"Maybrit Illner" zu Urlaub in Viruszeiten Planlos reisen mit Corona-Air

Als kämen die Sommerferien überraschend: Die Runde bei "Maybrit Illner" offenbarte, wie wenig überlegt wurde, wer in Pandemiezeiten wie wohin reisen kann - und wieso überhaupt. Stichwort Sangria-Eimer.
Maybrit Illner mit Gästen: "Bitte keine falsche Sicherheit"

Maybrit Illner mit Gästen: "Bitte keine falsche Sicherheit"

Foto: ZDF/Svea Pietschmann

Allen, die in den nächsten Ferien nicht nur ins Elbsandsteingebirge wollen, sei hier schon mal gesagt: In Griechenland wird's voll. Und in Südtirol.

Pünktlich vor Pfingsten und vier Wochen vor den ersten Sommerferien war's wohl überfällig: der Polittalk als Reiseberatungssondersendung, inklusive Tropenmediziner und Reisebüroverbandschefin. "Wie gefährlich wird der Urlaub?", wollte Maybrit Illner wissen. Der Eindruck: alles so planlos wie der Neustart der Bundesliga. Auch deshalb tauchte dauernd Griechenland auf - niedrige Infektionsrate, gute Vorbereitung -, bis Illner drängte, mindestens noch Portugal zu nennen. Und Bergsteiger Reinhold Messner , zugeschaltet aus den Dolomiten wegen, hm, Bergexpertise vielleicht, warb für seine Heimatregion (und seine sechs Museen): "gesunde Luft!", "Erhabenheit!", "Möglichkeiten zur Gesundung!".

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Moment mal, Südeuropa? Wie sollen wir da überhaupt hinkommen?

Damit sind wir, um bei den Griechen zu bleiben, beim ersten Oxymoron des Abends. Zu all den anderen Widersprüchen gleich. Während NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) noch rief, er sei eh nie für Grenzschließungen gewesen, auch nicht zu Belgien und den Niederlanden , rückte Linkenchefin Katja Kipping mal eben die Kategorien zurecht: Die Grenzen selbst seien ja nicht gefährlich, sondern: "Mobilität, Menschen in geschlossenen Räumen, Massenevents". Also Flüge, Züge, Reisebusse, olé.

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Dann doch mit dem Auto in den Urlaub.

Findet der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin auch: Das sei am sichersten. Und was Bahn, Flieger und Co. angeht: "Ich plädiere dafür, dass Menschen mit Vorerkrankungen dieses Risiko nicht eingehen."

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Ging's nicht neulich noch um Klimaschutz beim Reisen?

Tadaa, der nächste Widerspruch. "Wir brauchen eine Wertediskussion", fand Messner zwar, er würde sich freuen, wenn als Corona-Nebeneffekt der Fokus mehr auf Verzicht, Ressourcenschonung, Ökologie liege. Nur: Wie wir klimaschonend und pandemiesicher nach Südtirol oder sonst wohin gelangen sollen, tja. War null Thema, aber Autokaufprämien haben Fridays for Future eh längst von der politischen Tagesordnung geschubst.

Ok, also Reisen ins Ausland. Wie sicher ist das in Europa?

"Wir müssen spätestens Mitte Juni einen Weg finden, wie der Schengenraum wieder offen sein kann", so Laschet. Außenminister Heiko Maas habe dafür "meine Unterstützung". Und dann tauchte wieder ein seltsamer deutscher Unterton auf: Er habe ja bei den letzten Lockerungen keine Bange gehabt, "aber ich habe ein wenig Sorge, wenn Menschen in ganz Europa unterwegs sind. Wir brauchen Standards in Europa, die unseren deutschen Standards ähnlich sind." Er erwähnte Sangria-Eimer und Strohhalme und plädierte in "allen Ferienanlagen und Hotels" für "Maßnahmen" wie hier. So sind wir den von Messner behaupteten Status als "das beliebteste Volk weltweit" echt schnell wieder los.

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Und solange es keine europaweiten Regeln gibt?

Erstens: Kartenlesen. Und besser genau hinschauen: Die Übersicht mit Infektionszahlen, mit der die Illner-Redaktion illustrieren wollte, welche Länder vertraulicher wirken als andere, wurde zu Recht sofort zerrissen. Weil: große regionale Unterschiede innerhalb der Länder (Schmidt-Chanasit), Gesamtzahlen nicht aussagekräftig für aktuelle Lage (Laschet).

Zweitens: "In der jetzigen Zeit ist die persönliche Beratung eines Reisebüros wichtiger denn je, das war mein Werbeblock", erklärte Laschet und die Vorsitzende vom Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros Marija Linnhoff freute sich.

Drittens: Wissen, wie schnell sich alles ändern kann, siehe Superspreader: "Bitte keine falsche Sicherheit", betonte Kipping. Und sowieso: "Viele können sich aktuell keinen Urlaub leisten oder halten sich aus Sorge zurück." Viertens: Selbst vorsorgen. Etwa Impfungen auffrischen, rät Virologe Schmidt-Chanasit, und: "Wenn ich allein am Strand bin, muss ich keine Maske benutzen, Ausrufezeichen."

Wer ist zuständig, wenn was passiert?

Der ADAC, die Reisebüros, die Gesundheitsämter? Laschet murmelte nur Vages. "Es gibt eine europäische Seuchenschutzbehörde", rief ihm Schmidt-Chanasit noch zu.

Und was macht die Reisebranche?

Sie bietet anderswo gratis Corona-Tests an. Und die selbstständigen Reisebüros haben mit Marija Linnhoff eine Verbandschefin, die weiß, wie sie gehört wird. "Die Reisebüros fungieren als Krisenzentren seit dem Shutdown - kostenlos!", betonte sie. "Wieso kann man nicht für uns einen Schutzschirm spannen?", immerhin 11.000 Unternehmen mit 100.000 Angestellten. Sie wandte sich direkt an Laschet: "Wenn Sie sich da auf Bundesebene nichts einfallen lassen, dann sehe ich schwarz. Sie wollen doch Kanzler werden!" Der sah nicht aus, als wollte er daran erinnert werden.

Aber müssen wir denn überhaupt weg?

Kurioserweise stellte die Prämisse der Sendung niemand infrage. "Die Menschen wollen fahren, das ist ein Fakt", so Linnhoff. Es klang am Ende eher nach: Wir müssen reisen, um die Tourismusbranche zu retten. Und Laschet gar so: Wir müssen die Automobilindustrie retten, damit genug Menschen genug Geld haben, um zu verreisen und so die Touris… - und so weiter. Die Runde übrigens setzt auf "Dahamas": Der Virologe bleibt zu Hause, die Verbandschefin auch, Messner in seinen Dolomiten, Kipping macht höchstens ein paar Radtouren. Nur Laschet will bis an den Bodensee, "aber definitiv nicht auf die bayerische Seite".

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