst würde gerne "aufklären", predige die "Liebe zu Gott", wolle "Bereicherung nach Deutschland" bringen. Und überhaupt, die mordenden Christen in Ägypten, die israelische Armee!

Als Sandra Maischberger konkret wissen wollte, ob er den Koran über das Grundgesetz stellt, winkte er ab: "Kommen Sie mir nicht mit diesen Fangfragen!" Man solle sich doch mal beim Papst erkundigen, ob er Gott über den Menschen stelle! Zur Strafe folgt ein Einspieler mit dem Verfassungsschutz, der Dabbagh als "salafistischen Führer" einstuft. Der kann damit leben: "Ich bin der böse Salafist und alle anderen sind die Liberalen."

Den eigenen Islam "ergooglen"

Nur die Nahost-Expertin und Journalistin Antonia Rados blieb sowohl zu Abdel-Samad wie auch zu dem Imam auf Äquidistanz.

Sie bedauerte, dass es kein islamisches Zentralkomitee gebe und auch, dass vor allem völlig ungebildete Verlierer sich ihren eigenen Islam "ergooglen" würden. Als Faschisten aber könne man "im Nahen Osten fast jeden bezeichnen", sie sehe aber derzeit "kein muslimisches Heer auf Europa zumarschieren".

Für den Trend zum Dschihad machte sie ganz aufgeräumt auch andere Gründe geltend, etwa die simple "Faszination für den Krieg" gerade für ungebildete Verlierer. Dabbagh und anderen "Leuten wie ihnen" wiederum bescheinigte sie, im kleinen Kreis ganz andere Reden zu schwingen als in der Öffentlichkeit, wo man sich stets gemäßigt gebe. Auch dies ein Vorurteil, natürlich, das Rados aber auf Grundlage ihrer langjährigen Erfahrungen als Urteil präsentierte.

Als endlich Rados den Muslimen prophezeite, sie würden ohnehin "in Europa immer in der Minderheit bleiben", da wackelte Dabbagh amüsiert mit dem Kopf: "Nein, das glaube ich nicht." Auf harte Nachfrage erwiderte er: "Wer weiß, was morgen ist?"

Demografie, ick hör dir trapsen? Es könnte auch der berühmte islamische Humor gewesen sein.



insgesamt 86 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
diegorivera 09.04.2014
1.
Sicher ist es so, aber das ist bei fast jeder Religion so, da sie nach innen totalitär sind und keinen Gott neben sich dulden. Schlimm wird es wenn Dogmen der Religion sich in den Staat einmischen und in das Privatleben. Und beides ist im Islam eng verwoben. Dazu kommt noch dass der Hass auf den Westen existiert, wo "Ungläubige" besser leben als sie selbst. Das sehen die doch tagtäglich im TV, vor allem amerikanische Schinken die den american way of life zelebrieren. Meistens geht da keiner arbeiten (in den Soap Operas) und haben trotzdem Geld ohne Ende. Dieses Zerrbild der Wirklichkeit wird mit der eigenen Wirklichkeit verglichen.
88722786 09.04.2014
2.
Es ist traurig, auf wievielen Ebenen versucht wird, das Feindbild Islam aufrecht zu erhalten. Wieso muss man denn immer die radikalsten als Ansprechpartner in seine Sendung einladen? Dass Khola Hübsch vor einiger Zeit von der Maischberger-Redaktion auf Wunsch von Pierre Vogel (!!) ausgeladen wurde, spricht für sich. Mit einer um Ausgleich und Verständnis bemühten Ansprechpartnerin auf Seiten der Muslime kommt man nun mal nicht ins Gespräch. Sehr schade.
thelma&louise 09.04.2014
3.
Jede Menge. Mehr anstünden Philosophie Unterricht hatte ich in den drei Jahren der Oberstufe auch nicht, und es hat mich bis heute , dreißig Jahre danach geprägt. Ich glaube aber nicht, dass der Philosophie Lehrer das weiß. Vielleicht sollten wir öfter mal nach Jahrzehnten unseren Lehrern ein Feedback geben.
frankfurtbeat 09.04.2014
4. viel braucht es nicht ...
viel braucht es nicht ... egal welche religion auch immer ... es zielt lediglich darauf ab leute für die ziele der religion zu rekrutieren ... solange das auf menschlicher basis abläuft, d.h. kein druck, keine reprassilien, soll doch jeder machen was er will und welchem gott auch immer anbeten und diesen als den einzigen wahren gott des planeten zu preisen ... sicher richtig das religionen in entwicklungsländern enormes potential haben da es dort meist sehr viele ungebildete menschen gibt welche eeinen halt in der religion suchen ... kaum lesen, schreiben können doch der rest geht dann schon noch ... wenn religion zur politischen waffe wird, kriege initiert, dann handelt es sich nicht mehr um religion ...
hevopi 09.04.2014
5. Der Glaube
kann doch nur eine Zielsetzung haben: Den Menschen auf der Erde Kraft zu geben. Es ist doch völlig gleichgültig, welcher Glaube dafür herhalten muss, nur bei Intoleranz bis hin zum Morden, oft ausgeführt von völlig ungebildeten Menschen, die dafür auch noch ins Paradies mit vielen Jungfrauen kommen, hört der Spaß auf. Der Islam hat sich m.E. selbst disqualifiziert, nicht die normalen Gläubigen, die auch durch den Glauben noch sozialisiert werden, sondern die Hasser der sogenannten Kuffar (Ungläubigen), intolerant, oft strohdumm, brutal und menschenverachtend. Ich werde nie verstehen, dass diese Hassprediger in Europa Fuß fassen können und dann noch Mitglieder für diese Glaubensform sammeln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.