"Maybrit Illner" zu Trump "Das Ende vom Anfang, nicht der Anfang vom Ende"

Kein TV-Talkshow-Abend mehr ohne Donald Trump: Die Expertenrunde bei Maybrit Illner schwankte zwischen Alarmismus und Beschwichtigungsversuchen. Die Talkshow im Check.

Ursula von der Leyen
imago/ Metodi Popow

Ursula von der Leyen


Die Sendung: Dank Trump ist die Weltlage außen- und sicherheitspolitisch so unkalkulierbar wie lange nicht. Vor allem die Russland-Connection wirft hochbrisante Fragen auf. "Zwischen Trump und Putin - muss Europa aufrüsten?", titelte Maybrit Illner und ließ den Zuschauer unter anderem mit der Erkenntnis zurück, dass Trump-Talkshows im Grunde gar kein spezielles Thema brauchen. Der Name bürgt für schier unbegrenzte Ressourcen an Skandalstoff.

Die Gästerunde: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen; Oleg Krasnitzky, Gesandter der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin; Fred Kempe, Präsident der US-Denkfabrik Atlantic Council; der britische Politikberater Robin Niblett, Direktor des Chatham House; Journalist Wolfgang Blau, Digitalchef von Condé Nast International, vorher bei "ZEIT online" und "Guardian".

Positionen: Wieder einmal hielt die inzwischen Trump-Talk-versierte Verteidigungsministerin tapfer und unter Beifall die "Farbe Europas" hoch und sprach von einem "Weckruf", um unabhängiger und stärker zu werden, was allerdings auch mehr Kosten für die Sicherheit bedeute. US-Denkfabrikant Kempe übte sich derweil in einer gewissen Balance zwischen harscher Trump-Kritik ("populistisch und zerstörerisch") und der Hoffnung, dass das Amt und seine Umgebung eben doch den Mann zähmten und einiges Vernünftige zustande komme. Einerseits befürchtete er "das Ende der bisherigen Weltordnung", andererseits beschwichtigte er mit Blick auf das Chaos im Weißen Haus: "Es ist das Ende vom Anfang, nicht der Anfang vom Ende."

Befunde: Noch gebe es "keine besonderen Beziehungen" zur Trump-Regierung, ließ der eher wortkarge und meist grummelnde Russland-Gesandte wissen. Man müsse abwarten. Auch Kempe erklärte, der Interessenausgleich zwischen Washington und Moskau gestalte sich viel komplizierter, als es angesichts von Trumps Putin-Präferenz oft erscheine. Niblett bezweifelte, dass es eine echte Allianz zwischen den beiden Mächten geben könne. Und Frau von der Leyen erinnerte, bei allem Interesse am Dialog mit Russland, an die Prinzipien der Friedensarchitektur seit dem Zweiten Weltkrieg.

Befürchtungen: Anlass für Alarmismus bot gleichwohl und erwartungsgemäß Trumps Russland-Connection. Es sei besorgniserregend, wenn sich zeigen sollte, dass nicht nur Sicherheitsberater Flynn spezielle Kontakte gepflogen habe, sagte Niblett und verwies auf die Durchstechereien der Geheimdienste, die sich der Präsident zum Gegner gemacht hat. Während Krasnitzky, wenig überraschend, den Rückzug Flynns als "Schlag gegen den Interessenausgleich" kritisierte, sprach Kempe von den "großen Auswirkungen" des Falles für Trumps Amtsführung und gab sich sicher, dass weitere Enthüllungen zu erwarten seien.

Erkenntnisse: "Wir alle müssen klüger werden", fand Frau von der Leyen mit sorgenvollem Blick auf die unschöne Neue Welt, in der Cyberattacken und digitale Desinformation zur Waffe und Meinungen von Algorithmen gemacht werden. Medienexperte Blau konnte hier manches Bedenkenswerte beisteuern. Die freie Presse dürfe nicht den Fehler begehen, sich von Trump zur Opposition machen zu lassen. Es reiche aber auch nicht mehr aus, die Fake News zu entlarven und zu widerlegen, sondern die etablierten Medien müssten ihnen ein eigenes positives Narrativ entgegensetzen, was vor allem aus den britischen Brexit-Erfahrungen zu lernen sei. Das unheilvolle Treiben von Blättern wie der "Daily Mail" richte "mehr Schaden an als russische Bots."

Exemplarisches: Als die Rede auf den Aleppo-Report des Atlantic Council kam (Kempe: "Wir sind nicht nur Denk-, sondern auch Faktenfabrik"), wurde auch die Frage aufgeworfen, was denn wohl Trump zu Putins Vorgehen in Syrien sage. Die blieb zwar unbeantwortet, dafür gab es ein bezeichnendes Statement des russischen Diplomaten. In dem Bericht stehe nichts Neues. Krieg sei Krieg, da fielen nun mal Bomben, und die Krankenhäuser seien in Wahrheit militärische Objekte gewesen.

Positives: Ja, es wurde auch Gutes über die Zustände im Weißen Haus gesagt, zumindest, was eine Person dort anbelangt. Der Verteidigungsminister Mattis bekam von seiner Berliner Kollegin von der Leyen attestiert, er sei "zuverlässig und geradlinig" und es sei "ausgesprochen beruhigend", ihn auf diesem Posten zu wissen.



