"Maybrit Illner" zur GroKo-Krise Zwischenschritte bis zum Weltuntergang

Maybrit Illner ließ über die Zukunft der Großen Koalition diskutieren: Die SPD-Interimsvorsitzende Schwesig versuchte, zu beschwichtigen - und aus der Runde kamen erstaunliche Personalvorschläge für die Parteispitze.

Moderatorin Illner (3.v.l.) mit ihren Gästen: "SPD kopflos, CDU planlos - GroKo grün vor Neid?"
ZDF/Svea Pietschmann

Moderatorin Illner (3.v.l.) mit ihren Gästen: "SPD kopflos, CDU planlos - GroKo grün vor Neid?"


Die SPD-Befindlichkeit des Abends: Als Vertreterin des kommissarischen SPD-Führungstrios war Manuela Schwesig eingeladen. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern berichtete, dass die Online-Befragung der Parteimitglieder zum Vorgehen bei der Vorsitzendenwahl bereits 22.000 Rückmeldungen erbracht habe. Diese Einbeziehung sei ein "wichtiges Signal". Sie betonte, dass der Vorsitz der "ältesten und stolzesten Volkspartei" nicht "zu verscherbeln" sei wie bei "Rudis Resterampe", sondern nach wie vor "eine große Ehre und Verantwortung" bedeute.

Die Personalvorschläge des Abends: "Gar nicht so pessimistisch" sehe er die Lage der SPD, verkündete der Verleger und Publizist Wolfram Weimer und zog einen HSV-Vergleich: Wie der Traditionsverein habe die Partei zu häufig den Trainer gewechselt, aber immer noch Kraft. Zur Frage des künftigen Parteivorsitzes wartete er mit einer erstaunlichen Prognose auf: Er könne sich Schwesig und Sigmar Gabriel "als gutes Tandem vorstellen". Letzterer sei "eine große politische Potenz in der SPD".

Das mochte die Kolumnistin und Buchautorin Sophie Passmann ("Alte weiße Männer"), selbst SPD-Mitglied, nicht glauben: "Das war er vor fünf Jahren", warf sie ein. Schwesig selbst reagierte verhalten ("Er traut mir auf jeden Fall 'ne Menge zu") und verwies darauf, dass sie vor zwei Jahren in ihrem Bundesland Verantwortung übernommen habe, viel vor Ort sein müsse und beides nicht glaubwürdig verbinden könne.

Der Astrophysiker und ZDF-Wissenschaftsmoderator Harald Lesch ("Leschs Kosos") fand, es müsse jemand von der Klasse Frank-Walter Steinmeiers oder Katarina Barleys gefunden werden.

Der Kevin-Kühnert-Komplex des Abends: Dass der ebenfalls gehandelte Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert für junge Menschen attraktiv sein könnte, bejahte Sophie Passmann. Von Maybrit Illner mit der Einschätzung Peer Steinbrücks konfrontiert, Kühnert sei zu jung für das Amt, konterte Passmann, sie glaube, "der Tag, wo wir aufhören, auf Peer Steinbrück zu hören, wäre ein guter Tag für die SPD". Aus der "zweieinhalbten Reihe reinzuschreien" wie der Ex-Kanzlerkandidat sei "befremdlich und nicht solidarisch".

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Kein Problem mit Verantwortung in jungen Jahren sah der saarländische CDU-Ministerpräsident Tobias Hans, 41. Allerdings müsse man bei Kühnert fragen, ob es wirklich "junges Gedankengut" sei, was er verbreite - die von ihm losgetretene Enteignungsdebatte sei "neokommunistisch". Dem schleuderte Sophie Passmann ein beherztes "Quatsch" entgegen, und auch Manuela Schwesig verteidigte den Juso-Chef. Gerade im Bereich der Daseinsvorsorge sei die Frage: "Was überlassen wir dem Markt, wo steuert Politik?"

