"Maybrit Illner" zu Donald Trump "Man kennt ihn quasi nicht"

Der neue US-Präsident heißt Donald Trump - aber wer genau ist das eigentlich? Die Runde bei Maybrit Illner hatte leider mehr Fragen als Antworten. Das zeigte unter anderem Ursula von der Leyen.

Die Sendung: "Trumps Triumph - was steht auf dem Spiel?", wollte Maybrit Illner wissen. Eine wahrhaft weltbewegende Frage in diesen Tagen, da der dubiose Tycoon aus dem Reality-TV in der Realität angelangt ist - und sich der amerikanische Traum für viele in einen Albtraum zu verwandeln droht. Die Suche nach einer Antwort zeigte vor allem eins: Nichts Genaues weiß man.

Die Runde: Ursula von der Leyen, Bundesverteidigungsministerin; Fred Kempe, Journalist und Chef des Washingtoner Think Tanks "Atlantic Council"; Katharina Nocun, Netzaktivistin und Ex-Piraten-Politikerin; Martin Richenhagen, deutsch-amerikanischer Manager; Trump-Wähler Nicolas Smith.

Das Phantom: Wenn eine führende deutsche Politikerin über einen künftigen US-Präsidenten sagt: "Man kennt ihn quasi nicht", ist damit einiges gesagt. Zumal, wenn es sich um jemanden handelt, der seit Langem medial omnipräsent zu sein scheint. Von der Leyen, die am Vortag erfrischend undiplomatisch bekannt hatte, das Wahlergebnis aus den USA sei für sie "ein schwerer Schock", drückte es genau so aus. Man warte nun auf Ansprechpartner.

Auf jeden Fall sei Trump "kein Mann der Wirtschaft", wollte CEO Richenhagen festgehalten wissen und sinnierte: "Wie kann man ihn coachen?" Die Netzaktivistin fand die kantigsten Worte: Trump sei ein "Blender, Verkäufer, Entertainer", aber kein ehrlicher Politiker.

Das Phänomen: Die Einordnung der Trump-Wahl in den Kontext des grassierenden Populismus (Kempe: "Ein weltweites Erdbeben") und nationaler Abschottung wurde mit hinreichender Deutlichkeit vorgenommen. Die Ministerin verwies auf die Parallelen zum Brexit, aber auch darauf, dass die Verrohung des Diskurses bereits früher, mit der "Tea Party", begonnen habe. Das Grundmuster des Populismus - anders handeln als reden - zerstöre das Vertrauen in die Politik.

Manager Richenhagen, bekennender, aber Clinton-kritischer Demokrat, befürchtete ebenso wie Ex-Piratin Nocun Aufwind für die Rechtspopulisten in Europa durch den Trump-Effekt. Aber es gab auch (Selbst-)Kritik. Journalisten wie Demoskopen hätten "die Zeichen nicht richtig gedeutet", räumte der zugeschaltete Claus Kleber ein, der zugleich warnte, die USA könnten zum "Pulverfass" werden.

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Die Probleme: Trumps Nähe zu Putin, dessen Beeinflussung des Wahlkampfs laut Kempe "der größte Skandal" war, die Mauerbaupläne, die Aversion gegen die Nato - die Frage ist, was aus der brisanten Kampagnen-Agenda wird. Von der Leyen erinnerte daran, dass die Mitgliedschaft in der Wertegemeinschaft Nato "kein Geschäft" und der bisher einzige Bündnis-Beistandsfall schließlich "9/11" zugunsten der USA gewesen sei. Richtig sei aber auch, dass Europa sich besser aufzustellen habe, nicht nur militärisch angesichts möglicher Finanzierungsforderungen aus Washington. Jedenfalls müsse Trump, wenn es mit Freund Putin etwa um die Krim oder Aleppo gehe, "klar sagen, ob er auf der Seite des Rechts steht". Nocun verwies in diesem Zusammenhang auf die besonderen Russland-Ängste der Osteuropäer.

Prognosen: Kempe sagte mit leisem Optimismus voraus, Trump werde anders regieren, als er Wahlkampf betrieben habe; er sah zudem die Chance auf eine Gesundung des Systems. Nocun prophezeite, es werde nach vier Jahren "mehr Abgehängte" geben, da Trump eine neoliberale Politik wolle. Richenhagen warnte derweil eindringlich vor Protektionismus: "Die absolute Katastrophe für die Wirtschaft." Was die Rolle der USA als Weltpolizist angehe, werde Trump "noch vorsichtiger als Obama" agieren, glaubte Politikexperte Kempe zu wissen. Die frühere Piraten-Politikerin lenkte den Blick auf das spezielle Problem der NSA-Praktiken und fand die Vorstellung, dass ein "schlüsselfertiger Überwachungsstaat" an einen Populisten übergeben werde, nicht gerade beruhigend.

Besondere Momente: Ein paar Mal sagte auch Nicholas Smith etwas, der in seiner Eigenschaft als Trump-Fan und aus ansonsten schwer nachvollziehbaren Gründen eingeladen war. Das Mienenspiel der Ministerin sprach dann meist für sich. Die Rede kam auch noch einmal auf die Worte der Kanzlerin vom Vortag, bei denen es um die gemeinsamen Werte der offenen, liberalen Gesellschaft ging. Als Einziger in der Runde kam Smith auf die Idee, die Merkel-Äußerungen als Beleidigung zu empfinden. Und das sprach ebenfalls für sich.

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