Syrien-Talk bei Maischberger "Haben Sie schon Ihre kugelsichere Weste gekauft?"

"Ziehen wir mit Putin in den Krieg?", fragte Sandra Maischberger - und ihre Gäste hatten ganz unterschiedliche Antworten parat. Logisch, dass es zu Konflikten im TV-Studio kam. Die Sendung im Schnellcheck.
Maischberger mit Diskussionspartnern: Realpolitik und Moral

Maischberger mit Diskussionspartnern: Realpolitik und Moral

Foto: WDR/ Max Kohr

"Russisches Roulette" - so betitelte Sandra Maischberger ihre Sendung und natürlich ging es wieder mal um den polarisierenden Mann im Kreml und speziell das, was ihn derzeit tatsächlich oder auch nur vermutlich umtreibt bei seinen Ambitionen in Syrien. Und so diskutierten die geladenen Gäste zur Frage: "Ziehen wir mit Putin in den Krieg?"

Doch letztlich ging es um weit mehr, nämlich um Krieg und Frieden, Geostrategie und Zeitgeschichte, Realpolitik und Moral. Der Schnellcheck.

Konfliktstoff: Entsprechend dem Gewicht der Fragen und der Zusammensetzung der Gästerunde war vor allem eines garantiert: dass es immer wieder ziemlich heftig wurde. Frieden schaffen mit Waffen, gemeinsam mit dem Ukraine-Krieger Putin und vorübergehend sogar mit dem Tyrannen Assad - geht das?

Im Studio kam es zur Kollisionen zwischen klarem, pragmatischem Ja und striktem, moralbasiertem Nein. Irgendwann war es so weit, dass selbst Fritz Pleitgen, der Älteste und Abgeklärteste - und letztlich Optimistischste - in dem sehr gemischten Sextett sich zu der Ankündigung veranlasst sah: "Ich möchte mich ganz friedlich äußern." Zuvor hatte er seinem ärgsten Widersacher erkennbar genervt vorgehalten, er habe "ziemlich absurde Sachen gesagt".

Die Kombattanten: Noch deutlich vehementer als der Moskau- und USA-erfahrene Pleitgen plädierte "Stern"-Journalist Hans-Ulrich Jörges für eine west-östliche Allianz zwecks Niederwerfung des "Islamischen Staats" (IS) und Friedensstiftung in Syrien. Dass man an Russland nicht vorbeikomme, fand auch Historiker Michael Wolffsohn, der zugleich dem Westen und insbesondere US-Präsident Barack Obama bisheriges Komplettversagen vorwarf.

Bis hierhin mochte auch Kriegsreporterin Antonia Rados folgen, die noch kurz hundert Jahre problematische Nahost-Geschichte rekapitulierte, um sich sodann aber gegen jegliche Großmacht-Einmischung in der Region auszusprechen. Samir Matar, syrischstämmiger oppositioneller Journalist, grauste es bei der Vorstellung, mit Assad auch nur übergangsweise an einem Tisch zu sitzen.

Und dem Grünen-Politiker Werner Schulz fiel zu all dem nicht wesentlich mehr ein, als Ekel, Abscheu und Empörung über den "Verbrecher" und "Lügner" Putin zu äußern, dem es einzig darum gehe, den Mörder Assad zu retten und Europa zu spalten.

Gefechte: Die gab es mehrfach zwischen Pleitgen und Schulz ("Sie sind immer so polemisch"), aber bei wechselnden Frontverläufen auch zwischen Rados und dem Rest der Runde. Journalist Jörges musste sich von ihr fragen lassen: "Haben Sie schon Ihre kugelsichere Weste gekauft?" Irgendwie fühle sie sich an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg erinnert, wo auch alle gemeint hätten, in irgendwelche Kämpfe ziehen zu müssen.

Wolffsohn war da mehr beim Zweiten Weltkrieg und empfahl eine Allianz ähnlich der Anti-Hitler-Koalition. Im Übrigen scheine es ihm nicht so, als werde hinter jenen Kulissen, hinter die Jörges offenbar geguckt hatte, wirklich strategisch gedacht.

Stärkste Einzelaktion: In ganz großer Form präsentierte sich eben jener "Stern"-Stratege Jörges, der sich nicht nur als Merkel-Fan outete, sondern auch den Eindruck zu erwecken wusste, dass die Sache mit der westlich-russischen Syrien-Befriedung schon so gut wie abgemacht sei - vorausgesetzt, man ringe sich auch endlich zu einem Bodenkrieg einschließlich deutscher Beteiligung durch.

Im Grunde gehe es um die tätige Bekämpfung der Fluchtursachen. Das Flüchtlingsproblem drohe Europa "zu zerlegen", und daran habe auch Putin kein Interesse, was Schulz natürlich genau andersherum sah. Ein bisschen schwer hatte es der Syrer Matar, sich mit seiner Beteuerung Gehör zu verschaffen, dass seine Landsleute gar nicht nach Europa wollten, sondern zurück in ihre Häuser - aber das endlich ohne Furcht vor Assads Fassbomben.

Erkenntnisbeute: Es sollte nicht allzu schwierig sein, den IS-Terror zu beenden, darüber herrschte größtenteils Einvernehmen. Aber was dann? Während Rados dafür warb, den Regionalmächten wie Iran und Türkei die Kontrolle über die chaotische Region zu überlassen, hatte sich Wolffsohn einen anderen Plan ausgedacht: Für Syrien brauche es angesichts seiner Heterogenität eine Art bundesrepublikanische Ordnung und für die Region einen Staatenbund.

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