Die Dänemark-Diskussion des Abends: "Die SPD muss sich zur Mitte hin stärken und nicht in die linke Ecke laufen", riet der wirtschaftsliberale Wolfram Weimer und lenkte den Blick nach Dänemark: Schließlich hätten die dortigen Sozialdemokraten bei der jüngsten Wahl auch mit "entschiedenen Antworten auf die Migrationsfrage" gepunktet. Dieser Sichtweise mochte sich Manuela Schwesig nicht anschließen: Mit dem Migrationsthema hätten die Probleme angefangen, weil es der letzten GroKo wegen des Dauerstreits zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer nicht gelungen sei, klar zu sagen, wie es gehen kann. Statt "das Migrationsthema wieder hochzuziehen" solle man "lieber an Alltagsthemen ran". Die SPD werde gebraucht, um "Wirtschaft, Soziales und Ökologie zusammenzubringen".

Die AKK-Debatte des Abends: Mit einem Einspieler über den Fettnäpfchen-Parcours der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer leitete Maybrit Illner zur anderen kriselnden Volkspartei über. "Die K-Frage stellt sich nicht", versuchte Tobias Hans abzuwiegeln, er ist Nachfolger der Parteichefin im Saarland. Er räumte ein, mit Angela Merkel als Vorsitzender sei die Partei "viel auf Sicht gefahren" und habe sich "inhaltlich, vom Profil her entleert". Doch AKK könne es schaffen, "der Partei Selbstwertgefühl zu geben".

Ob es typisch sei, dass sich mit Friedrich Merz und Armin Laschet schon Männer warmliefen, um der Vorsitzenden womöglich die Kanzlerkandidatur streitig zu machen, wollte Maybrit Illner von Sophie Passmann wissen. Aber die fand die Geschlechterfrage hier nicht entscheidend: Ihr bereiteten vielmehr "die stramm reaktionären Sachen" Bauchschmerzen, die AKK gesagt habe, etwa ihre Aussagen zu Homosexualität und Inzest.

Wolfram Weimer dagegen erinnerte die AKK-Kritik an die Anfangsjahre von Angela Merkel: Sie werde unterschätzt, ihre Haltung sei eine Stärke. Aber auch für Friedrich Merz hatte der "Cicero"-Gründer Sympathie, wegen dessen "Wirtschaftskompetenz". Und dann hatte er noch einen erstaunlichen Personalvorschlag: Es sei doch denkbar, dass Kramp-Karrenbauer Merz die Kandidatur überlasse wie einst Merkel Edmund Stoiber beim Wolfratshausener Frühstück.

Die AfD-Grünen-Gleichsetzung des Abends: Einfach so weitermachen könnten die GroKo-Parteien jedenfalls nicht, fand Weimer, denn die anstehenden Landtagswahlen im Osten würden "das Land erschüttern": "Wir reden im zweiten Halbjahr über die blaue Republik, wie wir jetzt über die grüne reden." Da wurde Sophie Passmann zornig: "Das Gleichsetzen von AfD und Grünen, das find ich wirklich schäbig."

Die Klima-Rezo-Einordnung des Abends: Zu guter Letzt wurde das "Topthema" Klimaschutz und CO2-Bepreisung verhandelt, das seit der Europawahl verstärkt auch CDU und SPD umtreibt. Harald Lesch, Unterstützer von "Scientists for Future", mahnte hier eine "klare Zielsetzung" an, "wie wir von CO2-Emissionen runterkommen, über viele Legislaturperioden". Deutschland habe zwar global einen überschaubaren Anteil, müsse aber "eine Vorreiterrolle einnehmen, um all die Fehler zu machen, die sich andere Länder nicht leisten können". Es gehe um "weniger von allem", nicht um Wachstum.

