"Maybrit Illner" zur SPD Ein Schulz-Effekt - aber keine rot-rot-grünen Signale

Wird eine linke Koalition versuchen, Kanzlerin Merkel aus dem Amt zu drängen? Das wollte Maybrit Illner von ihren Gästen wissen. Viel scheint nicht dafür zu sprechen. Die Talkshow im Check.

Maybrit Illner
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Maybrit Illner


Die Sendung: Zumindest eines hat Sigmar Gabriel mit seinem Personalcoup geschafft: Man spricht wieder über die SPD, auch in den Talkshows. "Schulz macht's - linke Mehrheit gegen Merkel?", fragte forsch Maybrit Illner. Die Antworten legten den Schluss nahe, dass das so ohne weiteres gar nicht ausgemacht ist. Bezüglich der Begeisterung für das Projekt Rot-Rot-Grün scheint es jedenfalls noch viel Luft nach oben zu geben.

Die Gäste: Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin und Spitzenkandidatin der Grünen; SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann; Linke-Vorsitzende Katja Kipping; Carsten Linnemann (CDU); Christian Lindner (FDP); SPIEGEL-Journalist Jan Fleischhauer.

Einstimmung: Die Personalie Martin Schulz hat nach Ansicht Linnemanns jedenfalls ein Gutes: Sie sorgt für mehr Unterscheidbarkeit der Positionen im anbrechenden Wahljahr, und das nicht zuletzt aufgrund der in den Augen der Union besonders falschen Europapolitik des Kandidaten. Endlich werde wieder richtig gestritten. Lindner war prompt mit der Prognose "Linksruck" zur Stelle, während die Linke dann doch erhebliche Zweifel an der Chance für einen echten Politikwechsel äußerte. Göring-Eckart steuerte den Hinweis bei, die Grünen zeigten in elf Bundesländern, "was Mitte ist". Und der SPIEGEL-Mann stichelte, ohnehin gebe es doch schon vier sozialdemokratische Parteien im Bundestag und die passende Kanzlerin dazu. Ohne Scheu vor einer Prise Pathos ließ Oppermann wissen, es gehe bei dieser Wahl um mehr als die Existenz der SPD, nämlich "um den Bestand der liberalen Demokratie".

Solo: Nach Lage der Dinge blieb es Oppermann nicht erspart, noch ein paar mehr oder minder schmeichelhafte Anmerkungen zum Alleingang des scheidenden Parteichefs und Wirtschaftsminister zu machen, bevor er ihm eine längere Eloge widmete. Nein, optimal sei das nicht gelaufen, auch wenn die Fraktion es "interessant" gefunden habe, endlich einmal vor den Spitzengremien informiert zu werden. Man habe dann die Flucht nach vorn angetreten, und jetzt gebe es "eine richtige Aufbruchstimmung". Die von Illner präsentierten neuesten Zahlen des Politbarometers signalisierten tatsächlich so etwas wie einen Schulz-Effekt. Für Fleischhauer indes ist Schulz, das nach mehrheitlicher Auffassung innenpolitisch eher unbeschriebene Blatt, "erst mal ein Medienphänomen". Journalisten schätzten den Mann, auch weil er weniger dünnhäutig sei als Gabriel.

Trio: Faktisch saßen zwar drei Spitzenvertreter jener theoretischen linken Mehrheit am Tisch, für die es praktisch bei der letzten Wahl noch gereicht hätte, für die es diesmal bislang anhand der demoskopischen Daten aber eher mager aussieht, doch wer womöglich auf klare Signale für die Koalitionsvariante Rot-Rot-Grün gewartet hatte, wartete vergeblich. Lediglich Kipping unternahm ein paar eher halbherzige Werbeversuche für "R2G", da sonst eine "Rechtsverschiebung" drohe. "Die Wähler entscheiden über die Mehrheiten", lautete Oppermanns Allerweltsformel. Göring-Eckardt gab die Devise aus, man müsse eine Alternative zur Großen Koalition entwickeln, nannte aber zugleich "alle Farbspiele obsolet". Der Blick auf den neuen Berliner Senat schien obendrein die Faszination - zumindest einstweilen - zu dämpfen.

Duo (1): Auch wenn es der Diskussionsverlauf eigentlich nicht hergab, gelangte Unions-Mittelstandspolitiker Linnemann irgendwann zu dem Schluss, es werde einen Lagerwahlkampf zwischen Rot-Rot-Grün und Schwarz-Gelb geben. Das hörte der FDP-Chef nur zu gern, zumal ihm der CDU-Kollege versicherte, im Grunde seien ja doch Union und FDP "natürliche Verbündete", erst recht in Zeiten wie diesen mit Trump & Co.

Duo (2): Deutlich weniger harmonisch ging es zwischen Links und Grün zu. Auf Nachfrage konnte es sich Katrin Göring-Eckardt "nicht vorstellen, mit Sahra Wagenknecht an einem Kabinettstisch zu sitzen".

Schlussakkord: Gefragt, wie es denn jetzt nach den Rochaden bei der SPD mit der Großen Koalition bis zur Wahl weitergehe, fand Oppermann die originelle Formulierung, man werde ordnungsgemäß "die Regierung abwickeln".



insgesamt 27 Beiträge
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hundini 27.01.2017
1. ^^
die debatte rot rot gruen, drueckt die spd noch weiter unter die 20% marke...
Bananenschale 27.01.2017
2. Rot-Rot-Grün ...
... hat absehbar keine Mehrheit. Diese Oprton stünde nur nach mehrjähriger Arbeit ( ca. 10 Jahre ) zur Verfügung. Wofür steht Herr Schulz innenpolitisch? Wofür kann er denn stehen?
kaiserudo 27.01.2017
3. Ohne rot rot grün
Liegt die SPD bei der nächsten Wahl bei 18 %. Wem will sie sich denn mit 18 % anbieten? Wieder der Union ? Damit sie bei der nächsten Wahl dann 15% hat ? Je länger die SPD mit der CDU koaliert, desto weniger % bleiben übrig.
biba_123 27.01.2017
4. Zwei Vorteile hat Schulz
Er kann drei zusammenhängende Sätze formulieren und, vor allem, er kann lachen! Ich glaube,die Leute haben die Nase von der Dauertrauermiene Merkel satt. Der Mann hat gute Chancen!
spon_2502913 27.01.2017
5. Erst Maischberger
dann eine völlig überforderte Illner und am Sonntag Will, abgesehen von den immer wiederkehrenden Gästen, immer das Gleiche, durch gekaut und ausgespuckt. Keine Ideen mal über andere kritische Themen zu diskutieren. Es gibt nicht mehr viel Sendungen die mich in ARD/ ZDF mitreißen. Schade, der Laden muss mal richtig entstaubt werden. LG
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