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23. November 2018, 00:32 Uhr

Illner-Talk über den Brexit

Britannien wird nicht im Atlantik versinken

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Maybrit Illner fragt, was der Brexit für Europa bedeutet. Das wisse nicht einmal Gott, sinniert Polit-Oldie Edmund Stoiber. Und Katarina Barley? Ja, Nein, Vielleicht. Ein etwas ratloser Talk zur "state of the union".

Eine Sendung über Wohl, Wehe und den weiteren Weg der Europäischen Union nach dem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs sollte man, eigentlich, mal mit 28 Teilnehmern aus allen Mitgliedstaaten machen. Sorry, mit 27. Die Briten sind ja nun bald raus. Maybrit Illner setzte dagegen auf politikwissenschaftliche und historische Expertise, mit einer englischen Britin, einer deutsch-britischen Europäerin sowie einem europäischen Urbayern.

Kontroverse des Abends: Keine. Es ist, wie es ist. Nun sei, da waren sich alle Beteiligten einig, das Beste daraus zu machen.

Applaus des Abends: Gab's für die Politikwissenschaftlerin Linn Selle und ihren Einwurf: "Ich finde es schade, dass nur von den Regierungen geredet wird", wenn es um die Drift weg von Europa gehe. Im Auge behalten müsse man "die Bevölkerungen", denen die Zugehörigkeit zu Europa immer auch eine Zugehörigkeit zu demokratischen Verhältnissen bedeutet habe.

Brüsselerin des Abends: Katarina Barley, Bundesjustizministerin mit britischem und deutschem Pass, ist SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl im kommenden Jahr. Sie hätte freilich "gegen den Austritt gestimmt". Dass Italien den Stabilitätspakt verletzen will, geschenkt, das haben sich schon andere Staaten geleistet (darunter Deutschland), aber: "Was wir nie tolerieren werden, ist, dass sich Länder vom rechtsstaatlichen Konsens verabschieden".

Binse des Abends: Kam von Andreas Rödder, Historiker: "Nur weil die Briten aus der Europäischen Union austreten, verschwinden die britischen Inseln ja nicht in den Tiefen des Atlantiks".

Einigung des Abends: Edmund Stoiber (CSU), der Historiker Rödder und die Politikwissenschaftlerin Selle weisen unisono darauf hin, dass es, beispielsweise in Italien, eine Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 40 Prozent gibt - und noch andere Missstände, die nicht nur von populistischen Kräften der europäischen Austeritätspolitik angerechnet werden.

Rückblick des Abends: Wieder der Historiker, hinweisend auf die unterschiedlichen Perspektiven auf Brüssel. Für Frankreich immer "eine Versicherung gegen Deutschland" gewesen, für Deutschland "ein Resozialisierungsprogramm", für die Osteuropäer ein Versprechen von Demokratie und so weiter. Hier sei "Flexibilität" gefragt und nicht mehr die leere Rede "von der Wertegemeinschaft". Stattdessen: "empathischer Realismus".

Appell des Abends: Gleichfalls Rödder, der im Grunde sofort als Spitzenkandidat irgendeiner sehr pragmatischen Partei bei der Europawahl antreten müsste. Der Brexit fordere "die Konstruktivität und Fantasie und Produktivität" der EU heraus, das Beisammensein künftig "flexibler" zu gestalten. Nicht als "ever closer union", sondern als Verein der Vielfältigkeiten.

Gegenrede des Abends: Linn Selle will eben kein pragmatisches Europa der kleinsten gemeinsamen Nenner: "Wir müssen uns überlegen: Wo wollen wir denn mal hin?"

Analogie des Abends: Anne McElvoy, Journalistin des "Economist", auf die Frage, warum Theresa May sich überhaupt so lange halte: "Tja, wer will den Job? In Deutschland will ja jeder den Job der Bundeskanzlerin, zurzeit".

Star des Abends: Edmund Stoiber. Er streute nicht nur Erkenntnisse wie jene, dass der Austritt sei, "als würden da zehn, zwölf andere Länder austreten", weil es einfach so groß ist, dieses Britannien. Er gab auch zu, sich zuletzt zweimal kräftig geirrt zu haben, beim Brexit und bei Trump: "Die beiden Entscheidungen, die hintereinander getroffen worden sind, waren irre". Und er bringt champagnerhafte Klarheit in italienische Verhältnisse, wo derzeit die faschistoide Lega Nord mit Fünf-Sterne-Bewegung koaliert: "Die haben eine Regierung, wenn ich das mal so sagen darf, aus AfD und Piratenpartei".

Dialog des Abends: Rödder: "Was da im britischen Parlament entschieden wird oder auch nicht, dass weiß niemand, nicht einmal " Stoiber von der Seite: "Gott!" Rödder gnadenlos: "Nein, der auch nicht!"

Tenor des Abends: Und? Ist der Brexit das Ende der Europäischen Union? Ja. Nein. Vielleicht. Und wenn, wird unser winziges asiatisches Vorgebirge schon nicht untergehen.

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