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erhardeckhard 17.02.2017
1. Krasnitzky: Nur fieses Lächeln!
Diese Illner heute wieder, schon fast wieder skandalös und weit weg von fähig. Mehr als blamabel war der schon fast freundliche Umgang mit diesem russischen "Putinvertreter" in ihrer Sendung. Warum hat sie bei den wichtigen Fragen über die Bombardierung der Krankenhäuser in Aleppo in Syrien, sowie der ungeheuerliche aktuelle Vorwurf der Russen über eine angebliche Vergewaltigung eines Mädchens in Litauen durch deutsche Soldaten, nicht sofort nachgefragt? Auch hätte man auf die "grünen Männchen Putins" in Ukraine seinerzeit hinweisen können. Putin hatte diese russischen Soldaten seinerzeit vehement verleugnet, also wie schon so oft gelogen. Wenn man schon einen russischen "Putinvertreter" in der Sendung hat, ja da muss man solche Leute mit aller Härte angreifen und die Fakten um die Ohren hauen. Aber doch nicht bei Illner, da hatte dies schon fast "freundschaftliche" Züge diesem Kommunisten gegenüber. Professioneller Journalismus sieht doch ganz anders aus!? Wie kann man "Verbrechen an der Bevölkerung" und "Lügenpropaganda" einfach ausklammern, anstelle den "Finger in die Wunde" zulegen und Meinung einzufordern?
spontanistin 17.02.2017
2. Einfluss der Mediengiganten!?
Das Interessanteste war doch - sogar auch nach Meinung von UvL- was Herr Blau zur weltweiten Wirkung der großen Medienkonzerne aus USA, China und U.K. (Daily News - einseitige und negative "Alternative Fakten über die EU) zu berichten wusste!
westin 17.02.2017
3. In Aleppo wurden schon immer Krankenwagen als Terroristentransporte missbraucht
später auch die Krankenhäuser als Verstecke. Das verstösst gegen die Genfer Konvention.Darüber berichtet wurde kaum. Ein Krankenhaus kann man wieder aubauen.Aber die hunderte Menschen ,die ein Terrorist verusachen kann, die kann man nicht wiederbeleben..
Pless1 17.02.2017
4. Sicherheit ist eigene hoheitliche Aufgabe
Die eigene Sicherheit ist immer zu aller erst eine eigene hoheitliche Aufgabe des Staates. Die Europäer haben das mit Ausnahme von UK und Frankreich in den letzten Jahrzehnten verdrängt. Die Welt bekommt nun bereits die dritte Weltordnung seit Ende des zweiten Weltkrieges. Die erste war die bipolare Nachkriegszeit 1945 - 1989, die zweite war die hoffnungsvolle Zeit nach Zusammenbruch des Ostblocks ab 1989. Diese Weltordnung ging schrittweise unter, man mag das an verschiedenen Weltereignissen festmachen. Das früheste war der 11. September 2001, das letzte die Machtübernahme Trumps. heute ist die Zukunft ungewisser denn je und ganz egal wie Trump nun zu NATO steht ist klar, dass wir uns nicht mehr ausschließlich auf den großen Bruder Amerika werden verlassen können. Das führt leider zu der Erkenntnis, dass auch Deutschland wohl möglichst schnell tatsächlich eine eigene Armee braucht. Das klingt jetzt böse formuliert - ich will der Bundeswehr nichts vorwerfen, Aber es war schon in den 80ern ein Running Gag, dass die BW im V-Fall die Aufgabe habe, so lange die Stellung zu halten versuche, bis eine Armee angerückt ist. Danach wurde die Bundeswehr auf rund ein Drittel zusammengeschrumpft, ist technisch veraltet und versucht, wenigstens bei den internationalen Missionen brauchbare Einheiten zu stellen, was nur gelingt unter Ausschlachtung des rudimentären Restes der eigentlichen Verteidigungskräfte. Ein Desaster. Das Pochen auf dem 2% Ziel ist berechtigt, auch und insbesondere seitens der Amerikaner. Diese müssen sich allerdings auch vorwerfen lassen, dass sie über Jahrzehnte die alles bestimmende Macht der NATO sein WOLLTEN und somit die jetzige Schieflage der militärischen Stärken innerhalb der NATO überwiegend selbst herbeigeführt haben. Dass ein Angleichungsprozess eine ganze Dekade dauern wird dürfte jedem klar sein und so wurde es ja auch 2014 vereinbart. Deutschland könnte ja schon mal in den USA einen Flugzeugträger anfragen, das würde Trump auch beim Thema Handelsdefizit Wind aus den Segeln nehmen.
kritischer-spiegelleser 17.02.2017
5. Sicherheit ist Aufgabe des Staates.
Da kann man sich nicht hinter einer Nato verstecken. Oder hinter einer "Deutschen Vergangenheit". Da kann man sicher überlegen ob man ein europäisches Schutzschild aufbaut, aber ich würde nie wagen, diesen Eurokraten das Kommando über diesen Schutzschild zu übergeben.
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