Illner-Talk zum Thema Sparen Bin mal kurz im Keller, nach den Zinsen sehen

"Wir sind im monetären Endspiel": Kleiner hatten sie es bei Maybrit Illner nicht. Zumindest galt das für einen Gast. Die anderen kabbelten sich beim Thema Sparen - und erinnerten nostalgisch an "Vorsicht, Falle".
Von Klaus Raab
Maybrit Illner und Gäste: Sind niedrige Zinsen nicht eigentlich doch "gut für Schuldner"

Maybrit Illner und Gäste: Sind niedrige Zinsen nicht eigentlich doch "gut für Schuldner"

Foto: ZDF/Svea Pietschmann

Ach ja, damals. Es geht nostalgisch los bei "Maybrit Illner", mit Ausschnitten aus der Verbrauchersendung "Vorsicht, Falle", mit schultergepolsterten Fernsehleuten und übersichtlich gestalteten Sparstrategien: Man legte sein Geld aufs Sparbuch, auf dass es sich vermehre. Heute dagegen verlangt die erste Volksbank von jedem Neukunden, der ein Tagesgeldkonto eröffnet, Minuszinsen in Höhe von 0,5 Prozent. Und die nächsten Banken ziehen bald nach.

Das ist der Konflikt, den Illner thematisiert: "Zinsen im Keller, Vorsorge in Gefahr - wann lohnt sich Sparen wieder?" Wobei die Titelfrage etwas in die Irre führt, denn "wann" es sich wieder lohne, darum geht es weniger. Eher, unter welchen Voraussetzungen.

Dass es so jedenfalls alles in allem nicht weitergehen könne, darin ist sich die Runde erst mal im Grundsatz einig. Die eine - die Linkenabgeordnete Sahra Wagenknecht, die zwar mittlerweile funktionslos, aber immer noch eine Fernsehführungsfigur ihrer Partei ist - findet, Negativzinsen seien "der genau falsche Weg", weshalb es "Regeln geben" müsse, "die solche Strafzinsen schlicht verbieten". Der andere - Mike Mohring, CDU, der Vorsitzende der Konferenz der haushalts- und finanzpolitische Sprecher der Unions-Landtagsfraktionen - meint ebenfalls, "der kleine Mann" müsse geschützt werden.

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Nur wie, und wovor genau? Da wird es so interessant wie unübersichtlich. Denn ständig wird von irgendwo noch ein weiterer Aspekt aufgeschichtet, der aus dem anfänglichen Kleinsparerbehütungsgespräch eine finanzpolitische Grundsatzdiskussion macht. Spekulationsblasen, schwarze Null, die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank - alles drin. Im einen Moment rechnet man beinahe damit, dass gleich jemand zu den Zinsen hinabsteigt - wozu sind die schließlich "im Keller"? -, um zu schauen, ob der "kleine Mann" noch eingemachte Mirabellen vorrätig hat. Im nächsten werden Brücken "aus der Zeit von Kaiser Wilhelm" und fehlende Investitionen in Klimaschutz, Bildung oder digitale Infrastruktur moniert. Es ist ein großer Parcours, der emotional ans gute alte kleine Sparbuch andockt.

In der Bank wird verkauf, nicht beraten

Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, findet, man müsse erstmal klären, über wen man rede, wenn es um die Schwierigkeit des Sparens gehe: 40 Prozent der Deutschen hätten wegen ihres niedrigen Einkommens "praktisch kein Erspartes", für die sei der Zinssatz nicht entscheidend. Problematisch seien die niedrigen Zinsen vor allem für die Mittelschicht. Er hält es insgesamt weitgehend salomonisch: "Die schwarze Null ist richtig in guten Zeiten", aber jetzt? Jetzt müsse man "Geld in die Hand" nehmen, zumal niedrige Zinsen doch "gut für Schuldner" seien.

Dorothea Mohn, Finanzexpertin vom Verbraucherzentrale Bundesverband, sagt, die Situation für "Verbraucher" sei schwierig, doch fünf Prozent Zinsen hätten früher wegen der "hohen Inflation" keine höhere Kaufkraft bedeutet. Wichtig sei, die Altersvorsorge nicht der Versicherungslandschaft zu überlassen: Was bei Banken Beratungsgespräch heiße, seien eigentlich Verkaufsgespräche.

Gebraucht werde ein Renten-Staatsfonds statt, zum Beispiel, die Riesterrente. Und sie will wissen, warum das staatlich organisierte Standardvorsorgeprodukt, das die CDU beschlossen habe, erst in drei Jahren kommen könnte: "Streichen Sie die drei Jahre aus Ihrem Beschluss raus!", fordert sie Mike Mohring auf, der ihr das freilich nicht zusagt.

Da wollte wohl jemand vor allem sein Buch verkaufen

Und während das schwedische Modell herbeizitiert wird, das vorsieht, dass 2,5 Prozent des Gehalts verpflichtend in eine kapitalgedeckte private Absicherung fürs Alter fließen, nimmt Sahra Wagenknecht das Beispiel Österreich auf den Radar: warum verpflichtend Aktien? Warum nicht stattdessen die gesetzliche Rente stärken? Dafür habe sie "viel Sympathie", sagt Dorothea Mohn, sie sehe aber nicht, dass die Politik bereit sei. An Aktien, "massiv breit gestreut, weltweit", führe jedenfalls auch kein Weg vorbei - "wir haben das gerechnet".

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Fehlt noch das etwas irritierende Schlusskapitel. Auftritt Marc Friedrich, der mit einem Buch über den vermeintlich bevorstehenden Crash der Finanzwelt in den Bestsellerlisten steht . Bis dahin hat er mitdiskutiert, nun klagt er mit scharfen Worten an - die Politik zuallererst, die "auf ganzer Linie" versage, "lethargisch" und "inkompetent" sei, in der folglich der eigentliche "Fachkräftemangel" herrsche. "Wir sind im monetären Endspiel", sagt er und prophezeit, dass der nächste und dann wirklich große Crash spätestens 2023 anstehe. Nach Analyse hört sich das eigentlich nicht mehr an. Hier wird in erster Linie wohl ein Buch verkauft, als wär's ein Riestervertrag

Marcel Fratzscher, der einst für die Europäische Zentralbank gearbeitet hat, spricht von "Schwarzmalerei" und "Demagogie"; Wagenknecht dagegen stimmt Friedrich zumindest zu, dass gerade keine "Politik für die Leute" gemacht werde. Aber, sagt auch sie, "ich finde es ein bisschen fahrlässig, das mit einem wohligen Schauer zu erzählen". Vielleicht hätte man sich diesen Vortrag tatsächlich sparen können.