Maischberger im Schnellcheck Esogeschnatter im Sommerloch
Moderatorin Maischberger: "Ja, ich bin eine Jungfrau, ja, ich bin der Spielverderber hier"
Foto: WDRWorum ging es?
Ein Dauerbrenner des deutschen Talkshow-Wesens, ein Topic von zeitloser Behäbigkeit, ein Job, den die redaktionelle Sommerferien-Notbesetzung locker machen kann. Kurzum: Ein Themenkomplex, der wochen- und monatelang in der Ablage versauern kann, ohne dass ihn jemand vermisst: "Horoskope, Handlesen, Tarotkarten: Unsinn, der hilft?"
Wer war da?
Wenn Sandra Maischberger Hella von Sinnen und Uwe Ochsenknecht über Astrologie und Kartenlegen talken lässt, dann weiß die Nation: Es herrscht Sommerloch, auf allertiefste Weise. Deutschlands meistgelesene Astrologin Mauretania Grego bescheinigt der von Sinnen einen sehr ausgeprägten Wassermann und einen starken Neptun. Nicht zu vergessen: der Saturn im Steinbock. Dann saß da noch ein Prof. Dr. Ulrich Walter, der mal Astronaut war und ganz viel Aristoteles und Platon studiert hat und die Wechselwirkung von Planeten und Menschen für "minimal" hält. Außerdem in der Runde: Jürgen Fliege, gefallener Superstar-Seelentröster der neunziger und nuller Jahre und legendärer Erfinder der "Fliege Essenz", wohinter sich von ihm selbst geweihtes Wasser verbarg. Dann gab's da noch den Religions- und Esoterik-Kritiker Michael Schmidt-Salomon - und Ochsenknechts Kartenlegerin Sylvie Kollin legte selbigem selbige. "Hier sind 'n paar Sachen, da solltest du weiter wegfliegen", orakelt die Sylvie. "In verschiedenen Lebenssituationen hilft es ja, wenn man weiß, was der Plan ist", sagt der Uwe. "Jeder hat ja seinen Fahrschein, es ist alles programmiert, was wir machen", erklärt die Kartenlegerin der Moderatorin.
Was fehlte?
Die "Todeskarte" von Sylvie Kollin. Das hätte ja nur "Irritationen" gegeben, wenn der Uwe die gezogen hätte - zumal im Fernsehen!
Und was hat man davon?
Nicht sehr viel, was den praktischen Nutzwert betrifft. Wir erfahren, dass die alten Griechen viel von den Planeten hielten, weil die sich bewegen konnten (Walter), dass Jesus ein Kleinunternehmer war und für seine Wunderheilungen kassiert hat (Fliege). Und dass, wie gesagt, alles vorbestimmt und programmiert ist, was uns aber nicht weiter jucken soll: "Das Leben muss man letztlich einfach selbst leben." (Grego)
Gab es einen heimlichen Star?
Michael Schmidt-Salomon erwies sich als solider Realist und Gegenpol zu dem Aszendenten- und Tarot-Geschnatter, das sich in Maischbergers Runde ausgesprochen raumgreifend erhob. Der Autor und Sprecher der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung erklärte, dass "Barnum-Sätze" wie "bei aller Impulsivität sind sie doch ein sehr romantischer Geist" irgendwie immer stimmen und brachte bisweilen gar Hella von Sinnen mit seinem etwas irritierenden Dauerlächeln zum Schweigen. Und er warnte vor der "sanften Verblödung" durch Esoterik, wenn "Spitzentechnologie und Spitzenidiotie aufeinandertreffen".
Und die Moderatorin?
"Ja, ich bin eine Jungfrau, ja, ich bin der Spielverderber hier", so rettete sich Sandra Maischberger vor der Impulsivität der astrologievernarrten Hella von Sinnen. Die Moderatorin machte eine solide Figur, aber hey: Auch sie dürfte froh sein, wenn das Sommerloch hinter ihr liegt und die Redaktion zurück aus dem Urlaub ist, um mal wieder an ein paar tragfähigen Themen zu schrauben.
Das schlimmste Zitat:
"Eigentlich spiegelt uns alles." (Fliege)
Das beste Zitat:
"Ich hab' einen Fehler gemacht." (Fliege)