Zum Thema Arbeitsplatzverluste etwa durch den Kohleausstieg zitierte Illner sinngemäß aus dem vieldiskutierten Rezo-Video "Die Zerstörung der CDU": Was sei schon ein Prozent mehr Arbeitslosigkeit angesichts des Weltuntergangs? Distanziert gab sich da Sophie Passmann: "Das ist 'ne YouTube-Argumentation", erklärte die Autorin, "stark vereinfacht. Wir müssen Zwischenschritte bis zum Weltuntergang denken."



insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
pandora14 14.06.2019
1. Enttäuschend
wie fast immer. Larifarigeschwätz über Personen nach Illner Art. Dabei saß mit Lesch ein Hochkaräter am Tisch, und der CDU Mann sagte sehr Vernünftiges, was bei Ilnner natürlich unterging, weil sie nur auf Krawall aus ist und keine Ahnung hat... Lesch hätte ich gefragt: Welche konkrete Entwicklung steht uns denn bevor- Hier hätte er sicherlich das Methanproblem abgesprochen. Und welche technischen Lösungen gibt es außer dem Sparen? Wie gesagt zu hoch für Illner. Der CDU Mann wies auf ein Bündel von Maßnahmen hin, die sehr wichtig sind, sein Beitrag war sehr konstruktiv, was Illner natürlich verschlief und diese unsägliche Schwesig brabbeln ließ-
new#head 14.06.2019
2.
Ja, Herr Steinbrück ist natürlich unangenehm, aber legt ja auch den Finger auf die Wunden. Seine Ansichten decken sich in weiten Teilen mit Gabriel. Die beiden haben jedoch den Vorteil sich frei äussern zu können, ohne Angst um einen Sessel zu haben, an dem sie kleben. Offensichtlich ist diese Partei aber nicht belehrbar. Jetzt wird Kühnert hochgequatscht wie einst Nahles.
fleischwurstfachvorleger 14.06.2019
3. Oh mein Gott!
Die Digitalisierung der Industrie wird Millionen von Arbeitsplätzen betreffen und CDU / CSU / SPD / FDP machen sich ernsthaft Gedanken über die Arbeitsplätze in der Kohleindustrie, die, wenn es nach FFF geht, in 11 Jahren weggefallen sein werden. Für diese Arbeitsplätze und der sozialen Abfederung sind RWE, EON und Vattenfall verantwortlich und nicht die CDU / SPD. Die EEG-Umlage ist eine einzige Lachplatte. Wer am meisten Energie verschleudert, kriegt eine Belohnung. Ganz mein Humor. Man kann nicht für ewige Zeiten den Heizer auf der E-Lok alimentieren! Die EEG-Umlage muss zu 100 % von allen bezahlt werden, dadurch werden automatisch die privaten Haushalte entlastet. Tempolimit - was hindert die Sozen daran, das endlich mit Druck zu fordern. Hohe Kerosinsteuer auf Inlandsflüge können national morgen beschlossen werden um Reisende zu motivieren auf die Bahn umzusteigen. Der Munich Re-Chef, dass sind die die die Umweltkatastrophen bezahlen, die also den Finger am Puls haben, fordert eine CO2-Steuer mit Einstieg bei 115 € und Umverteilung nach dem Schweizer Modell. Liebe Kohle-Freunde aus NRW. Die Kohle ist tot. Wenn ihr nicht bald tot daneben liegen wollt, müsst Ihr endlich für die Menschen in diesem Land Politik machen und nicht weiter den Banken und Konzernen dienen.
LJA 14.06.2019
4. Harald Lesch
Ein deutscher Universitätsprofessor, in jeder Hinsicht abgesichert und versorgt, fordert "weniger von allem". Das ist genau die Arroganz der herrschenden, linken Kaste, die viele Menschen zu den politischen Rändern treibt.
kritischer-spiegelleser 14.06.2019
5. Nervig
Frau Illner sollte aufhören in ihre Talkrunde Politik machen und Kanzler küren zu wollen. Dafür werden dann interessante Themen unterdrückt. Und der Hype Klimaschutz wird weiter unterstützt und Deutschland muss natürlich voraus marschieren. Dieses "Vorausmarschieren" hat aber leider der Sache nie etwas gebracht, nur dem Bürger immer viel Geld gekostet!
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